Liebe Leserinnen und liebe Leser,

Millionen Frauen schlucken täglich Hormone – lebenslang! Von der Menarche bis zur Menopause die „Pille“ (Ovulationshemmer), danach Hormone gegen Wechseljahrbeschwerden. Die Zeiten, in denen nahezu jede Frau in den Wechseljahren routinemäßig Hormone einnehmen sollte, gehören endgültig der Vergangenheit an. Das ist das Ergebnis internationaler Studien mit Namen wie WHI (Women's Health Initiative), JAMA, Million Women Study, und andere.

Eine der größten Studien weltweit zur Hormonersatztherapie (mehr als 16.000 Frauen) erhitzt die Gemüter und sorgt für Wirbel unter den Fachleuten. Die Langzeitstudie - auf acht Jahre projektiert - sollte viele wissenschaftlich Fragen klären: Inwieweit wirken Hormone vorbeugend, schützen sie vor chronischen Krankheiten? Wie wirkt die langzeitige Hormontherapie auf Herzkreislauf-Krankheiten und Brustkrebs? Nach nur fünf Jahren ist die Studie vorzeitig beendet worden. WARUM? Wegen „ungünstiger „Nutzen-Risiko Relation“.

Die Ergebnisse im einzelnen: unter Hormontherapie stieg die Gefahr Brustkrebs- und Thrombose zu erleiden, wie auch die Zahl der Herzinfarkte und Schlaganfälle. Hormone senken zwar erfreulicherweise das Risiko für Osteoporose. Aber: es traten mehr Brustkrebsfälle auf als bei Frauen ohne Behandlung. Hormonersatz schützt zwar die Knochen, schadet aber anscheinend der weiblichen Brust.

Experten streiten jetzt darüber, wie die Studienergebnisse zu interpretieren sind, wie verlässlich sie wirklich sind, was faul ist an der Methodik, der Art der Datenverarbeitung, der Auswahl der Studienteilnehmerinnen, der verabreichten Hormonkombination.

Panikmache sagen die einen, während die anderen sofortigen Handlungsbedarf sehen und ein Umdenken fordern. In Stellungsnahmen heißt es, „die Hormonsubstitution werde in Deutschland in erster Linie zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden eingesetzt, nicht zur Prävention“. „Die Ergebnisse der WHI lassen sich nicht übertragen.“ Allerdings fehlen bei uns entsprechende Untersuchungen. Die Ergebnisse waren "ernüchternd", stellte der Bundesverband der Frauenärzte fest.

Klare Orientierung tut Not: geeignet ist die Hormonersatztherapie (HET) auch in Zukunft bei ausgeprägten, starken Wechseljahrbeschwerden (Hitzewallungen, nächtliches Schwitzen und Schlafstörungen) und urogenitale Symptome. Aber: möglichst kurzzeitig und in niedrigster wirksamer Dosis! So lautet die erste deutschsprachige Leitlinie zur Hormonverordnung im Klimakterium der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft (AKDÄ).

VORSICHT dagegen bei langjähriger Einnahme!
Bei Langzeittherapie treten Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Studie schon nach wenigen Jahren vermehrt auf. Die Rate war mit Hormonersatztherapie (HET) um 29 Prozent höher als ohne Behandlung.
Das Fazit lautet: Hormone im Klimakterium nicht immer und nicht für alle Frauen! Die zusätzliche Gabe von antioxidativen Vitaminen E und C ist nicht minder wirkungslos und sogar potentiell schädlich. Ungeeignet ist die HET zur reinen Gesundheitsprävention: keine Spur also von Vorsorge bei Herz-Kreislauf-Krankheiten und Schlaganfall!

Wie sehen die Ergebnisse hinsichtlich des Risikofaktors Brustkrebs aus?
Die Brustkrebsrate mit HRT war in der Studie um 26 Prozent erhöht. Die Ergebnisse wurden durch eine große britische Studie – veröffentlicht im renommierten Lancet – bestätigt. Die Deutsche Krebsgesellschaft mahnt deshalb zur Vorsicht mit der Hormontherapie und befürwortet den Einsatz nur dann, wenn Wechseljahrsbeschwerden die Lebensqualität der Frauen erheblich beeinträchtigen. Und nur über eine möglichst kurze Zeitspanne. Eine ähnliche Haltung nimmt auch die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe in ihren aktuellen Empfehlungen zur HRT im Klimakterium und in der Postmenopause ein.

Eberhard Greiser, Präventivmediziner vom Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin, hat die Ergebnisse der britischen One Million Women Study auf deutsche Verhältnisse umgerechnet. So erkrankten in Deutschland im Jahr 2000 etwa
46 000 Frauen an Brustkrebs. Davon gingen 10 000 Erkrankungen auf das Konto der HET.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die bekannte Erfahrung, dass die HRT die Beurteilung der Mammographie erschweren kann.

Scheinbar erfreuliches Ergebnis der Studie: das Knochenfraktur-Risiko war um 24 Prozent verringert. Die Kehrseite der Medaille: Die Brustkrebsrate mit HRT war somit um relative 26 Prozent erhöht. Hormonersatz schützt zwar die Knochen, aber schadet anscheinend der Brust.
Die Osteoporose-Prävention und -therapie mit Hormonersatz (HRT) wird nach einer aktuellen Bewertung der Datenlage als "in der Regel nicht mehr vertretbar" angesehen.

HET hat keinen Einfluss auf Parameter wie Vitalität, Stimmung und mentale Gesundheit. Bei Frauen in der Postmenopause, die Hormone nehmen, wird das Alzheimer-Risiko wohl doch nicht - wie lange vermutet - verringert, sondern gar verdoppelt.

Frauen mit Mamma- Karzinom haben verstärkt Wechseljahrbeschwerden.
Aus der derzeitigen Datenlage ziehen Marburger Gynäkologen den Schluss: Erst wenn die nicht-hormonellen Therapieoptionen nicht ausreichen, um die klimakterischen Beschwerden bei Brustkrebs-Patientinnen zu lindern, ist die Anwendung von Östrogenen, eventuell in Kombination mit Gestagenen zu erwägen. Ähnlich lautet auch die derzeitige Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Senologie zur Hormonsubstitution nach Mamma- Karzinom.
Es gibt jedoch effektive, nicht-hormonelle Alternativen für Frauen mit Mamma-Ca, die klimakterische Beschwerden haben. So können eine Stärkung des Selbstwertgefühls, autogenes Training, Sport und gesunde Ernährung die Lebensqualität allgemein steigern. Und dadurch könne sich auch das Empfinden klimakterischer Beschwerden verringern, meinen die Marburger Frauenärzte.
Extrakte aus dem Cimicifuga-Wurzelstock, die sich bei Frauen mit klimakterischen Beschwerden in vielen Studien als effektiv und gut verträglich erwiesen haben, bringen speziell bei Brustkrebs-Patientinnen offenbar keine ausreichende Besserung. Außerdem könne eine proliferationsfördernde Wirkung bei Phytoöstrogenen derzeit noch nicht sicher ausgeschlossen werden, so die Gynäkologen.


Hormonersatztherapie ist kein Jungbrunnen. Zum Schluss folgende Tipps zum Hormonersatz bei klimakterischen Symptomen. Welche Frauen können nach den Ergebnissen der Women's Health Initiative-Studie (WHI) eine Hormonersatztherapie (HRT) bekommen?
Wie bereits gesagt: "Wenn eine Patientin über Hitzewallungen klagt und dringend eine medikamentöse Therapie wünscht, ist eine HRT durchaus sinnvoll". Aber auch andere Maßnahmen, etwa die Reduktion des Kaffeekonsums oder der Verzicht auf scharfe Gewürze können die Hitzewallungen mindern. Manchmal genügt es schon, bei Frauen mit klimakterischen Beschwerden stärker als bisher auf allgemeine Gesundheitsrisiken einzugehen, also etwa auf Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung und Adipositas.
Ärzte sollten sich mehr Zeit für eine allgemeine Beratung zur Vorsorge nehmen statt uns nur auf die Hormone zu konzentrieren. Bei Patientinnen in der Postmenopause, die eine HRT erhalten, sollten die Hormone so niedrig wie möglich dosiert werden.

Eine Langzeit-HET ist nach den Daten nicht mehr gerechtfertigt. Immerhin ist das Risiko für Brustkrebs und Thrombembolien bei langfristiger Therapie erhöht.

Hormonersatz für Sie, liebe Leserinnen, bleibt weiter wichtig: besorgte Frauen sollten Alternativen zur Hormonsubstitution erwägen. Frauen, die mit der Therapie zufrieden sind, sollten sich bei dem Arzt ihres Vertauens informieren. Und bei Neuverordnung einer HRT sollte die Krankheitsvorgeschichte sehr sorgfältig erhoben werden. Dieses Vorgehen empfehlen führende Gynäkologen.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist die Anwendung von Hormonpräparaten bei Frauen mit ausgeprägten Wechseljahrsbeschwerden wie Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen für einen überschaubaren Zeitraum nach individueller Beratung zu persönlichem Nutzen und Risiken vertretbar. Eine solche Behandlung sollte aber nur nach Ausschluss von Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Rauchen, positive Eigen- oder Familienanamnese und nicht länger als unbedingt notwendig erfolgen.

 

Für Ihre Gesundheit alles Gute,
wünscht Ihr Wolfgang Woynar

Herzlichst Ihr Wolfgang Woynar


Hormone regieren unser Leben

Hormone sind chemische Botenstoffe, gleichsam die e-mails des Körpers. Sie kurbeln Herzschlag und Kreislauf an. Sie steuern die Verdauung ebenso wie die Stimmungen, das Schlaf- und Liebesbedürfnis. Hormone sind Teil eines komplizierten Regelkreissystems und funktionieren nach dem Homöostase- Prinzip.

Monat für Monat gibt der Hypothalamus als Koordinator im Zwischenhirn das Startsignal für die Hirnanhangdrüse, die Hypophyse, ihrerseits fleißig das Follikel-stimulierende Hormon, kurz FSH genannt, zu produzieren - neben anderen, wie dem Schilddrüsen - stimulierenden - Hormon. Dieses FSH konzentriert seine ganze Kraft auf die Eierstöcke (Ovarien) und bewirkt so, dass in einem der beiden Eierstöcke, im sogenannten Eibläschen, dem Follikel, langsam eine Eizelle heranreift. Der Follikel bildet das wichtigste weibliche Geschlechtshormon überhaupt: das Östrogen. Dieses sorgt in dieser ersten Zyklushälfte dafür, das die Regelblutung zum Stillstand kommt und in der Gebärmutter eine neue, möglichst dicke Schleimhaut, das Nest für das Ei, aufgebaut wird. Ist die Eizelle nach gut zwei Wochen soweit herangereift, dass sie befruchtungsfähig ist, "springt" sie heraus in den Eileiter. Die zweite Zyklushälfte beginnt.

Nach diesem Eisprung, der Ovulation, wandert die Eizelle in Richtung Gebärmutter, während die leere Hülle im Eierstock zurückbleibt und gelbe Farbpartikelchen einlagert. Es entsteht der Gelbkörper (Corpus luteum), der in der zweiten Zyklushälfte zusätzlich zum Östrogenspiegel das Hormon Progesteron bildet. Dieses Hormon, das auch als "Schwangerschafts-Schutzhormon" bezeichnet wird, lockert nun die vom Östrogen aufgebaute Schleimhaut in der Gebärmutter so auf, dass eine befruchtete Eizelle sich darin gut einnisten könnte. Es wäre somit alles für eine Schwangerschaft vorbereitet.

Ist die reife Eizelle auf ihrer Wanderschaft durch den Eileiter in Richtung Gebärmutter jedoch nicht von einem Samenfaden befruchtet worden, nimmt die Produktion von Progesteron ab. Der Gelbkörper bildet sich zurück - bei einer Schwangerschaft würde er fortbestehen. In dem Augenblick, wo der Blutspiegel des Gelbkörperhormons, das die Schleimhaut in der Gebärmutter erhält, unter einen gewissen Punkt absinkt, wird die Schleimhaut abgestoßen. Es kommt zur hormonellen Entzugsblutung oder auch Monatsblutung, zur Menstruation. Durch den absinkenden Hormonspiegel im Blut wird aber auch der Koordinator Hypothalamus auf diesen "Mangel" aufmerksam. Sofort gibt er der Hypophyse das Signal zur erneuten Produktion von FSH. Einer neuer Zyklus, eine neue Ei- Reifung beginnt.

Im Regelkreis der weiblichen Geschlechtshormone kommt es also immer darauf an, dass jeder einzelne "Bote" mit seinen Informationen und Impulsen genau zum richtigen Zeitpunkt zur Stelle ist. Ist das aus irgendeinem Grund nicht der Fall, gerät das ganze sensibel ausgewogene System durcheinander.

Dr. med. Wolfgang Woynar
FA Allgemeinmedizin und
FA Frauenheilkunde
woynar@hausarzt-bremerhaven.de
www.hausarzt-bremerhaven.de

Herzlichst Ihr Wolfgang Woynar