Liebe Leserinnen und liebe Leser,

Früherkennung und Vorsorgeuntersuchungen geben Ihnen zusätzliche Sicherheit, denn viele Krankheiten haben einen stillen Verlauf und machen erst im fortgeschrittenen Stadium Beschwerden. Auch wenn Sie immer gesund waren und sich momentan gesund fühlen:
es muss nicht immer alles bleiben, wie es ist. Auch, wenn Sie noch so gesund leben. Gesundheitsvorsorge geschieht in Ihrem eigenen Interesse, weil Sie sich das wert sein sollten. Dafür brauchen Sie moderne Medizin mit allen ihren Möglichkeiten, unabhängig vom Kostenträger. Manch einer meint, die Zeit dafür nicht zu haben. Nehmen Sie sich die Zeit. Es lohnt sich!

Der Erhalt der Gesundheit ist Privatsache. Und - die vornehmste Aufgabe Ihres Hausarztes. Wie Sie wissen, haben Gesundheit und Krankheit mehr mit dem Lebensstil – Rauchen, Alkohol, Ernährung - und der Umwelt zu tun als mit dem Gesundheitssystem.

Viele Krankheiten lassen sich verhindern, wenn man Warnsignale und Risikofaktoren frühzeitig wahrnimmt. Zum Beispiel Bluthochdruck: Hypertonie verursacht keine Beschwerden, schädigt aber klammheimlich die Gefäße.

Die Devise der Prävention lautet daher: Gar nicht erst krank werden und rechtzeitig vom Arzt erfragen, wo mögliche Risiken liegen. Für Ärzte ist dieser Gedanke nicht neu: für den Hausarzt hat Prävention schon immer eine große Rolle gespielt.

Vielen Menschen ist der Unterschied Vorsorge zwischen Früherkennung nicht klar. Bei der Vorsorge geht es im Wesentlichen darum, bei (noch) Gesunden das bestehende individuelle Risikoprofil für Zivilisationskrankheiten aufzudecken.
Bei der Früherkennung (einer drohenden oder bereits bestehenden Krankheit) dagegen geht es darum, die Behandlung in einem möglichst frühzeitigen Stadium zu beginnen. Das kann im Einzelfall extrem schwierig sein. Denn:

Diagnostische Tests – Labortest, bildgebende Verfahren oder auch die körperliche Untersuchung - sind außerordentlich sicher, wenn es um die Unterscheidung zwischen eindeutig krank und eindeutig gesund geht. Bei sehr frühen Stadien ist die Grenze dazwischen jedoch fließend.
Dieses Problem lässt sich für jedermann verständlich veranschaulichen, wenn wir uns die Qualitätskriterien eines Tests betrachten: zum einen ist die Sensitivität (Prozentsatz der Kranken, die als krank erkannt werden) wichtig und zum anderen die Spezifität (Prozentsatz der Gesunden, die auch als gesund erkannt werden) bedeutend. Screeningtests sind häufig relativ sensitiv, erfassen also einen hohen Prozentsatz der Kranken, sie sind aber eher weniger gut in ihrer Spezifität, d. h. es werden auch relativ viel Gesunde fälschlich als krank dargestellt. Eine weitergehende Abklärungsdiagnostik muss dann helfen, diese von den wirklich Kranken zu trennen.

Beide Systeme – Früherkennung und Vorsorge - müssen sich demzufolge ergänzen. Doch wir schöpfen noch längst nicht alle Potenziale der Früherkennung aus. Vor allem bei Männern, aber auch bei Frauen. Selbstverständlich bringen viele Deutsche ihr Auto regelmäßig zur Inspektion. Scheckheftgepflegt stellen sie es alle zwei Jahre dem TÜV vor. Mit ihrer Gesundheit gehen die meisten weitaus weniger pfleglich um: Viele suchen erst dann ärztlichen Rat, wenn sie Beschwerden haben. Dann sollen Mediziner den Schaden beheben, den ein ungesunder Lebensstil über Jahre oder sogar Jahrzehnte angerichtet hat.


Für Ihre Gesundheit alles Gute
wünscht Ihnen Ihr
Wolfgang Woynar

Herzlichst Ihr Wolfgang Woynar


Früherkennung – Vorsorge:
Welche Untersuchungen sind empfehlenswert?

Krebs - Früherkennung bei Frauen ab dem Alter von 20, jährlich.
Fragen nach Blutungsstörungen, Inspektion des Muttermundes, Krebsabstrich und Zytologie. Gynäkologische Tastuntersuchung und Beratung.

Prostatauntersuchung
bei Männern ab dem Alter von 45, jährlich.
Fragen nach Veränderungen/Beschwerden, Inspektion und Abtasten der Geschlechtsorgane,
Abtasten der Prostata und der Lymphknoten. Beratung über das Ergebnis.

Brustuntersuchung
bei Frauen ab dem Alter von 30, jährlich.
gezielte Anamnese, Inspektion und Abtasten der Brust und der Lymphknoten einschließlich der Anleitung zur Selbstuntersuchung, Beratung über das Ergebnis.

Dickdarm- und Rektumuntersuchung bei Frauen und Männer ab dem Alter von 50, jährlich. Gezielte Beratung, Tastuntersuchung des Enddarms, Test auf verborgenes Blut im Stuhl.

Darmspiegelung bei Frauen und Männer ab dem Alter von 55. Zwei Darmspiegelungen im Abstand von 10 Jahren.

Mammographie-Screening: Röntgen der Brüste durch Mammographie bei Frauen ab dem Alter von 50 bis zum Alter von 69 Jahren, alle zwei Jahre.

Gesundheits -Check-up
für Frauen und Männer ab dem Alter von 35, alle zwei Jahre.
Früherkennung häufig auftretender Krankheiten wie: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenerkrankungen, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Ein echter „Vorbeuge-Klassiker“. Der Arzt entnimmt dabei Blut, untersucht den Urin, fragt nach Beschwerden und Krankheiten in der Familie, misst den Blutdruck und hört die Lunge ab. Im Idealfall berät der Mediziner seinen gesunden Patienten, wo möglicherweise Risiken liegen – hoher Blutdruck, Übergewicht, falsche Ernährung.

Kinder- und Jugenduntersuchungen
Kinder- und Jugendliche bis zum Alter von 18 Jahren sind von der Praxisgebühr befreit. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt eine Reihe von Früherkennungs- und Vorsorge - Maßnahmen bei Kindern und Jugendlichen. Die Eltern bekommen gleich nach der Geburt des Kindes im Krankenhaus ein Untersuchungsheft für Kinder, in dem genau aufgelistet wird, wann welche Untersuchung ansteht.
U-Untersuchungen bei Kindern in den ersten sechs Lebensjahren umfassen insgesamt neun Untersuchungen (U1 bis U9). Die erste Untersuchung wird unmittelbar nach der Geburt vorgenommen. Die körperliche und die geistige Entwicklung des Kindes wird geprüft.
J-Untersuchungen für Mädchen und Jungen zwischen dem 13. und dem 14. Lebensjahr.
Anamnese unter anderem auf:
- auffällige seelische Entwicklungen/Verhaltensstörungen
- gesundheitsgefährdendes Verhalten (Rauchen, Alkohol- und Drogenkonsum)
- Schulleistungsprobleme
- Klinisch-körperliche Untersuchungen

Schwangerschafts-Vorsorgeuntersuchung
Dabei wird die Schwangere untersucht und beraten, zum Beispiel über Gesundheitsrisiken oder Ernährung. Zu den Vorsorgeleistungen gehören unter anderem:
- Erkennung und Überwachung von Risikoschwangerschaften
- Ultraschalldiagnostik
- serologische Untersuchungen auf Infektionen
- Untersuchung und Beratung der Wöchnerin

Zahnvorsorge-Untersuchungen Untersuchung auf Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten bei Mädchen und Jungen, dreimal bis 6 Jahre und einmal je Kalenderhalbjahr ab 6 bis 18 Jahre. Der Zahnarzt schätzt das Risiko für Karies ein, berät zur Mundhygiene, inspiziert die Mundhöhle und motiviert zur Prophylaxe.
Ab dem Alter von 18 Jahren für Frauen und Männer einmal je Kalenderhalbjahr.
Eingehende Untersuchung, sowie Untersuchung im Rahmen des Bonusheftes.

Schutzimpfungen
Impfungen, die jedes Kind erhalten sollte:
Diphtherie, Tetanus, Poliomyelitis (Kinderlähmung), Hepatitis B, Haemophilus influenzae,
Pertussis (Keuchhusten), Masern, Mumps, Röteln, Varizellen, Pneumokokken, Meningokokken (Typ C). Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am RKI, Stand: Juli 2006
Impfungen, die bei Erwachsenen aufgefrischt bzw. bei fehlender Grundimpfung nachgeholt werden sollen: Diphtherie und Tetanus (alle 10 Jahre empfohlen).
Impfungen bei erhöhter Gefährdung von Personen und bei Angehörigen bestimmter Alters- oder Risikogruppen (ab 60 Jahre):
Influenza und Pneumokokken-Infektion.

Weitere Impfungen:
Frühsommermeningo-Enzephalitis (FSME), Haemophilus influenza Typ B, Infektion-Hepatitis A und B, Tollwut, Meningokokken-Infektion, Poliomyelitis (Kinderlähmung), Varizellen, Röteln, Pertussis (Keuchhusten).


Dr. med. Wolfgang Woynar
Facharzt für Allgemeinmedizin und Gynäkologie, Männerarzt (cmi)

 


Früherkennung auf Karzinome
Erfahrungen aus der Praxis:

Wie ein Arzt seine Patienten bezüglich Früherkennung berät, hängt wesentlich von seiner sachlich - fachlichen Ausbildung, seinen persönlichen Kenntnissen, sowie seiner Einstellung ab. Um den Nutzen zu sichern, wird der optimale Ablauf auf Basis großer Studien in Form von Programmen genau festgelegt. Einerseits gibt es Probleme damit, dass der Arzt „zu früh“ tätig wird. Umgekehrt aber ist es auch so, dass der Arzt mit Früherkennung „zu spät“ kommen und damit ebenfalls menschliches Leid auslösen kann.

Eine allgemeine Regel jedoch sollte grundsätzlich beachtet werden: der Nutzen für den Patienten muss abgewogen werden gegen mögliche Folgeschäden. Der Patient sollte ausgiebig informiert werden; denn er muss letztlich, nach reiflicher Überlegung, die Entscheidung selbst treffen.

Daneben müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass nicht alle Entartungsstufen mit den heute zur Verfügung stehenden diagnostischen Mitteln überhaupt entdeckt werden können. Damit sind der zeitlichen Vorverlegung einer Diagnose – genannt Früherkennung – klare Grenzen gesetzt.

Diagnostische Tests sind besonders sicher, wenn es um die Unterscheidung zwischen eindeutig krank und eindeutig gesund geht. Bei sehr frühen Stadien ist die Grenze jedoch fließend. Screening - Tests sind oft relativ sensitiv, das heißt sie erfassen einen hohen Prozentsatz der Kranken. Häufig sind sie aber weniger gut in ihrer Spezifität, d. h. es werden auch relativ viele Gesunde fälschlich als krank identifiziert.

Zudem können auf allen frühen Stufen der (Entwicklungs-) Geschichte eines Karzinoms Abwehrmechanismen des Körpers, die nur zu Teilen bekannt sind, dazu führen, dass die Kaskade der zellulären Entartung unterbrochen und beendet wird. Es kommt also nicht zum klinisch manifesten Karzinom. Der Körper wehrt sich gegen „das Andere“ und vernichtet es nicht selten erfolgreich. Ähnlich wie bei einer Infektion.

Der allgemein anerkannter Grundsatz von Früherkennung lautet: „Je früher, desto besser“. Je früher demnach eine Diagnose gestellt wird, umso effektiver kann ein Karzinom (und seine Folgen) verhindert werden. Die Gründe hierfür: Frühe Krebsherde lassen sich total entfernen. Es gibt dann keine Metastasen. Dies aber setzt voraus, dass Krebs eine lokale Erkrankung ist – was aber zumindest für einen Teil der Karzinome bezweifelt werden muss. Und es setzt voraus, dass aktives Handeln in der frühen Phase einer Karzinomentstehung selbst ohne Nebenwirkungen ist.

Je nach Natur des jeweiligen Tumors sind unterschiedliche Intervalle der Früherkennungs-Untersuchung sinnvoll. Sie sollten eng genug sein, um nicht zu viele Tumoren in zu später Phase zu entdecken. Intervalle können umgekehrt aber auch zu eng sein, nämlich dann, wenn darüber zu frühe Formen mit hoher Chance der „körpereigenen Abwehr“ übermäßig häufig erfasst werden. Da Karzinome eine unterschiedlich schnelle Naturgeschichte von wenigen Monaten bis Jahrzehnten haben (Kolon- und Zervixkarzinom in der Regel über Jahrzehnte), muss auch jede Früherkennung unterschiedliche Intervalle beinhalten. Um diese festlegen zu können, muss man die Naturgeschichte des jeweiligen Tumors einigermaßen kennen. Die Früherkennung auf ein Bronchialkarzinom z. B. müsste man nach Studienlage eher alle vier als alle 6 Monate durchführen, wohingegen die Früherkennung auf ein Dickdarmkarzinom alle 10 Jahre erfolgen kann. Beim Zervixkarzinom kann man – bisher unauffällige Befunde vorausgesetzt – auch auf ein 3-jähriges Intervall von Früherkennung übergehen.

In Deutschland werden zur Früherkennung von Darmkrebs zwei Programme angeboten:
Der Blutnachweis im Stuhl ab dem 50. Lebensjahr jährlich, oder die Koloskopie ab dem 55. Lebensjahr alle 10 Jahre. Der Test auf Blut im Stuhl ist wenig spezifisch und erfordert häufig eine zusätzliche Abklärungsdiagnostik. Die Koloskopie ermöglicht auch primär-präventive Eingriffe im gleichen Untersuchungsgang, ist aber nicht selten mit Komplikationen verbunden.

Die Früherkennung auf ein Zervixkarzinom ist in Deutschland bei Frauen ab 20 jährlich vorgesehen. Die entdeckten Präkanzerosen entwickeln sich mehrheitlich nicht zu manifesten
Karzinomen.

Der Nutzen einer Früherkennung auf Prostatakarzinom konnte bisher nicht in Studien belegt werden. Prostatakarzinome haben eine lange Vorlaufzeit und manifestieren sich mehrheitlich
in sehr fortgeschrittenem Lebensalter. Der Prozentsatz an unerkannten Prostatakarzinomen bei Männern, die an anderen Ursachen versterben, ist hoch. Der PSA-Test ist sehr sensitiv. Die Spezifität ist jedoch gering und konnte auch durch differenzierende Verfahren nicht erhöht werden. Ein PSA-Test ist nur bei einer definierten Personengruppe sinnvoll. Der Arzt sollte eingehend über die Aussagekraft des Tests aufklären. Die rektale Tastuntersuchung ist zwar eine relativ ungenaue Methode, doch werden damit auch nur klinisch relevante Prostataveränderungen identifiziert.

Knapp 5% der Hautkrebse sind Melanome, die Metastasen bilden. Sie wachsen entweder primär oberflächlich („spreitendes Melanom“) oder auch von Beginn an in die Tiefe
(„noduläres Melanom“). Objektive Werte zur Hautkrebsidentifizierung existieren nicht.
Es ist nicht klar, ob an den Stellen, die als Vorstufen eines Melanoms anzusehen sind, später auch wirklich ein Karzinom entstehen würde, oder andernorts.

Die enge Zusammenarbeit zwischen Hausarzt und Ärzten der verschiedenen Gebiete ist und bleibt sinnvoll.

Dr. med. Wolfgang Woynar
Facharzt für Allgemeinmedizin und Gynäkologie, Männerarzt (cmi)