Liebe Leserinnen und liebe Leser,

Die „Innenauskleidung“ unserer Atemwege hat ausgebreitet die Fläche eines Tennisplatzes bis Fußballfeldes. Sie steht über die Atmung in ständigem Austausch mit der Umwelt. Ein gesunder Organismus nimmt die Pollen ohne Reaktion zur Kenntnis. Ein übersensibles Immunsystem jedoch will „Zoff“ und die irrtümlich als gefährlich eingestuften Eindringlinge werden mit allen Mitteln bekriegt. Sobald die Blütenpollen die Schleimhäute von Nase und Augen berührt haben, mobilisiert das Immunsystem spezielle Antikörper gegen das Fremdeiweiß. Sie sitzen auf den so genannten Mastzellen, die ihrerseits bestimmte Gewebshormone freisetzen, u.a. Histamin, das zu den typischen Heuschnupfenbeschwerden, z.B. „Triefnase“ und Nasenjucken, führt. Auch Nahrungsmittel, die in ihrer Form oder Eiweißstruktur bestimmten Pollen ähneln, können zu Krankheitssymptomen führen. Typische Kreuzreaktionen.
Zum Beispiel reagieren Patienten mit Allergien gegen Frühblüher (wie Haselnuss, Erle und Birke) allergisch auf grüne Äpfel, Wal- oder Erdnüsse. Typisch sind auch Reaktionen auf Hülsenfrüchte oder Getreidemehle bei Gräserallergien. Jeder vierte Deutsche leidet an einer Allergie. Und es werden immer mehr. Das milde Klima verlängert die Pollenflugzeit um mehr als zehn Tage pro Jahr und – die Pollen werden durch Luftschadstoffe aggressiver. Heuschnupfen ist anstrengend. Er beeinträchtigt in erheblichem Maße die Leistungsfähigkeit. Der Kampf des Immunsystems mit den Allergenen kostet viel Energie: bei allergischem Schnupfen sinkt die geistige Leistung um etwa 30 Prozent. Die Diagnose einer Pollenallergie ist aufwendig.
Wichtig ist, dass Sie Ihrem Arzt ausführlich Ihre Symptome schildern. Das hilft schon entscheidend weiter. Neben einer Blutuntersuchung zum Antikörpernachweis werden Provokationstests durchgeführt, bei denen verschiedene verdächtige Stoffe auf Haut und Schleimhaut gebracht
werden. Die wichtigsten Wirkstoffe zur Behandlung akuter Beschwerden sind Antihistaminika, die den Botenstoff Histamin hemmen, sowie Kortison zur Unterdrückung von Entzündungsreaktionen.
Einzige ursächliche Behandlung ist die Hyposensibilisierung. Dabei werden Allergenextrakte in stetig steigender Dosierung unter die Haut gespritzt (subkutane Immuntherapie) oder in regelmäßigen Abständen als Tropfen unter die Zunge geträufelt (sublinguale Immuntherapie). Ziel der ärztlichen Behandlung bleibt, die akuten Symptome zu lindern. Tränende, juckende Augen, „Schnief“-Nase und ständiger Niesreiz zählen neben Müdigkeit und Kopfschmerzen dazu. Das ist vorrangig, „wenn richtig kräftig Polle fliegt…“ Mittel- und langfristig aber gilt es, den drohenden „Etagenwechsel“ zu verhindern, also dem „Asthma bronchiale“ vorzubeugen. Es droht ein Anschwellen der Schleimhäute in den Luftwegen und Bronchien und somit die Gefahr der Kurzatmigkeit und Atemnot.
Ein Drittel der Pollenallergiker entwickelt im Laufe seines Lebens ein allergisches Asthma, so die Schätzungen von Experten, die es wissen müssen. Das bedeutet: Wer rechtzeitig das richtige tut, kann verhindern, dass sich die allergische Reaktion gegen Birke, Roggen, Beifuss & Co. zu Asthma auswächst. Erstes Anzeichen eines „hyperreagiblen“ Bronchialsystems ist leichter, trockener Reizhusten. Heuschnupfen wird also nicht wie gewöhnlicher „Schnupfen“ durch Viren oder Bakterien verursacht, sondern durch Pollen. Deren Eiweißstoffe wirken als Allergene mit einer nachfolgenden
Überreaktion des Immunsystems.
Darunter verstehen wir Ärzte eine unangemessen starke, „überschießende“ Reaktion des Immunsystems auf an sich harmlose Stoffe. Zum Schluss, liebe Leserinnen und liebe Leser, eine wichtige Bemerkung: Selbstbehandlung kann gefährlich werden. Selbstmedikation birgt die Gefahr der Unter-, Über- oder Fehlbehandlung. Vor unsinnigen Heilmitteln und Therapien gegen Asthma und Heuschnupfen kann ich nur warnen. Die Gefahr dubioser Methoden liegt insbesondere auch darin, dass Menschen eine sinnvolle Therapie absetzen oder ablehnen. Mein Rat also: Nicht selber herumdoktern bei Allergie und Asthma! Ärztliche Beratung und die Wahl der richtigen Arzneimittel sind unverzichtbar.

 

Herzlichst Ihr Wolfgang Woynar


Was ist Asthma?


Obwohl Asthma, chronische Bronchitis und Emphysem ganz unterschiedliche Atemwegserkrankungen sind, haben sie eines gemeinsam: „man kriegt schlecht Luft“. Alle drei Krankheiten sind chronische Erkrankungen, das heißt sie bleiben meist lebenslange Begleiter. Das Asthma bronchiale ist eine chronische, entzündliche Erkrankung der Atemwege. Infolge der Verengung der Atemwege führt das zu Anfällen von Luftnot. Es besteht eine Überempfindlichkeit der Bronchien (Hyperreagibilität).
Die Ausprägung der Asthmaattacken kann sehr unterschiedlich sein - von leichten, einige Minuten dauernden Atemnot- Episoden bis hin zu lebensbedrohlichen Anfällen.
Beim Asthmaanfall kommt es zu Veränderungen, die die Atemwege verengen: Die Muskeln der Bronchien verkrampfen sich, die Bronchialschleimhaut schwillt entzündlich an, und es bildet sich ein zäher Schleim, der sich nur mit Mühe abhusten lässt.
Diese Veränderungen führen dazu, dass der Durchmesser der Bronchien stark einengt ist und deshalb bedrängende Atemnot entsteht. Ursache der Anfallsweise auftretenden Atemnot ist ein überempfindliches Bronchialsystem: Reize, die ein gesunder Mensch gut toleriert (wie körperliche Anstrengung, kalte Luft, Zigarettenrauch), können beim Asthmatiker zur akuten Atemnot führen. Bei rund 90% der Asthmatiker spielt eine Allergie z.B. auf Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare eine
ursächlich wichtige Rolle. Nach offiziellen Angaben haben in Deutschland etwa vier Millionen Menschen Asthma. Die Symptome können stark variieren, typischerweise wechseln sich Krankheitsschübe
und beschwerdefreie Phasen ab.
Auch bei geringen Beschwerden ist ein Arztbesuch wichtig, denn unbehandelt können die Atemprobleme fortschreiten und zu Spätschäden (Lungenemphysem) führen.

Dr. med. Wolfgang Woynar
Dipl. Psych.
FA Allgemeinmedizin
FA Frauenarzt und Männerarzt (cmi)
www.hausarztbremerhaven.de

 


Asthma - haben Sie Beschwerden?

Fühlen Sie gelegentlich eine gewisse Enge in der Brust oder kommt es auch vor, dass Sie pfeifende, rasselnde oder quietschende Geräusche beim Atmen hören?

Wachen Sie gelegentlich nachts auf und müssen husten und/oder bekommen Sie schlecht Luft?

Meiden Sie Zigarettenrauch, intensive Essensgerüche, kalte Luft oder abgasbelastete Straßen, weil Sie dann schlecht Luft bekommen oder husten müssen?

Müssen Sie niesen, husten oder bekommen Sie schlechter Luft als sonst, wenn Sie in die Nähe von Tieren kommen? Ebenso, wenn im Frühjahr Gräser, Büsche oder Bäume blühen? Oder auch, wenn Sie Staub saugen oder die Betten ausschütteln?

Vermeiden Sie anstrengende Tätigkeiten, weil Sie Ihnen schwer fallen und Husten auslösen?

Werden Sie trotz Asthma-Behandlung nachts häufiger durch Husten oder Atemnot wach?

• Haben Sie, obwohl Sie Ihre Medikamente wie verschrieben regelmäßig einnehmen, den Eindruck, dass Sie öfter als einmal im Monat deutliche Beschwerden bis hin zur Atemnot haben?

• Merken Sie, dass sich die Beschwerden in letzter Zeit trotz Behandlung wieder verstärken?

• Mussten Sie wegen akuter Symptome in letzter Zeit in das Krankenhaus oder zum Notarzt?

• Haben Sie in letzter Zeit Ihr Bedarfs-/Notfallmedikament vermehrt einnehmen müssen (mehr als viermal pro Tag)?

• Falls Sie selber peak-flow-Messungen durchführen: weisen speziell Ihre morgendlichen Werte starke Schwankungen auf?

Wer auch nur einmal mit „JA“ antwortet, sollte unverzüglich seinen Hausarzt aufsuchen !


Wie entsteht eine Allergie?

Die Körperabwehr von Allergikern neigt leider zu Übertreibungen. Sie stuft zum Beispiel Erdnüsse, Pollen oder Tierhaare als feindliche Objekte ein und rüstet mit allen Mitteln der Abwehr gegen sie auf.
Die Folge: Die Polizisten des Immunsystems, die Lymphozyten, bilden Antikörper vom Typ IgE.
Diese Antikörper heften sich an die Mastzellen in den Schleimhäuten der Atemwege und des Magen-Darm-Kanals. Das Immunsystem ist dadurch sensibilisiert und hält nun Allergene für vermeintliche Feinde. Trifft ein Allergen auf einen Antikörper, löst dieser in der zugehörigen Mastzelle Alarm aus. Sie schüttet Botenstoffe wie Histamin aus, die in Mund, Magen, Hals, Herz oder Hirn zu allergischen Symptomen führen.
Unter Pseudoallergien verstehen wir Erkrankungen, bei der die Symptome denen einer Allergie sehr ähneln, die Abläufe im Körper jedoch völlig andere sind. Nahrungsmittelzusätze oder Arzneimittel führen bei diesen Menschen zu lebensgefährlichen Reaktionen.


Dr. med. Wolfgang Woynar
FA Allgemeinmedizin
Sportmedizin
www.hausarztbremerhaven.de




Allergie-Schutz: Tipps im Alltag

 

Fenster geschlossen halten, Wohnung wenig, aber richtig lüften: Bei Regenwetter oder abends und nachts

• Bestimmte Pflanzen und Blumen ausquartieren, Chrysanthemen, Tulpen und Margeriten meiden

• Pollenschutzgitter an Fenstern

• Wäsche in geschlossenen Räumen trocknen: An der frischen Luft setzen sich Pollen in der Kleidung fest

• Haare abends waschen: So verbreiten sich keine Pollen auf dem Kopfkissen und gelangen in den Körper

• Tageskleidung nicht im Schlafzimmer ablegen: Die Pollen darin gelangen in die Zimmerluft

• Staubsauger mit speziellen Filtern verwenden

• Putzen, wischen und kehren möglichst vermeiden

• Sport möglichst in der Halle ausüben. Wer Sport treibt, kommt besser mit den Auswirkungen der Allergie zurecht

• Schleimhäute rein spülen und dafür Nasenduschen mit Salzlösungen (entzündungshemmend) verwenden

• Nicht rauchen oder passiv mitrauchen: Die Schadstoffe verstärken die Allergie

• Auf Kräutertees verzichten: es könnten Blütenpollen enthalten sein

• Autolüftung während der Fahrt ausschalten. Pollen von draußen werden sonst im Wagen verteilt

• Wenn es windig ist, drinnen bleiben: Pollen werden vermehrt durch die Luft gewirbelt

• Regen abwarten: Eine halbe Stunde nach dem Schauer ist die Luft rein, nach länger andauernden Regenfällen sogar stundenlang

• Hut und Brille tragen: schützt Haare und Augen vor Pollen

• Brille statt Kontaktlinsen: Die Brillengläser halten die Pollen vom Auge fern

• Passende Reiseziele auswählen: Vor allem auf Inseln, in den Hochgebirgen über 2000 Meter und am Meer ist die Luft pollenarm

• Wichtig für die Urlaubsplanung: Grundsätzlich am Pollenkalender orientieren. Eine Ferienreise ist am günstigsten, wenn zu Hause die jeweiligen Pollen „Hochsaison“ haben. Der Urlaub an der Nord- und Ostseeküste ist für Allergiker und Asthmakranke besonders geeignet. Der Deutsche Wetterdienst
bietet eine bundesweite Pollenflugvorhersage an, die auch in der NORDSEEZeitung veröffentlicht wird.



Dr. med. Wolfgang Woynar
Dipl. Psych.
FA Allgemeinmedizin
FA Frauenarzt und Männerarzt (cmi)