Liebe Leserinnen und Liebe Leser,

Weihnachten steht vor der Tür. Das Jahr 2007 neigt sich dem Ende zu. Eine stille Zeit des Nachdenkens – und zugleich eine Verschnaufpause, bis es im Neuen Jahr wieder zur Sache geht. Zu wenige sagen: „Das war ein tolles Jahr“. Viele klagen: „Früher war alles besser“. Viele haben das Gefühl, dass ihre Arbeit nicht mehr respektiert, schlecht bezahlt wird.
Dennoch: alle Menschen sind auch zukünftig wichtig. Denn wir brauchen Frauen und Männer, die Charakter besitzen, eine Meinung und einen Willen haben; die ihr Ego klein halten; die ihre Identität nicht in der Menge verlieren, die ehrlich sind, die nicht nur auf ihren persönlichen Vorteil bedacht sind, die für die Wahrheit stehen, auch wenn sie unpopulär ist, die mit Entschiedenheit „nein“ sagen können, auch wenn alle anderen „ja“ sagen.

Lassen Sie sich von all dem Ärger und Stress nicht völlig herunterziehen. Finden Sie Ihren inneren Frieden jenseits der Arbeit, zuhause mit Ihrer Familie, mit Freunden, bei Ihrem Hobby. Der Schlüssel zum Glück liegt allein bei Ihnen – wenn Sie es nur zulassen. Weihnachten – eine Zeit der Besinnung.
Weihnachten ist die Zeit der intensiven Vorbereitungen, der Geheimniskrämereien, der Gerüche, der Genüsse und der Besinnung: die Erinnerung an die eigene Kindheit etwa, an die Vergangenheit, an die christlichen Wurzeln. Dabei wird uns die Vergänglichkeit des Lebens wieder bewusst und in diesen Momenten wird deutlich, dass der Wert des Zusammenlebens von besonderer Bedeutung ist. Tradition spielt ebenso eine wichtige Rolle, wie Bilder der Vergangenheit.
„Tradition ist nicht das Bewahren der Asche, sondern das Schüren der Flamme“. Weihnachten – eine Zeit der Wünsche. Weihnachten ist natürlich auch eine Zeit der materiellen Wünsche. Aber es sind nicht die Waren und werblichen Versprechungen, die uns erinnern lassen. Es sind Bilder und Situationen und Gerüche, die uns an längst vergangene Zeiten erinnern. Im Alter erwachen die Bilder der Vergangenheit.
Wir erkennen unsere wahren Wünsche zunehmend in den Bereichen Gesundheit, Zufriedenheit und Wohlergehen. Die Sehnsucht nach einem Mehr an Zeit, Aufmerksamkeit, Ruhe, Klarheit wachsen. „Zuhören können“ gehört dazu. – Wer wartet heute noch auf die Antwort, wenn er eine Frage gestellt hat?
Weihnachten – eine Zeit der Stille und der Gelassenheit. Weihnachtszeit bedeutet für viele eine Zeit der Hetze, der Hektik. Viele stöhnen über ein zuviel an Belastung. Momente der Stille gönnen wir uns allzu selten. Nehmen Sie sich die Zeit. Gehen Sie am Deich spazieren, treffen Sie Freunde, genießen Sie ein Glas Wein. Tun Sie, was Sie schon immer einmal tun wollten.
Weihnachten – eine Zeit der Bilanz. Weihnachten und der Jahreswechsel sind Zeiten, Bilanz zu ziehen, zu überprüfen, ob die sehr persönlichen Wünsche und Vorstellungen realisiert und eingelöst worden sind. Nicht immer kann die Bilanz nur positiv ausfallen. Wir müssen wieder lernen, mehr Verantwortung für uns selbst und für Andere zu übernehmen. Die, denen es besser geht, müssen begreifen, dass sie dem Gemeinwohl verpflichtet sind. Die, die sich daran gewöhnt haben, „versorgt“ zu werden, müssen erkennen, dass sie für die Gestaltung ihres Lebens selbst beitragen müssen.
Denn: Menschen, sie irren leider allzu häufig „ihren“ Regeln entsprechend. Kritik und Krisen sind zwei Seiten einer Medaille! Krisen sind Konsequenzen vorheriger Versäumnisse. Krisen sind die Quittung für Unterlassungssünden in Wirtschaft und Politik, aber auch in unserem privaten Erleben und Verhalten. Kritik wird oft mit böswilliger Spitzfindigkeit, Nörgelei und Besserwisserei verwechselt. Kritik ist notwendig, um Veränderungen zu erkennen und einzuleiten. Kritik ruft Krisen nicht hervor, sondern sie deckt sie auf. Kritik und Krisen sind immer auch Chancen für Veränderungen.
Weihnachten – eine Zeit der Bescheidenheit. Glück ist auch eine Frage der Bescheidenheit, die Fähigkeit, mit dem Herzen zu denken. Genießen Sie die stillen Momente, wenn Kinderaugen leuchten, wenn die Familie beisammen ist, wenn Sie und die Ihren gesund sind. Es ist die Zeit des Redens und Schweigens, der Sehnsucht und des Wohlfühlens, Zeit der Liebe und Hoffnung. Die Zeit für sich selbst - und für andere. Das Weihnachtsfest und der Jahreswechsel bieten reichlich Zeit auch darüber nachzudenken. Ich wünsche Ihnen von Herzen ein frohes Fest. Und ich wünsche Ihnen, dass Sie Zeit für sich haben. Für ein gutes Gespräch. Für einen lange nicht geschriebenen Brief.

In diesem Sinne
FROHE FESTTAGE !

Herzlichst Ihr Wolfgang Woynar



Neulich im Advent...

Zufrieden lehnt sich Klaus Heine zurück in seinem Computerstuhl, maßgefertigt für Internet- Freaks. „So müsste es klappen“, denkt er und schaltet den Fernseher ein. Fernbedienung auf AV, zwei, drei Klicks und schon erscheint ein wunderschön blinkender, überreich geschmückter Tannenbaum auf dem 50 - Zoll - Monitor. „Weihnachten kann kommen“, spricht der Endvierziger zu sich, „alles bestens vorbereitet, und soo einen Baum hat bestimmt niemand sonst!“ Mehr kann man eigentlich nicht verlangen. Wenn bloß diese Einsamkeit im eigenen Häuschen nicht wäre. Naja, dagegen hilft ein Glühwein, beim Discounter fertig angemischt. Duftet fast wie selbstgemacht, weiß gar nicht, was die immer wollen, Familie und Basteln und Wortgeklingel. Nur was für hoffnungslose Spießer...
Es klingelt an der Tür, ungewöhnlich für Heine. Nicht wegen der Uhrzeit, nein, es ist grad mal halb fünf - aber eigentlich hat er doch nie Besuch, schon gar nicht unangekündigt. Vermutlich bloß wieder so ein Schnorrer oder so. Weit gefehlt - die Frau draußen vor der Tür sieht gar nicht aus wie eine Obdachlose: „Entschuldigen Sie bitte, wenn ich störe, ich wohne im Nebenhaus, bei Ihnen sah es so hell aus, da hab ich mich einfach mal getraut!!“ Schüchtern blickt sie Heine an. Wie ging das nochmal mit dem freundlich sein?? Ah ja, Lächeln!! „Das macht doch nix - wie kann ich Ihnen helfen?“ „Ja, wissen Sie, ich hab da extra einen neuen Weihnachtsbaumständer gekauft, der soll ganz unkompliziert sein - aber ich schaff es trotzdem nicht, den Stamm senkrecht zu halten. Könnten Sie sich das bitte mal angucken?“ Heine zögert - aber eigentlich fällt ihm keine Ausrede ein. „Ich heiße übrigens Karin Hoffmann!“ Das gibt ihm den letzten Ruck: identische Initialen, so etwas kann kein Zufall sein. Wie reimte seine Schwester boshaft damals nach der Scheidung: Kleines Haus für Heines Klaus...

„Klar, Moment, ich zieh mir nur eben was an, das kriegen wir schon hin. Wo ist denn Ihr Mann?“ „Ach, Sie kennen das ja bestimmt, reden wir nicht drüber, aber meine Nichte und der Neffe kommen morgen - da muss doch alles strahlen, finden Sie nicht - es ist doch nur einmal Weihnachten!“ „Zumindest im Jahr nur einmal“, grinst Heine. Hoffnungslos unromantisch nannte ihn Christa, bevor sie das gemeinsame Heim verließ. Das wollen wir doch mal sehen. Und tatsächlich, mit ein paar wenigen Handgriffen meistert er die Herausforderung - der Baum dürfte sogar übermütigen kleinen Verwandten
trotzen, ohne umzufallen. Es kommt zum unvermeidlichen Kaffee als Belohnung - dann stapft Heine wieder zurück in sein Haus. Morgen, das nimmt er sich ganz fest vor, wird er die nette Frau beim Einkaufen abpassen, vielleicht hat sie Silvester Zeit für einen Punsch oder so. Aber jetzt keine Zeit verlieren, schnell ans Computerwerk – Karin Hoffmann, Karin Heine würde doch auch ganz gut klingen, freut sich bestimmt über eine brutzelnde Weihnachtsgans - als Bildschirmschoner natürlich.....


Harald Woynar



"Fabelhaft"


Wolf und Bär erlegen gemeinsam einen Hasen, um ihren Hunger zu stillen. Eigentlich schade, meint der Bär, denn der Hase sei kein schlechter Kerl gewesen und habe außerdem schön satt gemacht. Ein Grabstein für Meister Lampe sei deshalb angebracht. Der Wolf hat nichts dagegen. Aber die Inschrift bereitet beiden Kopfzerbrechen. Die Inschrift „Unserem Freund“ wird von beiden als unangebracht empfunden, denn schließlich hatte man sich den Hasen ja gerade schmecken lassen; aber auch die Inschrift „Unserem Feind“ kommt nicht in Frage, weil der Hase weder für den Bären noch für den Wolf ein ebenbürtiger Gegner war. Schließlich wartet der Bär mit der Lösung auf: Schreiben wir doch einfach: „Unserem Partner“.
Diese Geschichte aus der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ hat angeblich Wladimir Putin unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel beim G-8 Treffen in Heiligendamm erzählt.
Irgendwie erinnert mich als Hausarzt diese Fabel fatal an unseren Alltag. Denn viele gerieren sich so gern freundlich als „Partner“. Fallen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, auch einige Beispiele ein?
Wer möchte sich schon gern fressen lassen? Und anschließend lautet die ideale Grabinschrift:
„Wir hatten dich zum Fressen gern!“

Wolfgang Woynar