Liebe Leserinnen und Leser,

oft ist die Zukunft schon da, ehe wir ihr gewachsen sind.
Viele vergleichen die Realität von heute mit den Goldenen Zeiten von früher, statt mit den Möglichkeiten von morgen. Das gilt, wie wir in diesen Vorweihnachtstagen des Jahres 2003 erlebt haben, für viele Politikfelder.

Was darf Gesundheit kosten?
Gesundheit sei das höchste Gut, sagt man. Doch irgendwann wird auch sie zu teuer. Gesellschaft und Politik müssen definieren, was sie solidarisch finanzieren wollen und was nicht. In einem solidarisch finanzierten Gesundheitswesen muss der (Kosten-) Aufwand in einem vernünftigen Verhältnis zum Nutzengewinn für die Gesundheit aller seiner Bürger stehen.

Gesundheit ist Privatsache, nicht kostenlos und nicht umsonst!
Krankheit dagegen Sache der Solidargemeinschaft.
Wie Sie wissen, haben Gesundheit und Krankheit mehr mit dem Lebensstil – Rauchen, Alkohol, Ernährung - und der Umwelt zu tun als mit dem Gesundheitssystem.
Um klar zu sehen, genügt da ein Wechsel der Blickrichtung.

Während der „Gesundheitsmarkt“ boomt, dämmert das kranke deutsche Gesundheitswesen seinem Siechtum entgegen. Gebetsmühlenartig wird offiziell die Ausschöpfung von „Wirtschaftlichkeitsreserven“ gefordert. Demnach sei Rationierung bei weiterer Effizienzsteigerung oder Rationalisierung gar nicht notwendig. In diesem Stadium befinden wir uns seit Jahrzehnten. Der Eindruck liegt nahe: es gibt zu viele kompetente Menschen, die sich den Regeln gemäß irren. Dabei sind Begriffe selten Vorboten von Taten.
Häufig werden Begriffe stattdessen als „Waffen“ eingesetzt. Die Stimmen, die nach Rationierung der Medizin rufen, mehren sich.

Eine offene Rationierung im Gesundheitswesen kommt transparent und für die Menschen nachvollziehbar daher, wenn medizinische oder sozialpolitische Kriterien gelten.
Eine verdeckte Rationierung dagegen ist aus zwei Gründen problematisch: zum einen ist sie ethisch problematisch, wenn Transparenz fehlt und objektive Kriterien verschleiert werden. Insbesondere dann, wenn bei gegebenen begrenzten Mitteln Ausschlüsse nicht ausdrücklich benannt werden. Zum anderen ist Rationierung politisch problematisch, weil Patienten von bestimmten Leistungen nach festgelegten Regeln ausgeschlossen werden.
Die „Zwei-Klassen-Medizin“ bedrohe unserer Mehrklassengesellschaft, beklagen die Einen. Andere behaupten, sie sei bereits Fakt.

Offensichtlich befinden wir uns in einer Fortschrittsfalle. Zwangsläufig mündet daher die Diskussion um die Finanzierbarkeit unseres Gesundheitswesens in eine höhere Eigenverantwortlichkeit. 2025 werden mehr als 30 Prozent der Bürger älter als 60 Jahre alt sein. Ab dem 40. Lebensjahr jedoch gehen durch den physiologischen Alterungsprozess etwa 10 bis 15 Prozent der funktionellen Organleistung verloren: Muskelkraft, Herzzeitvolumen und Vitalkapazität der Lunge. Das gilt selbstverständlich auch für den Befindlichkeitsbereich, der einen hohen Einfluss auf die Lebensqualität hat (z.B. Sexualität).
Die Begriffe Gesundheit und Lebensgenuss gleichen sich zunehmend an oder werden gar gleichgesetzt.
Das Weihnachtsfest und der Jahreswechsel bieten reichlich Zeit auch einmal darüber nachzudenken.
Verpassen wir nicht den Anschluss. Gemeinsam sind wir der Zukunft gewachsen.

Für Ihre Gesundheit alles Gute
wünscht Ihnen Ihr Wolfgang woynar


Herzlichst Ihr Wolfgang Woynar


Aktuelles Stichwort IGeL:

„Individuelle Gesundheitsleistungen“ bedeuten eigenverantwortliche Prävention und Gesundheitsförderung …es geht um Ihre Gesundheit!
Zusätzlich zu den gesetzlichen Regelleistungen bieten Ärzte auf Wunsch eine Vielzahl von individuellen Gesundheits-Leistungen an (keine Kassenleistung!). Früherkennung und Vorsorgeuntersuchungen geben Ihnen zusätzliche Sicherheit, denn viele Krankheiten haben einen stillen Verlauf und machen erst im fortgeschrittenen Stadium Beschwerden. Auch wenn Sie immer gesund waren und sich momentan gesund fühlen: es muss nicht immer alles bleiben, wie es ist.
Auch, wenn Sie noch so gesund leben. Gesundheitsvorsorge geschieht in Ihrem eigenen Interesse, weil Sie sich das wert sein sollten. Dafür brauchen Sie moderne Medizin mit allen ihren Möglichkeiten, unabhängig vom Kostenträger. Manch einer meint, die Zeit dafür nicht zu haben. Nehmen Sie sich die Zeit. Es lohnt sich!

IGeL sind ärztliche Leistungen, die nicht zum Katalog der Gesetzlichen Krankenversicherung gehören, die Patienten dennoch haben wollen und die ärztlich empfehlenswert sind oder zumindest ärztlich vertretbar sind, wenn Sie darauf drängen.
Gesetzlich geregelt ist:
alles was medizinisch notwendig ist, ist kein IGeL. Denn: alle medizinisch notwendigen Leistungen sind Standard und deshalb besteht Behandlungspflicht (SGB V).
Alles, was medizinisch nicht notwendig ist, ist nicht Standard, aber sehr wohl freiwillig möglich. Solche Leistungen dürfen nicht zu Lasten der GKV erbracht werden, sondern müssen privat bezahlt werden. Die nicht notwendige, aber medizinisch sinnvolle Leistung ist klassischer IGeL. ABER: Medizinisch unsinnige Leistung sind weder Kassen- noch Privatleistung. Sie sollten gar nicht angeboten werden.
IGeL waren im Rahmen einer maximalen Versorgung sicherlich entbehrlich,
im Rahmen von WANZ („wirtschaftlich, ausreichend, notwendig, zweckmäßig“)
sind IGeL absolut sinnvoll. Denn der ärztliche Versorgungsauftrag beschränkt sich nicht auf die Leistungen, die Ihre gesetzliche Krankenkasse zahlt.

Wer benötigt einen BMW, Mercedes? Kein Mensch. Und warum fahren so viele Menschen dann BMW, Mercedes? Weil sie es wollen! Das ist das Prinzip IGeL

Eine repräsentative EMNID- Umfrage im Auftrag der KBV ergab, dass 84,7% der Patienten von ihrem Arzt über IGeL informiert werden möchten. 76,6% sind bereit, für sinnvolle IGeL beim Arzt privat zu bezahlen. Igel ist eigenverantwortliche, umfassende Gesundheitsvorsorge: nicht kostenlos und nicht umsonst.
Wie heisst der IGeL eigentlich?
Der Igel heißt sehr unterschiedlich. Hier einige Beispiele:
„besondere, medizinische Wunsch-, Komfort-, Zusatz-Leistung. Oder: Alternativmedizin, Lifestyle, Wellness, Anti- Aging, „Gesundes Altern“.
Welche Leistungen fallen darunter? Beispiele:
ANTI – AGING – Medizin: zum Beispiel Hormon - Check und Hormonsubstitution für Männer und Frauen.

„Vorsorge und Früherkennung“: zum Beispiel „erweiterter“ Gesundheits- Check, „erweiterter“ Krebs Früherkennungs- Check, Sport – Leistungs-/ Tauglichkeits- Check, Stressdiagnostik und Stressberatung. Oder:
Vitalisierung und Aktivierung von Herz und Kreislauf, Re – Vitalisierungskuren mit Vitaminen/Spurenelementen/ Ribonucleinsäuren, „Biologische“ Aufbau- / Entgiftungs- Kuren. Oder laborgestützte individuelle Gesundheitsleistungen: Thrombose – Risiko,
Arteriosklerose – Risiko Mann / Frau, optimierte Darmkrebsvorsorge, , Reisemedizin (Immunschutz), Umwelttoxine – Schwermetallbelastung, und vieles andere mehr.

Noch Fragen? Antworten unter: www.gesundheitsforum-bremerhaven.de

Dr. med. Wolfgang Woynar
Facharzt für Allgemeinmedizin – Sportmedizin
woynar@hausarzt-bremerhaven.de
www.hausarzt-bremerhaven.de



Drei Kurzbeiträge:

Das besondere Weihnachtsgeschenk
Helfen Sie Hilflosen - vier Beispiele:

Kindern in Not: Kindern aus „belasteten Familien“. Familien, die nicht nur ein, sondern zumeist mehrere Probleme haben, wie Arbeitslosigkeit, Krankheit, Überforderung.
Alten und kranken Menschen in Not: Weil das Geld aus der Pflegeversicherung nicht reicht, verzichten sie auf Pflegeleistungen. Viele wissen nicht, wie sie künftig Hilfsmittel, von der Brille bis zum Hörgerät, bezahlen sollen.
Menschen mit seelischen Leiden in Not: sie brauchen wieder eine Lebensperspektive. Die Sozialpsychiatrischen Dienste, die sich darum bemühen, sind in ihrer Existenz bedroht, weil die Aufgabe zwischen Kostenträgern hin- und hergeschoben wird.
Menschen mit Schlaganfall: dieser „Schlag“ verändert das Leben, macht Menschen hilfs- und pflegebedürftig. Die Angehörigen zermürbt die Pflege ebenso wie der Kampf um Rehabilitation und Hilfsmittel.
Private Vorsorge können diese Menschen alle nicht mehr treffen. Wo der Staat sich zurückzieht, ist der Gemeinsinn seiner Bürger gefragt. Das soziale Klima ist rauer geworden.
Dr. med. Wolfgang Woynar


Es war einmal …
ein System, das schwebte in großer Gefahr, gegen die Wand zu fahren, den Anschluss zu verlieren. Die Leute verlangten mehr persönlichen Service, mehr individuelle Betreuung, mehr fürs Geld. Mehr, mehr, mehr. Sofort. Und das auf Abruf. Doch das System war nicht flexibel genug, zu festgefahren. Es konnte und wollte nicht schnell genug reagieren. Die Aussichten schienen nicht rosig.
Doch dann kam die rettende Idee: ein neues Gesetz! Bei der Behandlung sollte der Arzt nicht nur die Hand auflegen, sondern auch aufhalten. Jetzt hatte man endlich verstanden, was die Patienten künftig benötigen – bevor sie es selbst wussten. Einfach etwas Druck, und sämtliche belastenden Fehlinvestitionen der Vergangenheit würden rückgängig gemacht. So könnte man es richtig machen, der Anschluss wäre wieder hergestellt. Es war aufregend. Echter Nervenkitzel. Jetzt gab es nur noch ein Problem – das Gesetz war eine Attrappe. Es funktionierte gar nicht.
Dr. med. Wolfgang Woynar


Glosse: Praxisgebühr
Rechtzeitig vor Einzug des Krankenkassen-Notgroschens ab 1. Januar 2004 haben Tüftler das „omnipotente Stethoskop“ erfunden. Der Einsatz ist auch außerhalb der Praxis möglich. Eine Weltneuheit in streng limitierter Auflage!
Nach der Eingabe von zehn Euro in den Wechselautomatenteil des Stethoskops erfolgt die Datenübermittlung Ihrer Krankenkassennummer und Ihrer Steuernummer zum Finanzamt zwecks Abgleich zur Berechnung der ein- oder zweiprozentigen Belastungsgrenze. Auch eine Quittung wird gedruckt. Im positiven Fall wird dann das Stethoskop automatisch auf "audio" gestellt, so dass Herz und Lunge abgehorcht werden können. Selbstverständlich erkennt das Gerät auch die Befreiungskriterien für sonstige Kostenträger.
Übrigens zeigen Ärzte Solidarität: sie kümmern sich mit der „Schaffnergebühr“ sowohl um die Krankenkassen als auch um ihre Patienten.
"Mit zehn Euro sind Sie dabei - Willkommen in der Marktwirtschaft."
Dr. med. Wolfgang Woynar

 

Für Ihre Gesundheit alles Gute wünscht Ihnen Ihr Wolfgang woynar


Herzlichst Ihr Wolfgang Woynar