Liebe Leserinnen und liebe Leser,

die Pflegeversicherung ist selbst ein Pflegefall.

Die sozialpolitischen Reformen der letzen Jahrzehnte litten an dramatischer Leukämie. Und es fehlt nicht an scharfsinnigen Fehlurteilen von verantwortungsschwachen Experten, die Einfälle wie Kuhfladen fallen lassen. Die immer gleichen Lieder aus der sozialpolitischen Gebetsmühle: „Renten sind sicher“, „Krankenkassenbeiträge werden sinken“ - da haben Politiker Ihre Vokabel oftmals eine Nummer zu groß gewählt. Und die Funktionäre, die alten Bollwerke der „Verbände- Demokratie“, sie bewachen die Vergangenheit. … die wirklichen Sorgen unserer Zeit beginnen genau dort, wo deren Phrasen enden.

Ein zentrales Problem besteht darin, dass Sozialpolitik immer wieder versucht, die Grundrechenarten der Wirtschaftspolitik außer Kraft zu setzen.
Wenn lediglich 23 Millionen versicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse (mit weiter abnehmender Tendenz) fünf Millionen Arbeitslose (mit weiter steigender Tendenz) finanzieren sollen, ist es vorhersehbar, dass es zu finanziellen Engpässen kommt.
Es ist unmöglich anzunehmen, dass man mit einem Fuß bremsen und mit dem anderen Gas geben kann.

Die Grenzen des „sozial Verträglichen“ sind gefährdet. Das gilt für Nehmende wie Gebende gleichermaßen. Das gilt auch für Ärzte und Pflegeberufe mit ihrem angeärgerten Wohlwollen. Sie sind die Antennen der sozialen Gesellschaft.

Wie sieht die soziale Sicherheit im Bereich der Pflegeversicherung aus?

Automatisch wird jeder Bürger als Mitglied seiner gesetzlichen Krankenkasse auch Mitglied der Pflegekasse dieser Krankenkasse. „Privat“ - Krankenversicherte müssen eine private Pflegeversicherung abschließen.
Im Bedarfsfall soll ermöglicht werden, möglichst lange ein selbstbestimmtes, selbständiges Leben in der gewohnten häuslichen Umgebung zu führen. Der häuslichen Pflege wird ausdrücklich der Vorrang vor stationärer Pflege gegeben. Zusätzliches Ziel der Pflegeversicherung ist die Prävention und Rehabilitation: Pflegebedürftigkeit soll möglichst vermieden, - wenn eingetreten – überwunden oder nachfolgend eine Verschlechterung verhindert werden.

Pflegende Angehörige sollen unterstützt werden, wahlweise durch Pflegegeld, ambulanten Pflegedienst und/oder durch Pflegekurse. Mit den Begutachtungsrichtlinien wurden Zeitkorridore für die Pflegezeit eingeführt. Sie liefern Anhaltsgrößen im Sinne eines Orientierungsrahmens. Diese Zeitkorridore orientieren sich an der Laienpflege.

Für die Feststellung der Pflegebedürftigkeit ist allein der individuelle Hilfebedarf des Versicherten maßgeblich. Dadurch soll das Individualitätsprinzip und zugleich eine bundeseinheitliche Begutachtung nach einheitlichen Kriterien gewährleisten sein.
Die Begutachtungsrichtlinien werden an die Erkenntnisse der Pflegewissenschaft, der Medizin und der Rechtssprechung angepasst.

Wer aber ist nun pflegebedürftig im Sinne des SGB XI?

Pflegebedürftig sind „Versicherte, die wegen einer körperlichen, seelischen, geistigen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen des täglichen Lebens für mindestens 6 Monate in erheblichem oder höherem Maße Hilfe bedürfen.“ Das bedeutet: ein kurzfristiger Hilfebedarf unter 6 Monaten führt nicht zur Einstufung in die Pflegeversicherung. Ursache der Pflegebedürftigkeit müssen also Krankheiten oder Behinderungen sein. Es gilt eine Gleichbehandlung von körperlichen und psychisch Kranken, sowie geistig und körperlich Behinderten.

Nicht die Schwere einer Erkrankung oder Behinderung, sondern allein der aus der konkreten Funktionseinschränkung resultierende Hilfebedarf bildet die Grundlage für die Bestimmung der Pflegebedürftigkeit. Tragische und schwere Erkrankungen wie z. B Blindheit oder ein inoperables Karzinom begründen noch keine Pflegebedürftigkeit im Sinne des Gesetzes. Eine Erwerbsunfähigkeit oder der Grad einer Behinderung sagen noch nichts über eine Pflegebedürftigkeit aus. Maßstab für die Feststellung der Pflegebedürftigkeit ist der individuelle Hilfebedarf des Antragstellers unter Berücksichtigung seiner individuellen Ressourcen und funktionellen Einschränkungen, seiner individuellen Lebenssituation und seiner individuellen Pflegesituation.
Ein weiterer Maßstab für die Bemessung der Pflegebedürftigkeit ist der Rahmen des medizinisch und pflegerisch Notwendigen. Eine Überversorgung oder eine besonders aufwendige Betreuung kann nicht berücksichtigt werden.

Brisant wird die Diskussion im Detail. Ein Beispiel: Altersverwirrtheit.
„Die steigende Lebenserwartung führt in Zukunft dazu, dass fast jeder von uns, der auch nur ein durchschnittliches Alter erreicht, am Ende demenzkrank sein wird. Wenn wir dann alle als Pflegefälle eingestuft sind und von den wenigen Kindern, die wir in die Welt gesetzt haben, finanziert werden sollen, dann ist das Zechprellerei auf Kosten unseres Nachwuchses“, sagt Prof. Raffelhüschen, ein exzellenter Kenner der Materie.

 


Für Ihre Gesundheit alles Gute!
Wünscht Ihnen Ihr Wolfgang Woynar

Herzlichst Ihr Wolfgang Woynar


Demenz

Vater ist altersverwirrt. Er weiß nicht mehr, wo er ist. Er weiß nicht mehr, dass er Kinder und Enkelkinder hat - das schmerzt! Demenz heißt der medizinische Fachbegriff für die Erkrankung des Gehirns, bei der Menschen die Kontrolle über ihr Denken und sich selbst verlieren. Sie sind, wie das lateinische Wort "dementia" besagt: "ohne Geist". Rund 1,2 Millionen sollen in Deutschland an dieser Krankheit leiden, mehrheitlich über 60 Jahre alt: "entkernte Persönlichkeiten".

Wir Ärzte unterscheiden drei Formen von Demenz. Etwa 60 Prozent haben Alzheimer. Ihre Anzahl soll sich nach Schätzungen in den kommenden 50 Jahren verdreifachen. Daneben gibt es die sogenannte vaskuläre Demenz, die auf Grund von Durchblutungsstörungen im Gehirn entsteht, sowie eine Mischform aus den beiden. Welche Form im Einzelfall vorliegt, lässt sich meist nur schwer feststellen.

Mit dem fortschreitenden Gedächtnisverlust können Angehörige in der Regel noch gut umgehen. Als sehr belastend für das Verhältnis zum Dementen empfinden Familienmitglieder jedoch die auftretenden Verhaltensänderungen wie Wutanfälle, Aggressionen, Halluzinationen oder Ruhelosigkeit. Klassisches Beispiel: der Demenzkranke verlegt - oder versteckt - Gegenstände und bezichtigt dann Angehörige oder Pfleger des Diebstahls. Gehen sowohl Verhaltensstörung als auch Vergesslichkeit über das normale Maß hinaus, sollte umgehend der Hausarzt aufgesucht werden.

Auch wenn Demenz "unheilbar" ist, bestimmte Medikamente können das Fortschreiten der Krankheit für eine gewisse Zeit aufhalten, die Symptome mildern und Lebensqualität sichern. Geriatrisch sachkundige Hausärzte und Fachärzte sind kompetente Ansprechpartner.

Im Zusammenleben mit Dementen belastet Angehörige am meisten, dass die geliebte, vertraute Person sich in ihrem Wesen völlig verändert. Wichtig ist deshalb, sich immer erneut bewusst zu machen, dass der oder die Betroffene „krank“ und das Verhalten nicht „böswillig“ ist.

Mein Rat: fassen Sie z.B. Wutanfällen nicht als persönlichen Angriff auf, lenken Sie stattdessen ab. Wenn Sie den Wütenden festhalten, um ihn zu beruhigen, erreichen Sie nichts. Besser ist es, ihn "agieren zu lassen". Wenn nichts mehr hilft, verlassen Sie lieber den Raum! Verzichten Sie auf Strafen jeglicher Art. Bei Wahnvorstellungen bringt es wenig, wenn Sie versuchen dem Kranken seine Überzeugungen auszureden.
Stattdessen sollten Sie ihm Geborgenheit und Verständnis entgegenbringen, solange Sie es allein schaffen. Aber bevor Sie selbst seelischen Schaden nehmen oder körperlich am Ende sind: "Nehmen Sie professionelle Hilfe an!"

Falls Sie als Angehörige von pflegebedürftigen Familienmitgliedern trotz Unterstützung an die Grenzen von Zeit, Kraft und Einfühlungsvermögen stoßen, sind sinnvolle sowie fachgerechte, wenn auch oft schmerzliche Entscheidungen gefordert, z.B. der Einzug in eine seniorengerechte Einrichtung. Menschenwürdige Lebensqualität und die Zufriedenheit bleiben oberstes Ziel, ebenso wie das Recht, entsprechend seinen Bedürfnissen „begleitet“ zu werden. Dabei ist ein eigenes Zimmer mit persönlichen Dingen wie Möbel, Bilder und Erinnerungsstücken wichtig für das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit.

 

Dr. med. Wolfgang Woynar, Dipl. Psych.
Facharzt für Allgemeinmedizin
www.hausarzt-bremerhaven.de


Pflege - Versicherung in Stufen


Die Idee war einfach: Pflegebedürftigkeit ist ein allgemeines Lebensrisiko. Es führt für Betroffene und deren Angehörige zu großen psychischen, physischen und finanziellen Belastungen. Deshalb ist die Notwendigkeit einer Pflegeversicherung unbestritten. Aber um ihre konkrete Ausgestaltung, die daraus erwachsenden Regelungen zu Leistungen, Beiträgen - darüber wird bis heute endlos lange gezankt.

Pflegebedürftigkeit bedeutet, bei lebensnotwendigen Verrichtungen des täglichen Lebens auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Dafür finanzielle und sachliche Hilfe bereitzustellen, ist Aufgabe der Pflegeversicherung. In welchem Umfang?

Der politisch vorgegebene finanzielle Rahmen dieser fünften Säule der Sozialversicherung setzt Grenzen. Die Kosten von Pflegebedürftigkeit können nicht vollständig, sondern nur teilweise abgesichert werden. So kann es beispielsweise sein, dass bei Inanspruchnahme eines Pflegedienstes zur regelmäßigen Durchführung von Pflegeleistungen in der Grundpflege alle Versicherungsleistungen bereits verbraucht werden. Diese können im Einzelfall aber nur ein Bruchteil dessen sein, was tatsächlich täglich an notwendiger Hilfe erbracht werden muss.

Die wesentliche Zielsetzung der Pflegeversicherung war eine Verbesserung von Infrastruktur und Qualität in der ambulanten Pflege, um die Notwendigkeit von Heimunterbringungen und damit verbundenen hohen Kosten für die Sozialkassen zu verringern. Diese Zielrichtung wird unter dem Schlagwort - ambulant vor stationär - zusammengefasst.

Wer ist überhaupt leistungsberechtigt?
Alle Versicherten, die eine Vorversicherungszeit erfüllt haben, wenn zusätzlich:
• die Pflegebedürftigkeit aus Krankheit oder Behinderung resultiert,
• voraussichtlich mindestens 6 Monate andauert und
• im Rahmen einer Begutachtung durch den Medizinischen Dienst mindestens eine erhebliche
Pflegebedürftigkeit (Stufe 1) festgestellt wurde.

Was sind Pflegestufen?
Die Leistungen der Pflegeversicherung für Pflegebedürftige (und auch für eine Pflegeperson) sind nach Pflegestufen gestaffelt. Maßgeblich dafür sind der Umfang und die Häufigkeit der benötigten Hilfen bei der Körperpflege, der Ernährung, der Mobilität und der hauswirtschaftlichen Versorgung. Die jeweils zutreffende Pflegestufe wird bei Feststellung der Pflegebedürftigkeit bestimmt.

Der Gesetzgeber hat sich bei Einführung der Pflegeversicherung für drei Pflegestufen entschieden. Maßstab für die Zuordnung zu einer dieser drei Pflegestufen ist die Häufigkeit des Hilfebedarfs im Tagesverlauf und ein zeitlicher Mindestaufwand.

Welcher Zeitaufwand ist zu bewerten?
Es ist zunächst wichtig, die einzelnen Verrichtungen anzusehen. Zu unterscheiden ist zwischen Grundpflege und hauswirtschaftlicher Versorgung. In der Praxis zeigt sich, dass die Verrichtungen der Grundpflege die wesentliche Rolle bei der Zuordnung zu den einzelnen Pflegestufen spielen. Die Grundpflege selbst wird in drei Bereiche unterteilt:

1. Die Körperpflege umfasst das Waschen, das Duschen, das Baden, die Zahnpflege, das Kämmen, das Rasieren und die Ausscheidung.

2. Die Ernährung setzt sich aus der mundgerechten Zubereitung der Nahrung und der Nahrungsaufnahme zusammen.

3. Im Bereich der Mobilität sind das Aufstehen und Zubettgehen, das Lagern, das An- und Auskleiden, das Stehen mit allen Transfers, das Gehen, das Treppensteigen ausschließlich innerhalb der Wohnung sowie das Verlassen- und Wiederaufsuchen der Wohnung ausschließlich bei regelmäßig, das heißt mindestens einmal wöchentlich, anfallenden Arzt- und Therapiebesuchen zusammengefasst.

Ausgehend vom Ausmaß der krankheitsbedingten Unselbständigkeit des Pflegebedürftigen bei diesen Alltagsverrichtungen unter Berücksichtigung der noch erhaltenen Fähigkeiten wird im Rahmen der Begutachtung ein durchschnittlicher Zeitaufwand veranschlagt, den ein Angehöriger oder eine andere nicht als Pflegekraft ausgebildete Pflegeperson für alle berücksichtungsfähigen Verrichtungen benötigt.

Die drei Pflegestufen:
Pflegestufe I: Erheblich Pflegebedürftig. Hilfebedarf besteht einmal täglich bei wenigstens zwei Verrichtungen aus den Bereichen Körperpflege, Ernährung oder Mobilität und zusätzlich mehrfach in der Woche bei der hauswirtschaftlichen Versorgung.
Der Zeitaufwand, den ein Familienangehöriger oder eine andere nicht als Pflegekraft ausgebildete Pflegeperson für die erforderlichen Leistungen der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt, muss wöchentlich im Tagesdurchschnitt mindestens 90 Minuten betragen; hierbei müssen auf
die Grundpflege mehr als 45 Minuten entfallen.

Pflegestufe II: Schwerpflegebedürftig. Hilfebedarf besteht dreimal täglich zu verschiedenen Zeiten für Verrichtungen aus den Bereichen Körperpflege, Ernährung oder Mobilität und zusätzlich mehrfach in der Woche bei der hauswirtschaftlichen Versorgung.
Der Zeitaufwand, den ein Familienangehöriger oder eine andere nicht als Pflegekraft ausgebildete Pflegeperson für die erforderlichen Leistungen der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt, muss wöchentlich im Tagesdurchschnitt mindestens drei Stunden betragen; hierbei müssen auf die Grundpflege mindestens zwei Stunden entfallen.

Pflegestufe III: Schwerstpflegebedürftig. Hilfebedarf besteht rund um die Uhr bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität und zusätzlich mehrfach in der Woche bei der hauswirtschaftlichen Versorgung. Der Zeitaufwand, den ein Familienangehöriger oder eine andere nicht als Pflegekraft ausgebildete Pflegeperson für die erforderlichen Leistungen der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt, muss wöchentlich im Tagesdurchschnitt mindestens fünf Stunden betragen. Auf die Grundpflege müssen mindestens vier Stunden entfallen.
Bei Kindern ist für die Zuordnung zu einer Pflegestufe der zusätzliche Hilfebedarf gegenüber einem gesunden gleichaltrigen Kind maßgebend.

 

Dr. med. Wolfgang Woynar
Arzt und Psychologe
www.hausarzt-bremerhaven.de


Der Ablauf der Begutachtung vom Antrag bis zum Bescheid

Den Antrag zur Feststellung von Pflegebedürftigkeit können Sie entweder selbst stellen oder Sie bevollmächtigten eine Person Ihres Vertrauens, zum Beispiel Ihren betreuenden Hausarzt.

Ihre Pflegekasse wird Sie sodann auf Ihre Mitwirkungspflicht hinweisen. Das bedeutet: Sie als Versicherter müssen Ihr Einverständnis erklären, dass der Pflegekasse und dem „Medizinischen Dienst der Krankenkasse“ (MDK) sämtliche ärztliche Berichte, Gutachten und Befunddokumentationen zur Verfügung gestellt werden. – Ihr klarer Vorteil: wenn Sie einen „Hausarzt“ haben, der alle Ihre Befunde hat und helfen kann! - Weiterhin müssen Sie einem Besuch in Ihrer häuslichen Umgebung zustimmen.

Der MDK beauftragt sodann einen Gutachter und informiert Sie rechtzeitig über den Besuchstermin. In Bremerhaven werden die Versicherten überwiegend von freiberuflichen Gutachtern besucht. Gutachter sind geschulte Ärzte und Pflegekräfte.

Vom Antrag zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit bis zur Begutachtung vergehen ca. vier Wochen. Bei eindeutiger Aktenlage kann auch eine Entscheidung ohne einen Hausbesuch getroffen werden. Diese Entscheidung wird jedoch nur in Ausnahmefällen getroffen.
Der Gutachter prüft bei einem Hausbesuch, ob die Voraussetzungen der Pflegebedürftigkeit erfüllt sind und welche Pflegestufe vorliegt. Bestandteile des Gutachtens sind Aussagen über die Notwendigkeit vollstationärer Pflege, Aussagen über die Versorgungssituation und Vorschläge zu Verbesserungen.

Der Gutachter kann Hilfsmittel, Pflegehilfsmittel, technische Hilfen empfehlen, sowie Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes, aber auch Maßnahmen zur Rehabilitation und Prävention. Zudem erstellt der Gutachter eine Prognose über die weitere Entwicklung der Pflegebedürftigkeit und empfiehlt Termine zur gesetzlich vorgeschrieben Wiederholungs- Begutachtung. Bei Kindern finden Begutachtungen alle zwei Jahre statt.
Bei Erwachsenen werden konkrete Termine nur vorgeschlagen, wenn wesentliche Veränderungen des Allgemeinzustandes oder auch beim täglichen Hilfebedarfs gegeben sind. Der Gutachter prüft weiterhin, ob die Versorgung gesichert ist. Er leitet sein Gutachten nach seinem Besuch innerhalb spätestens sieben Werktagen wieder an den MDK zurück. Das Gutachten wird beim MDK von der internen Qualitätskontrolle gegengelesen. Die Pflegekasse benachrichtigt sodann Sie in einem rechtskräftigen Bescheid über das Ergebnis der Pflegebegutachtung. Die Erkenntnisse der Gutachter werden als Empfehlungen definiert.

Wiederspruch können Sie innerhalb eines Monats nach Zusendung des Bescheides formlos einlegen. Jeder Versicherte hat das Recht auf Einsicht. Sie können eine Kopie Ihres Gutachtens anfordern. Der Widerspruch wird an den MDK weitergeleitet.
Der Erstgutachter wird dann um eine Stellungnahme gebeten: zur Frage, ob neue Erkenntnisse vorliegen, ob sich aus dem Widerspruch abweichende Empfehlungen bzgl. der Pflegestufe ergeben, ob ein erneuter Hausbesuch sinnvoll erscheint und ähnliches.
Interne Gutachter entscheiden, ob nach Aktenlage entschieden wird oder ob ein neuer Hausbesuch durch einen Zweitgutachter sinnvoll ist. Bei erneuter Ablehnung können Versicherte eine Beratung durch einen Fachanwalt für Sozialrecht in Anspruch nehmen.
Letztlich besteht die Möglichkeit eine Entscheidung durch das Sozialgericht zu erwirken.

 

Dr. med. Wolfgang Woynar, Dipl. Psych.
FA Allgemeinmedizin
woynar@hausarzt-bremerhaven.de


Wie finden Sie einen (sehr) guten Pflegedienst?

Pflege ist Vertrauenssache. Die Wahl des richtigen Dienstes fällt da schwer.
In Deutschland gibt es mehr als 12.000 ambulante Pflegedienste. Angesichts der steigenden Zahl pflegebedürftiger Menschen wird der Markt stetig wachsen.

Jeder von uns kann von heute auf morgen zum Pflegefall werden. Ambulante Pflege zu Hause bieten in Bremerhaven neben den Wohlfahrtsverbänden mehr als zwanzig „private Pflegedienste“ an. Wie überall gilt: viele sind gut, wenige jedoch sehr gut. Woran aber erkennen SIE, liebe Leserinnen und Leser, ob Sie sich oder ihren Angehörigen in wirklich professionelle Hände begeben?

Einige Pflegedienste werben mit ihrem Qualitätssiegel. Das hilft in jedem Fall weiter. Solche Pflegedienste leisten gute Dienste und legen die überprüften Qualitätskriterien offen dar. So erhalten Sie als Kunde wertvolle Informationen über das Leistungsspektrum „Ihres“ Pflegedienstes.

Geprüft wird Qualifikation des Personals, die Pflegeleistung, Planung und Organisation, Patientenzufriedenheit, kostenbewusstes Arbeiten und ob Patienten gut gepflegt und beraten werden. Gegenstand der Qualitätsprüfung ist außerdem eine gute und anhand von Dokumenten nachweisbare Zusammenarbeit mit dem Hausarzt.

Ihre Entscheidung kann Ihnen niemand abnehmen. Denn: was Qualität im Einzelnen bedeutet, kann subjektiv sehr unterschiedlich sein. Dennoch gibt es eine Reihe von objektiven Faktoren, die durch die Prüfverfahren gesichert sind. Bestimmte Kriterien weisen auf mutmaßliche Qualität hin.

Wer einen ambulanten Pflegedienst betreiben will, braucht für die Zusammenarbeit mit den Kranken- und Pflegekassen eine Zulassung bzw. den Versorgungsvertrag. Dieser Vertrag regelt zum Beispiel, dass eine verantwortliche Pflegefachkraft mit nachgewiesener Berufserfahrung tätig sein muss. Zudem muss ein qualifizierter Mitarbeiter als Vertretung zur Verfügung stehen und selbstverständlich müssen außerdem genügend qualifizierte Mitarbeiter für die Pflege gestellt werden.

Was Sie vor Vertragsabschluss tun sollten:

1. Informieren Sie sich,
- welche Ausbildung und Qualifikation das Personal des Pflegedienstes hat
- welche Leistungen der Pflegedienst anbietet
- ob der Pflegedienst Wert darauf legt, möglichst immer dieselben Mitarbeiter bei Ihnen einzusetzen

2. Lassen Sie sich kompetent beraten – individuell und im Detail. Die Pflegefachkraft des Pflegedienstes sollte Sie gezielt beraten,
- welche Leistungen Sie voraussichtlich benötigen
- wie oft Sie diese benötigen
- zu welcher Tageszeit die Leistungen erbracht werden sollen
- was diese Leistungen voraussichtlich kosten werden
- wie viel davon ihre Kranken- oder Pflegekasse bezahlt
- wo Sie Hilfe bekommen, wenn sie sich keine Zuzahlung leisten können
- wie Sie den Pflegedienst im Notfall erreichen können: hält er eine 24-stündige Bereitschaft vor oder nicht?
- wer ist bei Beschwerden Ihr Ansprechpartner?
- wie können Sie den einmal geschlossenen Vertrag wieder kündigen?

Daran sollten Sie denken:
- Holen Sie verschiedene Angebote von Pflegediensten ein!
- Ziehen Sie im Zweifelsfall eine Person ihres Vertrauens zu den Beratungsgesprächen hinzu!

Wichtig: Schließen Sie mit dem Pflegedienst Ihres Vertrauens einen schriftlichen Vertrag ab, der alle – auch mündlichen – Vereinbarungen enthält, inklusive Kündigungsfristen!
Selbstverständlich können Sie auch Ihren Hausarzt um Rat fragen, denn der hat in seiner täglichen Praxis reichlich Erfahrungen gesammelt und kann die Qualität der Pflegedienste beurteilen - medizinisch wie psychologisch. Er wird Ihnen sicherlich gern weiterhelfen.

Dr. med. Wolfgang Woynar, Dipl. Psych.
FA Allgemeinmedizin
woynar@hausarzt-bremerhaven.de


Großmutter wird zum Pflegefall


Großmutter lebte allein in einer kleinen Wohnung in unserer Stadt. Nach einem Schlaganfall wurde sie ins Krankenhaus eingeliefert. Bereits nach einer Woche war klar, dass sie nie mehr nach Hause zurückkehren kann. Großmutter ist ein Pflegefall geworden! Wir entschließen uns, sie nach Entlassung aus dem Krankenhaus und vierwöchiger Kurzzeitpflege anschließend bei uns aufzunehmen. Die Zeit bis dahin sollen wir nutzen, alle Vorbereitungen zu treffen - einen Pflegedienst zu organisieren, Platz in den eigenen vier Wänden zu schaffen und wenn nötig sogar umzubauen. Wer bezahlt das eigentlich alles? Die Pflegeversicherung!? Wir müssen uns beraten lassen.
Die Ärzte im Krankenhaus meinten, es sei ziemlich ernst und sie seien relativ sicher, dass Leistungen aus der Pflegeversicherung bezahlt werden. Aber in welcher Höhe? Bekannte erzählen von Erfahrungen mit dem Medizinischen Dienst, die uns eher skeptisch stimmen.
Längere Wartezeiten seien wegen der vielen Anträge normal.

Aber wir können doch nicht warten, bis das Ergebnis der Begutachtung feststeht. Ohne einen Pflegedienst schaffen wir es sicher nicht und ein eigenes Zimmer müssen wir für Oma mindestens einrichten. Wir müssen es riskieren!
Kein Einzelfall! Viele Betroffene, die sich zur Versorgung eines pflegebedürftigen Angehörigen entschlossen haben, sind anfangs ähnlich ratlos!
In dieser Situation ist es wichtig, sich rasch über die Möglichkeiten, aber auch über die Grenzen der Pflegeversicherung zu informieren.
Hier bieten sich zum Beispiel die zuständige Pflegekasse oder die Verbraucherberatung an. Die Verbraucherzentrale hat zu diesem Thema eine informative Broschüre herausgegeben. Zusätzlich sind Schriften zum Thema im Buchhandel erhältlich.
Wie finden wir den passenden Pflegedienst? Bekannte, die Überleitungsstelle im Krankenhaus, der Hausarzt, das Branchenbuch etc. können vielleicht beraten? Die Auswahl ist groß, die Entscheidung schwierig.

Dr. med. Wolfgang Woynar
FA Allgemeinmedizin
www.hausarzt-bremerhaven.de