Liebe Leserinnen und lieber Leser,

seit Beginn dieses Jahres findet ein riesiger Feldversuch namens „Gesundheits- Modernisierungs- Gesetz“ (GMG) unter dem Motto „Bittere Pillen für alle!“ statt.
Die Kernfragen lauten: Was ist sozial gerecht? - Wie lässt sich Gerechtigkeit unter den Bedingungen schrumpfender Finanzmittel sozial verträglich organisieren?

Die Einen finden es gerecht, alles so zu belassen, wie es schon immer war. Andere betonen die Eigenverantwortlichkeit, die individuelle Zumutbarkeit. Wieder Andere betonen den Wert der Gleichheit und des sozialen Ausgleichs – bis hin zur Gleichmacherei mit der Folge überbordender Bürokratie, Gängelung und Lähmung. Alle drei Vorstellungen sind gescheitert.

Die Bürger reagieren verständlicherweise höchst empfindlich! Patienten laufen Sturm. Vieles hat sich verändert, nicht alles zum Besseren. Bisher war der Arztbesuch kostenlos, war aber auch nicht umsonst!

Das Interesse der Öffentlichkeit am Gesundheitssystem war in der Vergangenheit eher gering. Die Materie „Soziales“ ist kompliziert, der Sachverhalt häufig logisch schwer nachvollziehbar. „Gesundheitsreformen“ sind und waren bis heute keine Reformen der „Gesundheit“. Das Gesundheits-„System“ haben diese Reformen niemals strukturell reformiert. „Gesundheitsexperten“ sind und waren keine„Experten für Gesundheit“, sondern Ökonomen. „Gesundheit modernisieren“ heißt heute: mit politischen Mehrheiten den „Markt für medizinische Dienstleistungen“ neu zu regulieren.

Dabei geht es um GELD: „Krankheiten heilen und Gesundheit erhalten“ soll im staatlichen Gesundheitssystem möglichst wenig kosten und darf nicht teuerer werden.

Dabei geht um IDEOLOGIE: In einer Mehrklassengesellschaft d a r f es keine „Zweiklassenmedizin“ geben. Wer mehr für seine Gesundheit aufwenden will, soll keine zusätzliche medizinische Dienstleistung nachfragen oder erwerben dürfen!?

Wir leben in einem Sozialstaat – zweifellos. Aber: Gesundheit bleibt Privatsache,
Krankheit dagegen Sache der Solidargemeinschaft.
Der „Gesundheits-Markt“ ist weltweit der „Wachstumsmarkt“ der Zukunft (Präventions- und Gesundheitsleistungen). Die Gesetzliche Kranken Versicherung (GKV) dagegen droht auf Dauer ein „Schrumpfungsmarkt“ zu bleiben.

Wir müssen uns entscheiden zwischen mehr oder weniger sozialer Marktwirtschaft, zwischen weniger oder mehr Planwirtschaft in unserem Gesundheitswesen:

Die Folgen des gesellschaftlichen Wertewandels:
Ärzte arbeiten im Bereich der GKV ausschließlich unter Berücksichtigung der Kosten mit eingeschränkter Therapiefreiheit. Stand von Forschung und Technik, der eigene Wissensstand und Praxis- oder Klinikausrüstung sowie Berufsethos sind unter den Aspekten „wirtschaftlich, angemessen, notwendig, zweckmäßig“ zu berücksichtigen.
Die versicherten Patienten können nicht mehr die Maximalversorgung von Arzt und Krankenkasse einfordern. So sehr sie sich auch durch ihre Pflichtbeiträge dazu berechtigt fühlen. Trotz steigendem, zusätzlichem finanziellen Eigenanteil.
Die Krankenkassen als Kostenträger können ständig steigende Ausgaben nicht mehr relativ problemlos abwälzen.
Arzneimittelhersteller müssen ihre Forschungsbemühungen bündeln, das heißt Fusion, um weiter im Markt bestehen zu können.

Ein langer Weg in die „verwaltete Medizin“ ist absehbar.

Der moderne Sozialstaat hat die Grenzen zwischen Gerechtigkeit und Solidarität verwischt. Gegen Parolen helfen klare Begriffe.
* Gerechtigkeit fordert, Gleiches gleich zu behandeln und Ungleiches ungleich. Gerechtigkeit herrscht dann, wenn jeder nur nach dem verlangt, was ihm zusteht, und wenn er wirklich erhält, worauf er ein Anrecht hat. Dies kann jammervoll wenig sein. Gegen Unrecht kann man sich empören, über fehlende Hilfe kann man nur enttäuscht sein. Da braucht es einen Grundkonsens, dem nicht nur die Nehmenden zustimmen. Der Grundkonsens muss auch von den Gebenden akzeptiert werden.
* Solidarität heißt in der Not füreinander einzustehen. Hilfe in Not ist eine zentrale Frage von Solidarität. Rechte kann man einfordern, wenn sie nicht nur auf Bedürfnissen gründen.
* Wir leben auf Kosten der nächsten und übernächsten Generation. Es ist ein Gebot der Fairness, dass die Generationen gegenseitig ihre Schulden abtragen. Menschen sind im Wechsel Versorgte und Versorgende. Jeder Mensch beginnt sein Leben ungefragt in Hilflosigkeit, und viele verlassen die Welt in einem ähnlichen Zustand. Eltern schulden ihren Kindern Hilfe zur Selbständigkeit, Kinder schulden Beistand, sobald die Eltern ihre Selbständigkeit zu verlieren beginnen.
* Egoismus ist auch ein Ergebnis verstaatlichter Fürsorge. Alltägliche Solidarität bleibt nahezu unbemerkt: die Familie und die Nachbarschaft, Millionen ehrenamtlicher Helfer und die private Freundschaft.

Um alle Reformen ohne Gesundheitseinbußen zu schlucken, brauchen alle Beteiligten einen wirklich gesunden Verdauungstrakt. Das beste Krisenmanagement ist Prophylaxe – aber ist die innerhalb dieses Systems noch möglich? Nur für eine Berufsgruppe sind Arztpraxen attraktiver geworden. Die hat das Eintrittsgeld für Patienten bereits als Einnahmequelle akzeptiert.

Für Ihre Gesundheit alles Gute
Wolfgang woynar


Herzlichst Ihr Wolfgang Woynar

Live-Sendung im OFFENEN KANAL Bremerhaven
Hafenstraße 156, am Freitag den 06.02.2004, um 18.30 Uhr bis 20.00 Uhr
„Die Gesundheitsreform – sozial und sinnvoll?“
R.Zajonc (Moderator), Dr. W. Woynar (Hausarzt), Dr. A. Brecelnik (Orthopäde), G.Welge (Apotheker), N. Suske (AOK), J.P. Schütz (TAD- Pharma).


Männer! Vorsorge lohnt sich!

Prävention besteht in erster Linie darin, die eigenen Lebens-, Genuss- und Essgewohnheiten zu kennen, insbesondere deren Auswirkungen auf Krankheitsrisiken. Zusätzlich zur gewonnenen Erkenntnis hilft gegebenenfalls die Einsicht, praktisch etwas im konkreten Verhalten zu ändern. Spezifisch männliches Verhalten spielt dabei bekanntlich eine aktive Rolle.
Eine spannende, ungelöste Frage lautet: Wie bewegen wir Männer dazu, die großen Chancen der Krebsfrüherkennung zu nutzen? - am besten zeitgleich mit der Herz-Kreislauf-Vorsorgeuntersuchung "auf Herz und Nieren"!

Erfahrungen aus der ärztlichen Praxis lauten:

1. MANN akzeptiert die medizinische Untersuchung auf PSA (prostataspezifisches Antigen) mittels Blutentnahme eher als die "Tabu" - beladene rektale Untersuchung ("Hafenrundfahrt"). Notwendige nachfolgende Maßnahmen werden erleichtert.

2. MANN ist am ehesten zur Vorsorge motivierbar, wenn er auf seine nachlassende Leistungsfähigkeit in Beruf und Privatleben angesprochen wird.

3. FRAU hat einen wesentlichen Einfluss auf das Gesundheitsverhalten ihres Mannes. Begründung: fahrlässiges oder ignorantes Gesundheitsverhalten kann zum Schaden der gesamten Familie führen.

4. Das Medium Internet kann für den interessierten Mann in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Gesundheitsinformation spielen.

Beklagt wird seit Jahren das Kardinalproblem: zu wenige Männer (aber auch Frauen) nutzen die kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen. Die Früherkennung auf Krebs (insbesondere auch Darmkrebs) wird sträflich vernachlässigt. Hier muss aktiver aufgeklärt und geworben werden.

Männer sind (noch) Gesundheitsmuffel

Überwiegend sind Männer (Gesundheits-) Muffel. Den exakten PS - Wert ihres Autos, den kennen sie im Schlaf. Doch das für sie wichtigeren PSA (ProstataSpezifisches Antigen), das wird schon mal mit der PISA Studie verwechselt. Dabei ist die Vorsteherdrüse (Prostata) bei 20 Prozent aller 40 jährigen, bei einem Drittel der 50 jährigen und praktisch bei allen 90 jährigen vergrößert. Männer „ticken“ anders als Frauen, wer wüsste das nicht? Aber: MANN geht nicht nur sorgloser mit seinem Körper um, MANN lebt auch bewusst riskanter. Stress gehört einfach zu einem erfolgsgewohnten Mann, Stress gehört gleichsam zum Status. Bei Überbelastung neigen berufstätige Männer dabei häufig zu übermäßigem Konsum von Alkohol und Nikotin sowie Überernährung – also zur Kompensation. Obwohl Männer auch ihre spezifischen „Wechseljahre“ haben, gehen sie seltener zum Arzt. Bei emotionalen und sozialen Problemen wollen sie keine Schwäche zeigen – sie üben Gewalt auch gegen sich selbst.
Männliche Verhaltensweisen sind nicht ausschließlich genetisch bedingt oder vorgegeben. Sie werden geprägt durch Sozialisation in Familie, Schule und Beruf sowie gesellschaftliche Rollenvorgaben. Männer müssen nicht früher sterben. Es lohnt sich für Männer (und ihre Frauen!), darüber in einer stillen Stunde nachzudenken.

Dr. med. Wolfgang Woynar
Facharzt für Allgemeinmedizin
woynar@hausarzt-bremerhaven.de
www.hausarzt-bremerhaven.de



Krankheiten der Männer über 50

• Antriebsarmut: Motivationsmangel über längere Zeit kann möglicherweise ein Hinweis auf Hormonmangel sein. Zeitweise Antriebsarmut dagegen ist ganz normal.
• Darmkrebs: Typische Anzeichen für Darmkrebs:
- Blut im Stuhl
- drastischer Gewichtsverlust ohne eine plausible Erklärung
- plötzliche Veränderungen der Stuhlgewohnheiten
- häufig gleichzeitigem Abgang von Darmwinden und Stuhlgang
• Prostatavergrößerung: Häufig beginnt die Vorsteherdrüse durch ein gutartiges Wachstum die Harnröhre einzuengen. Die Folgen sind ein verzögerter Beginn des Wasserlassens, häufiger Harndrang, verminderter Harndruck.

Mein Rat:
gehen Sie unbedingt zu Ihrem Hausarzt und/oder Urologen.
Lassen Sie jährlich die kostenfreie Krebsfrüherkennung durchführen.
Lassen Sie sich die Behandlungsoptionen erklären: u.a. Arzneimittel.
Lassen Sie Prostatakrebs ausschließen durch den Tastbefund, durch Ultraschall und die Bestimmung des PSA-Wertes im Blut.
Eine weitere Gesundheitseinschränkung kann in diesem Alter Vergesslichkeit ("Haben Sie schon mal Ihre PIN- Nummer vergessen?") und Schlafstörungen sein.

Für Ihre Gesundheit alles Gute wünscht Ihnen Ihr Wolfgang woynar


Herzlichst Ihr Wolfgang Woynar


Impotenz - erektile Dysfunktion (ED)

Was hat Impotenz (ED) mit Herz-Kreislauferkrankungen zu tun? Die Antwort ist ganz einfach: die Risikofaktoren der Herzkreislauf-Erkrankungen (KHK) sind nahezu identisch mit denen der erektilen Dysfunktion.
Impotente Männer im Alter um 50 stellen also eine Risikogruppe hinsichtlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar. Das gilt für die KHK, Hypertonie, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus, zusätzlich aber auch für das Prostatakarzinom.

Deshalb gehen Männermediziner einen Schritt weiter und deuten die ED als Frühsymptom der Koronareren Herzkrankheiten (KHK) – mit den bekannten Spätfolgen Herz-, Hirninfarkt.

Wichtig ist die Anamnese - allgemeinmedizinisch plus Medikamente plus Sexualität – dazu Untersuchung und Laborstatus (Blutzucker, Kreatinin, Fette, Transaminasen, Testosteron und Prolaktin). Welche Therapie dann möglicherweise eingeleitet wird, sollten Sie mit dem Arzt Ihres Vertrauens zusammen entscheiden. Im Zeitalter von Viagra hat das Yohimbin nicht ausgedient. Zusätzlich sind weitere Medikamente mit ähnlichen Wirkmechanismen auf dem Markt. (über Nebenwirkungen und Kontraindikationen klärt Sie der Arzt Ihres Vertrauens auf). Unabdingbar ist zudem eine normale Testosteron- Konzentration im Blut und - nicht zu vergessen - die gleichzeitige, überschwellige erotische Stimulation. Bei allem Interesse der Medien und Industrie vergessen Sie bitte nicht, dass es sich bei der ED um seriöse ärztliche Therapien handelt und nicht um sensationsheischende Life-style-Medizin oder falsch verstandene "Wunsch" - Medizin!

Dr. med. Wolfgang Woynar
Facharzt für Allgemeinmedizin
woynar@hausarzt-bremerhaven.de
www.hausarzt-bremerhaven.de


Männer altern früher: Männer sterben früher!

Ab ca. 40 - 45Jahren kommt es zu einer deutlichen Zunahme der Sterblichkeit. Der Anstieg der Kurve beginnt bei Männern früher als bei Frauen und resultiert statistisch in einer insgesamt geringeren mittleren Lebenserwartung von etwa sieben Jahren.
Das sind die harten Fakten.
Deshalb hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sich bereits vor Jahren das Ziel gesetzt, die Gesundheits- und Lebenserwartung des Mannes im 21. Jahrhundert an die der Frau anzugleichen.
Die Gesundheitsvorsorge und Behandlung des Mannes muss in Zukunft mehr thematisiert werden. Denn: Männer leiden eher, als dass sie zum Arzt gehen.
Männer nutzen die Möglichkeiten von Vorsorgeuntersuchung zu wenig, und Männer interessieren sich auch weniger für allgemeine Gesundfragen. Männer setzen andere Prioritäten: Schöne Frauen und Musik stehen im Mittelpunkt, gefolgt von Sport, Autos und Sex. Gesundheitsthemen unter „ferner liefen“.
Fast drei Viertel suchen erst ärztlichen Rat, wenn es ihnen richtig schlecht geht. Ihre Scheinargumente: „lange Wartezeiten“, „Angst vor schlechten Nachrichten“, oder „schmerzhaften Untersuchungen“. 42 Prozent der Männer gaben zu, ärztliche Ratschläge nicht zu befolgen. Die meisten glauben, dass sich ihr Gesundheitszustand von allein wieder bessert. Jeder zweite Befragte ging in den vergangenen zwölf Monaten mehrmals arbeiten, obwohl er krank war. Auch hier war die Hauptbegründung: "Ich dachte, es wird von allein wieder besser."

Die harten (statistischen) Fakten sind:
Bis zum Alter von 65 Jahren sterben Männer fünfmal häufiger an Herzinfarkt, dreimal häufiger an tödlichen Verkehrsunfällen, fast dreimal häufiger an AIDS, fast dreimal häufiger an Lungenkrebs, fast dreimal häufiger an Selbstmord, zweimal häufiger an Leberzirrhose, 1,4 mal häufiger eines gewaltsamen Todes im Vergleich zu Frauen.
Die Frage bleibt: warum? Warum sterben Männer in den Industrienationen um sieben Jahre früher als Frauen - mit zunehmender Tendenz? Jedem von uns fallen spontan zahlreiche Gründe ein, doch den wahren Grund kennt eigentlich niemand.

Genetiker sehen Vorteile bei den Frauen wegen des doppelten X -Chromosom. Das gewähre Frauen dank eines bestimmten Gens einen doppelten Schutz gegen Krebs. Andere
Forscher sehen den Mann vor allem hormonell als benachteiligt an: MANN fehlt eine ausreichende Menge des schützenden Anti-Stress Hormons Östrogen, das bei Frauen –zumindest bis zur Menopause – Herz, Hirn und Knochen fit hält. Auch die Produktion des Wachstumshormon Somatropin, das unter anderem als Doping-Mittel Schlagzeilen machte, geht bei Männern im Alter stärker zurück als bei Frauen. Das den Biorhythmus steuernde Melatonin, das in letzter Zeit als Wunderdroge gefeiert wurde, ebenso.
Noch am besten erforscht ist das Schwinden der Sexualhormone im Alter. Während die Hormonproduktion bei Frauen in den Wechseljahren vergleichsweise abrupt endet, verringern sich bei Männern die Sexualhormone eher allmählich über viele Jahre.
Aber während bei den Frauen der Hormonersatz in den Wechseljahren zum medizinischen Alltag gehört, hinkt die Praxis bei den Männern rund 25 Jahre hinterher. Männer leiden in der zweiten Lebenshälfte – etwa ab dem 40.Lebensjahr - unter hormonellen Veränderungen, doch während Frauen in den Wechseljahren selbstverständlich Östrogenpräparate verschrieben bekommen – das gleiche gilt im übrigen für die Osteoporoseprophylaxe - steckt die Hormonersatztherapie bei Männern noch in den Anfängen. Nur selten wird z.B. das Testosterondefizit mit Hilfe von Medikamenten ausgeglichen.
Bei Potenzproblemen „kneifen“ Männer oder finden keinen kompetenten Ansprechpartner.

Frauen haben frauenspezifische Beschwerden, das ist richtig. Völlig zu Recht gibt es deshalb eine eigene medizinische Fachrichtung, die Frauenheilkunde. Bundesweit praktizieren knapp 15000 Frauenärzte. Zertifizierte Männerärzte jedoch sucht man meist vergebens.

Dr. med. Wolfgang Woynar
Facharzt für Allgemeinmedizin
woynar@hausarzt-bremerhaven.de
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Hormone sind e-mails des Organismus

Hormone sind chemische Botenstoffe, gleichsam die e-mails des Körpers.
Sie sind das biologische Band, welches den Menschen zusammenhält von der Zeugung bis zum Tod. Bei einem Mangel wird das Leben schwieriger und das Altern beschwerlicher.
Sie sorgen für Kreativität und Leistung, beeinflussen den Alterungsprozess und wirken nach dem "Schlüssel -Schloss" -Prinzip. Bekanntes Beispiel: das Insulin öffnet die Muskelzelle, damit Glucose und Fett hineinfinden, um in den Mitochondrien zu ATP verbrannt zu werden.
Dieses drahtlose Kommunikationsmodell wirkt über die Blutbahn. Der hormonelle Regelkreis hat sein Zentrum im Hypothalamus / Hypophyse und ist ein Rückkoppelungssystem in Verbindung mit den nachgeordneten Hormonen mit jeweiliger Kontrolle von IST- und Sollzustand. Entstehungsorte sind die Drüsen - Wirkorte sind Organe, Immunsystem Thymusdrüse), Stoffwechsel (Insulin) etc.

Testosteron wird in Hoden, Ovar und Nebennieren gebildet. Testosteron steuert das Wachstum, sorgt für Libido und Potenz, baut Muskulatur auf, beeinflusst Haut und Haare. Weiterhin wirkt es auf Stimmung, lenkt die Leistungsfähigkeit. Fettabbau erhöht Testosteron. Nikotin, Alkohol und Stress hemmen das Hormon.
Östrogen wird gebildet in Ovar, Hoden und Nebennieren.
Dihydrepiandrosteron(DHEA) wird in der Nebennierenrinde gebildet und senkt die Stresshormone, sorgt für Antrieb und Energie, verbessert die Gedächtnisleistungen. Ferner senkt es die Arteriosklerose und unterstützt das Immunsystem.
Das Wachstumshormon (HGH) wird in der Hirnanhangsdrüse gebildet und bremst u.a. die Osteoporose, fördert das Gedächtnis und stärkt das Immunsystem.
Die Schilddrüsenhormone wirken u.a. auf Energiegewinnung und Sauerstoffaufnahme, steuern die Mineralstoffbilanz und aktivieren Eiweiß-, Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel.
Mann und Frau haben dieselben Hormone - bekannt sind ca. 25 - lediglich die Menge ist unterschiedlich. Wussten Sie, dass ein 30 jähriger Mann mehr Östrogene hat als eine 60 jährige Frau? Die Ausgewogenheit also bestimmt den Alterungsprozess.

Männer erleben - wie Frauen - eine altersabhängige Veränderung von körperlichen und geistigen Fähigkeiten. Symptome wie nachlassendes Gedächtnis, verminderte Konzentration, zunehmende Nervosität, Depressivität, Schlafstörungen, Attacken von unmotivierten Schweißausbrüchen, Knochen-, Muskel- und Gelenkbeschwerden und eine Reduktion der Muskelmasse sind bekannte Erscheinungen.
Dieses fordert Diskussionen unter anderem über die Indikation zur Hormonsubstitution beim Mann, die bei Frauen seit 30 Jahren mit Erfolg zur Verbesserung der Lebensqualität eingesetzt wird.

Dr. med. Wolfgang Woynar
Facharzt für Allgemeinmedizin
woynar@hausarzt-bremerhaven.de
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Die vier Säulen der Gesundheit des Mannes:

• Bewegung: Laufen Sie sich fit! – gleichförmig und regelmäßig! (Wandern, Laufen, Joggen, je nach Alter, körperlicher Verfassung, Trainingszustand und Können.)
• Ernährung: essen Sie sich gesund! – ausgewogene Kost!, vorwiegend Kohlenhydrate, Eiweiß, ungesättigte Fettsäuren und wenig tierische Fette
• Denken : Bewältigen Sie Ihren Stress!
• Hormone : nur, wenn nachweislich Defizite bestehen und wenn es nicht gelingt durch Bewegung, Ernährung und Denken die körpereigene Hormonbildung zu aktivieren!

Bewegung ist die beste Medizin für...
Stoffwechsel - senkt Cholesterin und Fette
Sauerstoffbindung - mehr Mitochondrien = mehr Kraftwerke
Herz-Kreislauf - der Ruhepuls sinkt
Stresshormone - Cortisol wird abgebaut
Kreativität - ACTH baut Fett ab
Glückshormone - mehr Endomorphine
Appetit - Insulinspiegel sinkt
Immunsystem - wird leistungsfähiger
Gefäßsystem - bessere Durchblutung
Gewicht - sinkt,
Gelenke werden entlastet


Ernährung
Gesunde Ernährung auf der Basis einer mediteranen Kost ist keine Zauberei, sondern problemlos umsetzbar. Trotzdem fällt es besonders Männern schwer, liebgewordene Gewohnheiten zu ändern. Häufig besteht bei Männern die Einstellung "lieber kurz und gut, als länger und schlechter leben". Der Preis für eine vermeintlich höhere Lebensqualität ist jedoch die geringere Lebenserwartung! Aber: eine Ernährungsumstellung muss nicht zwingend eine Einbuße der Lebensqualität bedeuten. Bei allen Ernährungsempfehlungen ist es besonders wichtig, die Kost individuell abzustimmen - die Erfahrung lehrt: gemeinsam mit der Lebenspartnerin.
Strenge Diätregime sind unsinnig. Vor allem dann, wenn Lebensfreude genommen wird. Viel wichtiger ist es durch detaillierte Aufklärung zu überzeugen. Hier zeigt sich, dass gerade Männer dann auch bereit sind etwas zu ändern.
Ernährung spielt sowohl bei der Prävention, als auch bei der Therapie von Krankheiten eine nicht unerhebliche Rolle.

Ernährung im Alter
1. Der Energiebedarf ändert sich mit dem Älterwerden
2. Die tägliche Fettmenge sollte bei ca. 30 - 35% der Kalorien liegen. Der Feind heißt Fett, wenn es nicht verbrannt wird! Fett macht dick, verklebt die Gefäße und verlangsamt die Gehirnströme. Meiden Sie tierische Fette: Schinken statt Wurst, Pflanzenöle erlaubt, Handkäse und Hüttenkäse bevorzugen.
3. Kohlenhydrate sollten vorwiegend in komplexer Form, mit einem hohen Anteil an löslichen Ballaststoffen verzehrt werden. Essen Sie genügend Eiweiß, täglich Hülsenfrüchte und Wurzelgemüse, täglich Getreide. Fisch oder mageres Fleisch (Wild, Pute) mindestens zweimal pro. Essen Sie ausreichend Obst.
4. Der tägliche Eiweißbedarf eines älteren Menschen liegt bei knapp 1g Eiweiß pro kg Körpergewicht. Der Grundbaustein Eiweiß fördert Leistungsfähigkeit und Kreativität: 22 Aminosäuren bilden Muskeln, Knochen, Hormone und das Immunsystem.
5. Der empfohlene Kalziumbedarf von 800-1000mg pro Tag lässt sich schon mit 150g Fruchtjoghurt, 250ml fettarmer Milch und 2 Scheiben (60g) fettarmen Schnittkäses decken.
6. Das Durstempfinden älterer Menschen lässt deutlich nach. Trinken Sie ausreichend Mineralwasser. Die tägliche Flüssigkeitsmenge beträgt mindestens 2 Liter.
7. Meiden Sie den schnellen Zucker.
8. Meiden Sie den täglichen Alkohol. Alkohol beeinflusst die Resorption und den Stoffwechsel verschiedener Vitamine und Nährstoffe. Besonders bei erhöhten Fetten, erhöhter Harnsäure und bei Leber- und Pankreaserkrankungen spielt Alkohol eine fatale Rolle. Gegen ein "Gläschen in Ehren" ist jedoch bei ansonsten stoffwechsel- und lebergesunden Personen nichts einzuwenden.
9. Verzichten Sie einmal pro Woche auf das Abendessen.
10. Anti- Aging Ärzte empfehlen im Alter Nahrungsergänzung pro Tag mindestens:
500mg Vitamin C, 400mg Vitamin E, 33mg, Magnesium, 15g Zink, 60ug Selen.

Dr. med. Wolfgang Woynar
Facharzt für Allgemeinmedizin
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Herzlichst Ihr Wolfgang Woynar