Liebe Leserinnen und liebe Leser,

die junge Wissenschaft „Gender Medizin“ erforscht geschlechtsspezifische Unterschiede in der Wahrnehmung, Diagnose und Therapie von Gesundheit und Krankheiten. Der englische Begriff „Gender“ assoziiert neben dem Geschlecht - „weiblich- männlich“ -zugleich Verhaltensweisen und -muster, Tätigkeitsfelder und Eigenschaften, die von der Gesellschaft speziell Frauen oder Männern zugeordnet werden. Gender ist also ein umfassender Begriff, der über das biologisch determinierte Geschlecht hinausgeht. Er bezieht die psychische und soziale Prägung als „Mann“ oder „Frau“ in unserer Gesellschaft mit ein.

Ziel der Gender Medizin ist es, die medizinische Forschung und Praxis um psychosoziale Aspekte zu ergänzen. Wir alle unterscheiden allgemein zwischen Frauen und Männern, was deren Gesundheitsbewusstsein und Gesundheitsverhalten, was deren Umgang mit Krankheit angeht. „Gesundheit hat ein Geschlecht“.

Typische Beispiele aus Ihrem Alltag:

- Wer, liebe Leserinnen und Leser, kümmert sich in Ihrer Familie um Arztbesuche, Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen für die Kinder? Und wer weiß, wo die Impfbücher aufbewahrt sind? Mutter oder Vater?

- Wer geht häufiger zu Vorsorgeuntersuchungen? Sie oder Ihr(e) Partner(in)?

- An wen denken Sie, wenn vom ‘typischen Herzinfarktpatienten’ die Rede ist? Sehen Sie einen Mann oder eine Frau vor Ihrem inneren Auge?

Hier ein völlig anderer Aspekt der gender forschung:
in den Beipackzetteln von Medikamenten werden die Dosierungshinweise für ‚Erwachsene’ immer ganz allgemein ausgesprochen. Gibt es neben dem „kleinen Unterschied“ nicht auch „große“, bezüglich der Wirkung und der Nebenwirkungen bei Mann und Frau? Vermutlich liegt der Grund für die fehlende Differenzierung schlicht darin, dass die Wirksamkeit von Medikamenten oftmals allein an gesunden, jungen Männern klinisch pharmakologisch untersucht worden ist.

Welche Bedeutung hat nun das Geschlecht, haben ‚sex’ und ‚gender’ für Gesundheit und
Krankheit? Unmittelbar einleuchtend ist, dass es Krankheiten gibt, die ausschließlich Frauen
bzw. Männer betreffen wie beispielsweise Brustkrebs oder Prostatakrebs.

Männer und Frauen unterscheiden sich aber auch hinsichtlich…

- ihres Gesundheitsbewusstseins, d. h. wie und wann für sie gesundheitliche Aspekte
relevant werden. Mann und Frau begreifen Gesundheit unterschiedlich.

- ihres Gesundheitsverhaltens, d. h. wie sie ihre Gesundheit erhalten bzw. wie sie diese durch riskante Verhaltensweisen auch gefährden. Beispiele: Frauen nehmen signifikant häufiger Vorsorgeuntersuchungen wahr; aber je härter die Konsummuster von Drogen sind, umso höher ist der Anteil der Männer.

- ihres Krankheitsspektrums, d. h. von welchen Krankheiten sie betroffen sind. Beispiele: Männer und Frauen leiden unterschiedlich häufig an Herzinfarkt, Lungenkrebs oder psychosomatische Störungen.

- und ihrer Krankheitsbewältigung, d. h. was unternehmen Männer und Frauen, um mit ihrer Krankheit fertig bzw. wieder gesund zu werden? Während bei Frauen die Anzahl der Arztbesuche ansteigen, sinkt bei Männern die Regelmäßigkeit je häufiger sie von Krankheit betroffen sind.


Bereits 1989 definierte Verbrugge fünf wesentliche Gender- Unterschiede im Bereich Gesundheit bzw. Krankheit:

1. Der biologische Unterschied: Genetische Ausstattung und hormonelle Situation bedingen ein unterschiedliches Morbiditätsrisiko in vielen Bereichen, z.B. Herz- Kreislauf-Erkrankungen.

2. Erworbene Risiken: Arbeitsplatz, Freizeitaktivitäten, Lebensstil, psychischer Stress und soziales Umfeld bedingen das individuelle, geschlechtsspezifische Erkrankungs- und Unfallrisiko, z.B. Alkohol, Drogen, Fahrstil, u.a.

3. Psychologische Aspekte: die Wahrnehmung von Symptomen bestimmt u.a. über die Einschätzung des Schweregrads einer Erkrankung. Zum Beispiel kann die atypische Präsentation des weiblichen Herzinfarkts möglicherweise Auswirkungen auf die ärztliche Behandlung haben.

4. Wie wird über Symptome berichtet? Symptomwahrnehmung und Kommunikationsverhalten sind unterschiedlich. Bekanntlich gehen Frauen häufiger zum Arzt, sprechen freier über ihre Beschwerden.

5. Aus all dem ergeben sich Ursachen für Unterschiede beim Erkennen,, Behandeln und Betreuen: Gender Medizin will beweisen, dass auch Krankheit geschlechtsspezifischen Deutungen unterliegt. Konkret gesagt: das Geschlecht entscheidet mit, welche Diagnostik, welche Therapie gegebenenfalls eingeschlagen wird.

In einer Medizin der Zukunft, die den „ganzheitlichen Menschen“ in den Mittelpunkt stellt, wird die noch junge Wissenschaft „Gender Medizin“ unmittelbare Bedeutung für die Praxis erlangen. Erste Erkenntnisse dieser jungen Forschung finden bereits Eingang in die ärztliche Praxis.


Für Ihre Gesundheit alles Gute
wünscht Ihnen Ihr Wolfgang Woynar

Herzlichst Ihr Wolfgang Woynar


Risikofaktor „MANN“

Auch Männer werden älter. Auch sie klagen über Antriebslosigkeit, nachlassende Lust und schwindende Muskelkraft. Männer altern früher, Männer leben kürzer.

Männer meinen, sie brauchen keinen Arzt. Männer haben keine Zeit. Sie arbeiten hart, ernähren sich im Stehen oder sitzen bis spät in der Nacht bei Geschäftsessen. Männer ertränken ihren Stress im Alkohol. Männer düsen in der Gegend umher, vernachlässigen ihre Gesundheit. Sie stehen unter Konkurrenzdruck, sie suchen und brauchen Erfolg.

Männer sind gut drauf. Nur, sie sterben früher. Statistisch betrachtet hat ein Junge in Deutschland eine mittlere Lebenserwartung von 74 Jahren, ein Mädchen desselben Jahrgangs wird mehr als sechs bis sieben Jahre älter. Die Gründe: neben der genetischen Veranlagung ist es der typisch maskuline Lebensstil. Aber auch hormonelle Einflüsse lassen den Mann früher sterben.
Auch Männer kommen in die „Jahre“. Die vielzitierte "midlife crisis" tritt nicht nur auf, wenn die Karriere festgefahren ist, sie hat auch handfeste biologische Ursachen.
Als Mann ist man nicht gleich krank. Zunächst sind es nur "Befindlichkeitsstörungen". Veränderungen des allgemeinen Wohlbefindens, Nachlassen der sexuellen Lust (Libido), Haarausfall, Muskelschwäche, Neigung zum Schwitzen, Schmerzen in den Gelenken, unruhiger Schlaf, Gewichtszunahme, Herz- und Kreislaufprobleme, rezidivierende Infekte, Depressionen, Erschöpfung, gereizte Stimmung – die Liste der Beschwerden ist lang.

Die Symptome wirken sich mindernd auf die Arbeitsleistung aus, aber auch auf das Privatleben und die Lebensfreude. Natürlich kann das alles eine organische Ursache haben. Aber: finden sich keine organischen Ursachen, wie etwa auffällige Laborwerte, ein auffälliges EKG und ähnliches, und der Patient fühlt sich trotzdem nicht wohl, dann ist auch an das „Aging Male“ zu denken. Lässt die Hormonproduktion nach, dann gerät das komplexe Informationssystem des Körpers allmählich aus dem Gleichgewicht. Die „Botenstoffe“ des Organismus pendeln sich auf einem „anderen“ Niveau ein.

Zum Beispiel produziert der Körper weniger Testosteron. Testosteron spielt eine Schlüsselrolle im Leben des Mannes. Durch seine Einwirkung kommt es in der Pubertät zum Stimmbruch, es lässt Bart- und Brusthaare sprießen und sorgt für die typischen männlichen Körperproportionen. Das Hormon beeinflusst das Wohlbefinden, steigert ganz allgemein die Aktivität und das Leistungsvermögen, fördert die Durchsetzungskraft und macht Männer aggressiver als Frauen. Zudem ist es unerlässlich für die Fortpflanzung, da es die Samenfäden reifen lässt. Gebildet wird Testosteron in den Hoden. Ein Erwachsener produziert täglich etwa sechs Milligramm. Die höchste Konzentration ist in den Hoden selbst vorhanden, nur ein geringer Teil wandert ins Blut.

Ab dem 40. Lebensjahr sinkt der Testosteronspiegel jährlich um etwa um ein bis zwei Prozent. Allerdings sind die individuellen Schwankungen sehr groß, bei manchen Männern findet man auch in höherem Alter noch Hormonmengen wie bei einem Dreißigjährigen. Experten gehen davon aus, dass bei jedem fünften Mann zwischen 60 und 80 Jahren ein mehr oder weniger stark ausgeprägter Testosteronmangel vorliegt.

Ebenso verändert sich der Körper selbst durch sinkende Hormonspiegel. Die Muskelmasse wird geringer und der Fettanteil nimmt zu. Die Haare wachsen langsamer, die Haut wird blass, fahl und faltig. Die Produktion des Blutfarbstoffes Hämoglobin sinkt. Ein ausgeprägter Testosteronmangel kann nicht nur die allgemeine Lebensqualität verringern, sondern auch zur Osteoporose, das heißt Knochenschwund führen. Zwar haben Männer nur ein halb so großes Risiko für diese Erkrankung; doch sind sie einmal betroffen, verläuft das Leiden dramatischer als bei Frauen.

Der sinkende Hormonspiegel ist auch an Veränderungen der Prostata beteiligt. Ab dem Alter von etwa 50 Jahren hat etwa die Hälfte aller Männer eine vergrößerte Vorsteherdrüse.

Die moderne Frauenheilkunde hat seit dreißig Jahren Hormonbehandlungen entwickelt, welche die Beeinträchtigung des allgemeinen Wohlbefindens in den Wechseljahren weitgehend auffangen. Nach dem gleichen Prinzip kann heute auch Männern in der Lebensmitte zu mehr Lebensfreude verholfen werden. Es ist kein Wunder, dass es Frauenärzte waren, die die ersten Erfahrungen mit der Hormonbehandlung bei Männern gesammelt haben.
So vielseitig und hilfreich Hormone im Rahmen der „Anti- Aging“ –Behandlung („Gesundes Altern“) eingesetzt werden können, Hormonpräparate sind keine „life-style“ – Medikamente. Zuviel des Guten kann unerwünschte Folgen haben. Deshalb muss zuerst eine exakte Analyse des Hormonstatus in einem Fachlabor durchgeführt werden. Zudem sollte das Prostata- Spezifische- Antigen (PSA) bestimmt werden, das eine Aussage über das Risiko für Prostatakrebs zulässt, und eine Untersuchung beim „zertifizierten Männerarzt“ erfolgen. Erst wenn der Hormonmangel bewiesen ist und zudem der Patient über entsprechende Beschwerden klagt, ist die Einnahme von Hormonen gerechtfertigt.

Übrigens wirken Hormone bei nachlassender Potenz allein nur selten. Zwar klagt jeder fünfte Mann über 40 und jeder dritte über 70 über eine mangelnde Erektion. Doch hat eine Potenzstörung meist noch viele andere Ursachen und sollte dementsprechend behandelt werden.

Auf einen wichtigen Aspekt möchte ich hinweisen: es besteht ein Zusammenhang zwischen Impotenz und Herz-Kreislauferkrankungen. Denn, die Risikofaktoren der Herzkreislauf-Erkrankungen (KHK) sind nahezu identisch mit denen der erektilen Dysfunktion (ED).
Impotente Männer im Alter um 50 stellen demnach eine Risikogruppe hinsichtlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar. Das gilt für die KHK, Hypertonie, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus, zusätzlich aber auch für das Prostatakarzinom. Die ärztliche „Kunst“ besteht darin, zwischen jenen Männern zu unterscheiden, bei denen das Problem durch einen Hormonmangel verursacht wird, und jenen, bei denen die Potenzschwäche Zeichen einer Gefäßschädigung ist, etwa bei einer Herz-Kreislauferkrankung oder bei Diabetes mellitus.
Deshalb gehen Männermediziner einen Schritt weiter und deuten die ED als Frühsymptom der Koronaren Herzkrankheit – mit den bekannten Spätfolgen Herz- und Hirninfarkt.
Welche Therapie dann möglicherweise eingeleitet wird, sollten Sie mit Ihrem Arzt gemeinsam entscheiden. Im Zeitalter von Viagra, Levitra und Cialis klärt Sie der Arzt Ihres Vertrauens über Nebenwirkungen und Kontraindikationen auf. Bei allem Interesse der Medien und Industrie vergessen Sie bitte nicht, dass es sich bei der ED um eine seriöse ärztliche Therapie handelt und nicht um sensationsheischende „life- style“ - Medizin oder falsch verstandene „Wunsch – Medizin“.

„Männerärzte“ haben erkannt, dass ähnlich wie in der Frauenheilkunde die gesundheitliche Betreuung des vermeintlich „staken“ Geschlechtes früher - vor allem vorbeugend - ansetzen muss.



Dr. med. Wolfgang Woynar, Dipl. Psych.
FA Allgemeinmedizin, FA Frauenarzt und
Männerarzt (cmi)


Zum Nutzen von Hormonen in den Wechseljahren

Die Hormonbehandlung der Wechseljahre ist in den letzten Jahren immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Aus gutem Grund. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die allzu großzügige Einnahme von Hormonen eben auch unerwünschte Nebenwirkungen hat. Für die betroffenen Frauen und ihre Ärzte ist die Situation nicht einfacher geworden.

Was ist über Nutzen und Risiken von Hormonen und möglichen Alternativen bekannt?
Für Frauen mit Wechseljahrsbeschwerden gibt es zwar eine Vielzahl von Medikamenten, für deren Wirkung fehlen aber zumeist zuverlässige Beweise. Besser untersucht sind Hormonpräparate mit "Östrogenen", gegebenenfalls kombiniert mit "Gestagenen". Für Frauen mit starken Beschwerden sind diese Medikamente eine wirksame Therapie. Allerdings gilt für Hormone, was für alle Medikamente gilt: Ihr Ersatz bei Wechseljahrsbeschwerden ist eine Behandlung, bei der möglicher Nutzen und potenzieller Schaden gegeneinander abgewogen werden müssen.

"Hormonersatztherapie" meint, dass in und nach den Wechseljahren vor allem Östrogen-Hormone "ersetzt" werden müssen, die der Frau fehlen. Außerdem wurde ihnen ein Zusatznutzen zugeschrieben, z.B. auf Herz und Kreislauf. Das führte zu einem breiteren Einsatz der Mittel. Und: Frauen wurden immer länger mit Hormonen behandelt.

Inzwischen haben wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt, dass bestimmte Kombinationen von Östrogenen und Gestagenen das Risiko etwa von Herzinfarkten und Brustkrebs eher erhöhen können. Manche Risiken nehmen mit der Dauer der Behandlung zu, andere Risiken erhöhen sich bereits mit Beginn der Einnahme.

Nebenwirkungen und Risiken sind heute ein wichtiger Aspekt. Doch, selbst wenn eine Hormonbehandlung nicht vor gewissen Alterskrankheiten schützt und Risiken mit sich birgt, sind Östrogen-Hormone die wirksamste Behandlung gegen Hitzewallungen und Schweißausbrüche. Und für Frauen mit besonders starken Beschwerden ist sie die einzige Option, die wirklich hilft. Oftmals genügt eine kurzfristige Therapie.

Heute gibt es zwei Typen der Hormonbehandlung: Bei Frauen mit Gebärmutter wird fast immer ein Kombinationspräparat aus Östrogen und Gestagen eingesetzt, um die Schleimhaut der Gebärmutter zu schützen. Bei Frauen ohne Gebärmutter ist es gewöhnlich ein Mono-Präparat, das nur Östrogene enthält.
Hormonpräparate gibt es in folgenden Darreichungsformen: als Tablette oder Kapsel, als Nasenspray, als Pflaster oder Gel zum Auftragen auf die Haut, als Injektion (Spritze), als Creme/Gel, Tablette, Zäpfchen oder Ring zum Einführen in die Scheide.

Im Folgenden noch einige Bemerkungen zum Nutzen einer langfristigen Therapie gegen:
Knochenbrüche und Osteoporose:
Die langfristige Einnahme von Hormonen vermindert bei Frauen das Risiko für Knochenbrüche, wie zum Beispiel Oberschenkelhalsfrakturen ("Hüftfrakturen"). Der Grund: Östrogene verlangsamen nach den Wechseljahren den Verlust von Knochenmasse und können damit den Zeitpunkt bis zur Entwicklung einer Osteoporose hinausschieben.
Herzinfarkt und Schlaganfall
Die Hoffnung, dass eine Hormonbehandlung vor Herzerkrankungen schützen kann, ist in den letzten Jahren stark gedämpft worden. Bei Frauen ohne Gebärmutter hat die Therapie mit Östrogen keine Auswirkungen auf das Herzinfarktrisiko gezeigt. Bei Frauen mit Gebärmutter erhöht sich das Risiko für einen Herzinfarkt unter Östrogen-Gestagen-Kombination sogar leicht, besonders im ersten Jahr nach Beginn der Einnahme. Wenn eine Frau bereits mehrere Jahre ein Hormonpräparat eingenommen hat, ohne einen Herzinfarkt zu erleiden, dann ist ihr Risiko nach den derzeitigen Daten nicht höher als das einer Frau ohne Hormonbehandlung.

Auch das Schlaganfallrisiko steigt bei Frauen, die Hormone gegen Wechseljahrsbeschwerden anwenden. Das trifft sowohl auf eine Monotherapie mit Östrogenen als auch auf eine Östrogen-Gestagen-Kombinationstherapie zu.

Thromboembolie
Diese ernsthafte Erkrankung entsteht, wenn ein Blutgerinnsel ein Blutgefäß dauerhaft verstopft. Frauen ohne Gebärmutter, die nur Östrogene anwenden, haben kein erhöhtes Risiko. Hingegen ist das Risiko bei Frauen, die eine Östrogen-Gestagen-Kombination anwenden, von Anfang an erhöht und steigt mit der Dauer der Hormonbehandlung weiter an.

Brustkrebs
Brustkrebs gehört zu den besonders aufmerksam beobachteten möglichen Komplikationen der Hormonbehandlung. Deutliche Anzeichen weisen darauf hin, dass eine Behandlung mit Östrogen alleine geringere Risiken mit sich bringt, als eine Behandlung mit einer Kombinationstherapie. Bei Frauen, die länger als fünf Jahre Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparate einnehmen, steigt das Risiko spürbar an. Bei Frauen ohne Gebärmutter, die eine Hormonbehandlung nur mit Östrogen anwenden, ist die Antwort eher unklar: Nach den Ergebnissen einer großen Studie haben diese Frauen auch nach mehreren Jahren kein erhöhtes Risiko für Brustkrebs. Internationale Arzneimittelbehörden jedoch gehen davon aus, dass auch eine langfristige Behandlung nur mit Östrogen das Risiko für Brustkrebs erhöht.

Weitere Nebenwirkungen
Sowohl eine langfristige Hormonbehandlung mit einer Östrogen-Gestagen-Kombination als auch mit Östrogen alleine erhöhen im Laufe von fünf bis sieben Jahren das Risiko, dass sich Gallensteine bilden. Enttäuscht wurde die Hoffnung, dass eine Hormonbehandlung ältere Frauen vor einem Abbau von Gedächtnis und geistigen Fähigkeiten (Demenz) schützen könnte. Eine Hormonbehandlung hat bei Frauen im Alter über 65 Jahre eher nachteilige Wirkungen auf Gedächtnis und geistige Fähigkeiten.

Eine wichtige Frage ist: Was passiert, wenn eine Frau zum Beispiel nach einem Jahr Hormonbehandlung die Mittel abzusetzen beginnt? Erstaunlicherweise gibt es auf diese Frage bislang keine klare Antwort.
Die bislang beste Auskunft gibt eine Studie an etwa 16.000 US-Amerikanerinnen. Die Teilnehmerinnen der Studie haben im Durchschnitt etwa sechs Jahre lang Hormone eingenommen. Nach dem Absetzen wurden die Frauen dann befragt, wie es ihnen ergangen ist. Die Antwort war, dass bei mehr als der Hälfte der Frauen, die vor der Einnahme der Hormone Beschwerden hatten, dieselben Beschwerden nach dem Absetzen wieder aufgetreten sind. Das spricht dafür, dass eine Frau damit rechnen muss, dass durch eine Hormontherapie die Beschwerden nicht aus der Welt geschafft, sondern verschoben werden.

Eine wichtige Frage ist, wie es sich mit den langfristigen Risiken verhält: bleibt zum Beispiel das Brustkrebsrisiko auch nach Beendigung einer mehrjährigen Behandlung mit einem Östrogen-Gestagen-Präparat erhöht oder sinkt es? Auch auf diese Fragen gibt es bislang leider keine sichere Antwort. Vorläufige Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Risiken mit der Zeit wieder kleiner werden.



Dr. med. Wolfgang Woynar, Dipl.Psych.
FA Allgemeinmedizin, Frauenarzt, Männerarzt (cmi)