Liebe Leserinnen und liebe Leser,

Eine häufig gestellte Frage lautet: Warum gibt es eigentlich immer mehr Diabetiker?
Seriöse Schätzungen rechnen mit einer Verdopplung alle 15 Jahre!

Die Volkskrankheit Diabetes lässt sich ebenso wenig wie andere Zivilisationskrankheiten durch medizinischen Fortschritt allein „ausrotten“. Der Grund dafür liegt vermutlich darin, dass sich hier Genetik, unser individuelles Verhalten, wie auch unsere Kultur und die Rahmenbedingungen der Politik unzertrennlich miteinander vermischen.

Alterszucker

Weitaus am häufigsten ist der Typ-2-Diabetiker, auch bekannt als Alterszucker. Daran leiden fast acht Prozent der Bevölkerung mit stark ansteigender Tendenz. Die Dunkelziffer ist laut seriösen Schätzungen noch mal so groß. Warum? Weil wir einerseits in der Tendenz immer älter werden, und andererseits durch unsere Lebensführung das sogenannte „Metabolische Syndrom“ geradezu heraufbeschwören. Der Typ-2-Diabetes verursacht eher uncharakteristische Symptome. Dazu gehören Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Verschlechterung des Erinnerungsvermögens, sowie häufige Infektionen. Ursache sind eine verminderte Insulinbildung und die Abnahme der Insulinwirkung.
Die klassischen Symptome eines Typ-1-Diabetes sind: Vermehrter Durst, vermehrtes Wasserlassen, Abgeschlagenheit, körperliche Schwäche und Gewichtsabnahme. An dieser Form leiden etwa 0,3 Prozent der Bevölkerung. Ursache ist ein Insulinmangel, der dadurch entsteht, dass der Organismus Antikörper gegen insulinproduzierendes Gewebe der Bauchspeicheldrüse bildet. Deshalb besteht die Therapie immer m Ersatz des Hormons: Typ-1-Diabetiker müssen Insulin spritzen.
Entscheidend für die Diagnose ist der Nüchtern-Blutzucker. Normal ist ein Wert von 70 bis 110, Graubereich von 110 bis 126, darüber heißt die Diagnose „Diabetes“.

Ernährung umstellen

Die Therapie erfolgt nach einem Stufenplan. Zuerst versucht man mit Umstellung der Ernährung auf gesunde Mischkost, mit mehr körperlicher Aktivität und weniger Gewicht eine Normalisierung des Blutzuckerspiegels zu erreichen.
Reicht das nicht aus, werden Tabletten verordnet, die die Insulinproduktion fördern. Nachfolgend kann es erforderlich sein, Insulin zu spritzen. Die meisten Diabetiker werden ambulant bei ihrem Hausarzt behandelt. Wenn das Therapieziel – ein „HbA1c“-Wert unter7,5 Prozent – trotz Behandlungnicht erreicht wird, sind weitergehende Maßnahmenangezeigt: Schulungen, medizinische und psychologische Betreuung.
Der Blutwert „HbA1c“ zeigt an,wie gut der Blutzuckerspiegellangfristig eingestellt ist. Bei Gesunden liegt der Wert unter 6 Prozent.

Über- und Unterzuckerung

Eine gefürchtete Komplikation ist die Unterzuckerung. Anzeichen dafür sind Zittern, Schwitzen, Unruhe. Dann sollte der Patient umgehend Glucose zu sich nehmen.
Bei einer Überzuckerung dagegen sind die Anzeichen vermehrter Durst, vermehrtes Wasserlassen, Abgeschlagenheit bis hin zur Bewusstlosigkeit.
Langzeitkomplikationen des Diabetes sind Schlaganfall, Herzinfarkt, Durchblutungsstörungen in den Beinen, am Augenhintergrund und in den Nieren. Durch Nervenschäden kann es zu Gefühlsstörungen in den Beinen kommen. Das diabetische Fußsyndrom entsteht durch Nerven- und Gefäßschäden.
Um solchen Komplikationen vorzubeugen, sollte der Blutzucker immer optimal eingestellt sein – ein wichtiges Kriterium für gute Behandlung und zugleich einen disziplinierten Patienten.
Der „HbA1c“-Wert - alle drei Monate bestimmt – sollte unter 7 Prozent liegen, beim älteren Menschen sind auch schon einmal Werte unter 8,5 tolerierbar. Entscheidend ist, dass der Mensch zufrieden und frei von Unterzuckerung ist.

Eigeninitiative

Was können wir selbst tun, um den Blutzuckerspiegel wieder zu normalisieren? Entscheidend ist unser individuelles Verhalten: Runter mit dem Gewicht, mehr Bewegung und „Mittelmeer- Kost“. Die „mediterrane Ernährungsweise“ hat wissenschaftlich unbestreitbar günstige Auswirkungen auf koronare Herzkrankheiten, Diabetes mellitus, Bluthochdruck sowie Krebserkrankungen nachgewiesen.
Zugleich hat die „mediterrane Ernährung“ eine hohe psychologische Akzeptanz bei den Menschen, weil sie nicht mit dem negativ besetzten Begriff „Diät“ in Verbindung gebracht wird, sondern mit den Prädikaten „Geschmack“, „Genuss“ und „Urlaub“.
Zivilisationskrankheiten lassen sich nicht ausrotten. Aber Sie, liebe Leserinnen und Leser, sollten es gemeinsam mit Ihrem Arzt versuchen. Das bedeutet vor allem: Täglich viel bewegen, sparsame Ernährung und Übergewicht abbauen. Denn, Diabetes zu behandeln heißt, die Risikofaktoren beherrschen zu lernen.
Entscheidend bleibt die Frage, ob die Solidargesellschaft auch zukünftig als „Super- Nanny“ auftritt, als umfassende Fürsorge-Mutter, die in allen Lebenslagen für ihre Bürger sorgt.
Oder ob sie eher die Rolle einer strengen Tante spielt, die von ihren Bürgern zunehmend bestimmte Verhaltensweisen fordert und erwartet.


Für Ihre Gesundheit alles Gute,
Ihr Wolfgang Woynar

Herzlichst Ihr Wolfgang Woynar


Wie hoch ist Ihr Risiko?


Studien belegen, dass auf jeden Diabetiker, der von seiner Erkrankung weiß, ein weiterer kommt, der noch gar nicht ahnt, dass er bereits an Diabetes leidet.

Wie gefährdet sind Sie? Und wie können Sie vorbeugen? Welches sind Ihre Risikofaktoren. Welche „Schutzfaktoren“ bewahren Sie vor Krankheit?

• Das Alter spielt eine Rolle, doch wichtiger ist Ihr biologisches Alter. Das beschreibt Zustand und Fitness von Körper und Geist. Wie schnell unsere Körperzellen und Organe altern, hat sehr viel mit unseren Lebensgewohnheiten, mit Ernährung, Stressbelastung und Fitness zu tun. Wer sein Leben lang Sport getrieben hat, kann mit 60 Jahren mehr Kraft und Ausdauer haben, als ein untrainierter Dreißigjähriger.

• Ist Ihr Gewicht in Ordnung?
Werte im Normbereich minimieren Ihr Erkrankungsrisiko.

• Messen Sie Ihren Taillenumfang:
Vor allem das Bauchfett ist ein Warnhinweis; der Taillenumfang sollte unter 94 Zentimeter (Männer) und unter 80 Zentimeter (Frauen) liegen.

• Zur regelmäßigen Bewegung zählen körperliche Anstrengungen, die Sie ins Schwitzen bringen und zwar wenigstens viermal die Woche mindestens 30 Minuten. Schon ein täglicher, zügiger Spaziergang vermindert das Erkrankungsrisiko. Körperliche Aktivität wirkt sich positiv auf die Wirksamkeit des Insulins aus. Sie trägt dazu bei, dass der Zucker direkt und mit geringem Insulinbedarf aus dem Blut in den Muskelzellen verbraucht wird.

• Wenn Sie täglich Obst und Gemüse essen, spricht das für eine ausgewogene Ernährung. Verschiedene Studien deuten darauf hin, dass eine Ernährung mit Schwerpunkt auf pflanzliche Kost eine vorbeugende Wirkung für Diabetes hat.

• Fast 90 Prozent der Typ-2-Diabetiker leiden gleichzeitig an Bluthochdruck. Es besteht ein Zusammenhang zwischen Bluthochdruck und Diabetes. Die Ursachen sind miteinander verwandt: Übergewicht, falsche Ernährung, Bewegungsarmut. Zwar ist Bluthochdruck keine direkte Folge des Diabetes, aber er kann ein Symptom sein, das auf die Zuckerkrankheit hinweist.

• Zu 40 bis 60 Prozent wird Diabetes zufällig bei einer Standarduntersuchung oder einem Arztbesuch wegen eines anderen Problems entdeckt. Wenn Sie über 35 sind, sollten Sie die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen Ihrer Krankenkasse nutzen: Herz- Kreislauf-Vorsorge, Krebs- Früherkennung, inclusive Haut-Screening.

• Die genetische Veranlagung spielt eine Rolle für die Entwicklung eines Typ-II-Diabetes. Beispielsweise sind eineiige Zwillinge von Diabetikern bei ähnlicher Ernährung fast immer ebenfalls betroffen. Allerdings ist die Vererbung nur einer der Risikofaktoren neben anderen, wie Übergewicht und Bewegungsmangel. Summe der Risikofaktoren Je mehr Risikofaktoren vorliegen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, irgendwann an einem Diabetes mellitus Typ II zu erkranken. Wenn bereits jemand aus der Verwandtschaft ersten Grades an einem Diabetes erkrankt ist, heißt das nicht, dass auch bei Ihnen die Krankheit ausbrechen muss. Die von uns selbst effektiv beeinflussbaren Schutzfaktoren sind ein Mehr an Bewegung und ein Weniger an Gewicht; und in erster Linie: gesünderes Essen.


Die Medikamente - Wie wirken sie?

Die Medikamentgruppen:

• Häufig verordnet werden insulinotrope Wirkstoffe. Sie sind sehr gut kombinierbar mit anderen Anti-Diabetika – auch mit Insulin. Nachteile: Gewichtszunahme, es kann zu Unterzuckerung kommen.

• Die Biguanide Hauptvertreter Metformin, wirken in der Leber. Nebenwirkungen sind zwar selten, wenn sie auftreten aber erheblich. Positiv-Effekt: Das Gewicht wird reduziert.

• Die Alpha-Glucosidase-Hemmer (Wirkstoff: Acarbose) blockieren die Kohlenhydrat-Aufnahme.

• Glinide führen auch zu einer Insulinsekretionssteigerung – mit der Gefahr einer Unterzuckerung.

• Die Glitazone wirken auch an der Kausalstelle der Insulinsensitivität, bei den Nebenwirkungen steht aber besonders die Gewichtszunahme im Vordergrund.


Das Wichtigste in Kürze: Diabetes-Typ-2

Zur Entwicklung einer Zuckerkrankheit gehören Risikofaktoren, die den Krankheitsverlauf beeinflussen.

Erhöhter Blutdruck, hohe Blutfettwerte, hohe Blutzuckerwerte und Übergewicht (Body- Mass-Index über 30) werden als „Metabolisches Syndrom“ bezeichnet. Bewegungsmangel und falsche Ernährung begünstigen das Krankheitsbild. Verhängnisvoll: Diese Faktoren verursachen keine Schmerzen und die kritische Entwicklung wird oft zu spät bemerkt.

Fettzellen im Bauchraum


Bei Übergewicht ist bauchbetontes Fett ausschlaggebend. Zu viele Fettzellen im Bauchraum und an den inneren Organen können zu einem gestörten Fettstoffwechsel und der Zuckerkrankheit führen. Eine ausgewogene, gesunde Ernährung ist bei Diabetes nötig – auf Alkohol und Nikotin sollten Sie verzichten.
Der Bedeutung von regelmäßige Bewegung ist wichtig und wird von Experten stets betont. Typ-2-Diabetes verursacht uncharakteristische Symptome. Dazu gehören Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Verschlechterung des Erinnerungsvermögens (Konzentrationsfähigkeit, Merkfähigkeit), sowie häufige Infektionen.
Die klassischen Symptome eines Typ-1-Diabetes sind vermehrter Durst, vermehrtes Wasserlassen, Abgeschlagenheit, Schwäche und Gewichtsabnahme. Die Ursache ist ein Insulinmangel: Typ-1-Diabetiker müssen Insulin spritzen. Wenn Ihr Hausarzt Diabetes festgestellt hat, sind regelmäßige Kontrollen notwendig. Das Blutzuckerprofil gibt Auskunft über den Verlauf der Erkrankung.

Blutdruckkontrolle

Unabdingbar ist die Messung des Blutdrucks, weil der Bluthochdruck Herz-Kreislauf Erkrankungen begünstigt und das erste Anzeichen einer diabetischen Nierenerkrankung sein kann. Alle drei Monate sollte der HbA1c-Wert bestimmt werden. Dieser gibt Auskunft über die durchschnittliche Blutglukosekonzentration.

Durchblutungsstörungen

Als Diabetiker sollten Sie regelmäßig selbst Ihre Füße auf Verletzungen und Druckstellen kontrollieren, weil häufig Durchblutungsstörungen auftreten.
Veränderungen der Nieren lassen sich durch Urinuntersuchungen feststellen. Störungen der Nieren zeigen sich schon sehr früh anhand einer vermehrten Ausscheidung von Proteinen. Die Augen reagieren besonders empfindlich auf einen zu hohen Blutzuckerspiegel und sollten einmal pro Jahr untersucht werden.
Ab dem 40. Lebensjahr sollte bei Diabetikern jährlich ein Elektrokardiogramm (EKG ) durchgeführt werden. Eine jährliche neurologische Untersuchung ergänzt das Kontrollprogramm.