Liebe Leserinnen und liebe Leser,

das beste Krisenmanagement ist Prophylaxe – aber Vorsorge ist in unserem Gesundheitssystem nicht mehr möglich! Wegen der knappen Ressourcen geht es schon lange nicht mehr um unser vertrautes Gesundheits-„wesen“, sondern vielmehr um Gesundheits- „wirtschaft“.
Im bevorstehenden Bundestagswahlkampf haben die politischen Parteien deshalb einen erbitterten „Richtungskampf“ mit dem Schwerpunkt Gesundheit/ Soziales/ Familie angekündigt.

Die finanziellen Mittel sind erschöpft, aber die Bürger glauben es nicht und die Politiker sagen es ihren Wählern nicht deutlich genug. Die Sozialromantiker fordern die Vergangenheit zurück. Das hat zwar Charme, nutzt aber in Zukunft nicht wirklich.

Die Einen finden es gerecht, alles möglichst so zu belassen, wie es schon immer war. Andere betonen die Eigenverantwortlichkeit, die individuelle Zumutbarkeit. Wieder Andere betonen den Wert der Gleichheit und des sozialen Ausgleichs – bis hin zur Gleichmacherei mit der Folge überbordender Bürokratie, Gängelung und Lähmung.
Gescheitert sind alle drei Vorstellungen.

Die Kernfrage lautet: Was ist sozial gerecht? - Wie lässt sich Gerechtigkeit unter den Bedingungen schrumpfender Finanzmittel sozial verträglich organisieren?

Die Begriffe Gerechtigkeit und Solidarität drohen zu Parolen zu verkommen. Da kann die Klärung von Begriffe helfen. Unser moderner Sozialstaat jedoch hat die Grenzen zunehmend verwischt.

• Gerechtigkeit fordert, Gleiches gleich zu behandeln und Ungleiches ungleich.
Gerechtigkeit herrscht dann, wenn jeder nur nach dem verlangt, was ihm zusteht, und wenn er wirklich erhält, worauf er ein Anrecht hat. Dies kann durchaus auch wenig sein.
Da braucht es einen Grundkonsens, dem nicht nur die Nehmenden zustimmen. Der Grundkonsens muss auch von den Gebenden akzeptiert werden.

• Solidarität heißt in der Not füreinander einzustehen.
Hilfe in existentiellen Notlagen ist eine zentrale Frage von Solidarität.

• Wir leben auf Kosten der nächsten und übernächsten Generation.
Es ist ein Gebot der Fairness, dass die Generationen gegenseitig ihre Schulden abtragen. Menschen sind im Wechsel Versorgte und Versorgende. Jeder Mensch beginnt sein Leben ungefragt in Hilflosigkeit, und viele verlassen die Welt in einem ähnlichen Zustand.
Eltern schulden ihren Kindern Hilfe zur Selbständigkeit, Kinder schulden Beistand, sobald die Eltern ihre Selbständigkeit zu verlieren beginnen.
Die Pflegeversicherung ist im Übrigen der augenfällige Beweis für einen Verstoß gegen den vielzitierten Generationenvertrag: seit Bestehen vor 10 Jahren zahlen ausschließlich die Jungen für die jetzt Alten. Das Problem der Gesetzlichen Krankenversicherung: immer weniger versicherungspflichtige Jüngere finanzieren immer mehr Rentner und das (gottlob) immer länger.

• Das Ergebnis ausufernder verstaatlichter Fürsorge ist ein weiter zunehmender Egoismus in unserer Gesellschaft. Alltägliche Solidarität dagegen bleibt nahezu unbemerkt: in der Familie und Nachbarschaft, bei Millionen ehrenamtlichen Helfern, in privaten Freundschaften.

„Vieles hat sich verändert, nicht alles zum Besseren.“

Für Ihre Gesundheit alles Gute wünscht Ihnen
Wolfgang Woynar

Herzlichst Ihr Wolfgang Woynar


„Langzeitgedächtnis“: HbA1c

Der Labortest Haemoglobin A1c (HbA1c) ist das „Gewissen“ des Blutzuckers.
Der „HbA1c“ gibt den mittleren Zuckerwert (Glucose) im Blut während der letzten drei Monate an. Somit ist eine Aussage über das durchschnittliche Blutzuckerniveau der letzten drei Monate möglich. Der Wert gibt an, ob der Blutzucker normal oder zu hoch war. Er ermöglicht damit eine kompetente Diabetikerbetreuung in der Hausarztpraxis.
Warum ist dieser Test so wichtig für Diabetiker?
Eine der wichtigsten wissenschaftlichen Studie im Bereich des Diabetes, der DCCT (Diabetes Control and Complications Trial), hat gezeigt, dass die Senkung des HbA1c-Wertes Komplikationen des Diabetes wie Augenerkrankungen, Nieren- oder Nervenstörungen verhindern oder verzögern kann. Jede auch noch so kleine Senkung des HbA1c-Spiegels verbessert die Chancen, gesund zu bleiben. Die "UKPDS" (United Kingdom Prospective Study on Diabetes) hat diese Resultate auch für Typ 2 - Diabetiker bestätigt.
Der HbA1c- Test sollte einmal pro Quartal durchgeführt werden! Häufigere Testungen werden nur bei weit überhöhten Blutzuckerwerten oder bei Therapieänderungen notwendig. Für den Test ist lediglich eine geringe Menge Blut notwendig, die im Labor untersucht wird.
Der BZ Langzeitwert wird ergänzt durch die Selbstkontrolle des Diabetikers. Durch Selbstmessungen lernen Patienten ihren Stoffwechsel kennen. Sie verstehen, wie Nahrungsaufnahme, körperliche Aktivität und medikamentöse Behandlung „ihren“ Blutzucker im Alltag beeinflussen.

• Die BZ- Selbstkontrolle gibt eine Momentaufnahme des Blutzuckers zum Zeitpunkt der Testung: „Momentanwert“.

• Das HbA1c ergibt einen Überblick über die letzten 3 Monate: „Langzeitwert“
Beide Tests ergänzen sich: zusammen dokumentieren sie die Qualität der Diabetesbehandlung. Diabetiker sollten ihren HbA1c-Wert kennen!



Dr. med. Wolfgang Woynar
FA Allgemeinmedizin- Sportmedizin Frauenarzt + Männerarzt (cmi)
www.hausarzt-bremerhaven.de


Diabetes behandeln – Risikofaktoren beherrschen


Diabetes behandeln heißt: die Risikofaktoren beherrschen. Denn fünfzehn lange Jahre kann es dauern, bis aus einem Vorstadium ein manifester Diabetes mellitus wird. In dieser Phase sind die Blutzuckerwerte zwar noch normal, der Insulinspiegel aber beginnt bereits zu steigen, mit zunehmender Insulinresistenz.
Deshalb ist die Früherkennung so wichtig. Je früher, desto besser: nur so hat man eine Chance! Ein Problem lautet: Wie finden wir die Risikopersonen? Eine Möglichkeit wäre ein Fragebogen. Mit acht Fragen, die sich in der finnischen Diabetes-Präventionsstudie bewährt haben, kann jeder sein Risiko berechnen. Eine weitere Möglichkeit der Früherkennung bewährt sich in der Hausarztpraxis: „Prädiabetes“ ist erkennbar an niedrigen HDL- Cholesterin-, zugleich erhöhten Triglyzerid- werten.

Eine optimale Blutzucker - Einstellung ist entscheidend, um akute Komplikationen und Folgekrankheiten des Diabetes zu verhindern. Ausgewogene Ernährung und regelmäßige körperliche Bewegung sind die unverzichtbaren Grundlagen. Darauf aufbauend Schulung und Selbstkontrolle des Diabetikers.

Diabetes mellitus ist eine chronische Erkrankung. Diabetes ist eine Zivilisationskrankheit nicht nur mit großen volkswirtschaftlichen Folgeschäden. Die medizinischen Grundlagen der Zuckerkrankheit sind hinlänglich erforscht, die Therapiemöglichkeiten perfektioniert. Das Leben mit der Krankheit ist im Alter wie in der Jugend bei gut eingestellten Blutzuckerwerten dem Leben Gesunder vergleichbar. Ergebnisse epidemiologischer Studien deuten daraufhin, dass bis zum Jahr 2010 jeder zehnte Deutsche Diabetiker sein wird. Ebenso alarmierend ist der dramatische Anstieg des Typ-2-Diabetes bei Jugendlichen. Dennoch weiß nach Angaben des Deutschen Diabetiker Bundes die Hälfte der sechs bis acht Millionen Betroffenen nichts von ihrer Krankheit.
Dringend vermeiden müssen wir das sogenannte „zweite Gesicht“ der Zuckerkrankheit: die Folgeschäden. Die entstehen, wie wir wissen, bei überhöhten Blutzuckerwerten über Jahre - wenn man nichts dagegen unternimmt oder – schlimmer - nichts davon weiß. Neuralgische Punkte sind die klassischen Organe Herz und Gehirn, Auge und Niere. Diabetes ist bekanntlich aber vor allem eine gefährliche Gefäßerkrankung.

Die Ursache des jugendlichen Diabetes liegt in einer Störung des Immunsystems: die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse werden durch eine Entzündung zerstört. Die Folge: es wird kein Insulin mehr ausgeschüttet. Eine „chronische Autoimmunerkrankung“ also, die bei einem von fünfhundert Kindern auftritt – insgesamt sind in Deutschland 20 000 Kinder und Jugendliche betroffen. Behandelt werden sie mit einer Insulinersatztherapie. Gesundheit und Lebensqualität können erreicht werden, vorausgesetzt die Krankheit wird akzeptiert und die Folgekrankheiten werden durch eine möglichst frühzeitige Diagnose so eingedämmt, dass die sofortige Insulintherapie eine mittelfristig günstige Stoffwechsellage erzielt. Denn nur wenn der Patient „sehr gut eingestellt“ ist - wenn also die Blutzuckerwerte denen eines Nichtdiabetikers entsprechen – nur dann können Folgeschäden verhindert oder zumindest hinausgezögert werden. Generell kann man sagen, dass ein Langzeitzuckerwert, HbA1c unter sieben Prozent, einer sehr guten Einstellung entspricht.

Dreh- und Angelpunkt in der Diabetestherapie ist es, den Blutzuckerwert, die Blutfette und den Bluthochdruck „in den Griff“ zu bekommen und auf einem konstanten, normalen Niveau zu halten. Wie aber erreichen wir eine sehr gute Einstellung? Wie können Gefäßerkrankungen minimiert werden? Die Weiterentwicklung der Insuline und Insulinanaloga bieten eine gute Möglichkeit, die Einstellung zu verfeinern, zu verbessern und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen. Durch eine Kombination von kurz- und langwirksamen Insulinen ist die Therapie wesentlich flexibler geworden - die Natur wird besser imitiert: zu den Mahlzeiten ein kurzwirksames und abends ein langwirksames Insulin.

In der Hausarzt - Praxis überwiegen zahlenmäßig die Typ-2-Diabetiker. Diese leiden nicht unter einer Autoimmunkrankheit, sondern an einer Insulinresistenz. Das heißt, dass weder das vom Körper ausgeschüttete Insulin noch das gespritzte voll zur Wirkung kommt, weil die Zielzellen einfach nicht darauf reagieren. Zudem wird Insulin viel zu spät und viel zu langsam von der Bauchspeicheldrüse „geliefert“. Die Folge: ein echter Insulinmangel, dieser treibt die Zuckerwerte in die Höhe, das wiederum wird durch erhöhtes Insulin beantwortet. Ein Teufelskreis! Der aber kann nur durch eine gute Einstellung aufgefangen werden.

Trotz Einsparungen im Gesundheitswesen bedürfen insbesondere ältere Patienten einer qualifizierten, konsequenten medizinischen und ärztlichen Begleitung. Sinnvoll ist oftmals eine Kombination aus mehreren Medikamenten mit unterschiedlichen Wirkmechanismus: deren Effekte addieren sich und bilden Synergien.

Die Bemühungen des Zuckerkranken in enger Zusammenarbeit mit dem Arzt seines Vertrauens seine „Werte“ möglichst normal einzustellen, sind weit fortgeschritten. Dennoch: die Nebenwirkung „Unterzuckerung“ wird sich nicht immer vermeiden lassen. Der Blutzucker wird in einem sehr engen Bereich reguliert. Die Abweichung von der „Norm“ bedeutet immer auch einen Schaden für die Gesundheit.
Bei zu niedrigen Werten sind die Leistungsfähigkeit vor allem des Gehirns und das Wohlbefinden erheblich beeinträchtigt. Normalerweise verhindert das Hormon Glucagon, dass der Blutzucker unter 70 oder 60 mg% „abrutscht“. Glucagon jedoch ist bei einem Diabetikers des Typ 1 bald nicht mehr vorhanden. Die Hypoglykämie ist und bleibt das große Problem.

Deshalb sind die Diabetiker-Schulungs-Kurse so wichtig: hier lernen die Patienten, das Gleichgewicht herzustellen zwischen: * Muskelarbeit (zuckersenkend), * Kohlenhydrat- oder Eiweißzufuhr (zuckererhöhend) und * Insulin (zuckersenkend).
Moderate Bewegung kombiniert mit einer gesunden Ernährung plus moderne Medikamente – das sind die drei wichtigen Säulen im Kampf gegen die Folgeerkrankungen des Diabetes. Denn noch immer ist der „diabetische Fuß“ ist ein sehr belastender Folgeschaden: in Deutschland werden jährlich 26 bis 28 000 Amputationen vorgenommen.

„Zivilisationskrankheiten“ zu behandeln, das heißt für den Betroffenen und seinen Hausarzt die Risikofaktoren zu beherrschen. Das verlangt Kooperation, Vertrauen und Steherqualitäten. Das bedeutet, über Jahre Höhen, aber auch Tiefen mit zu “leiden“ – medizinisch wie ärztlich. Die Behandlung von Volkskrankheiten verlangen ein anderes Handwerkszeug, andere Instrumente als Akutmedizin. Bei den Zivilisationskrankheiten sind und bleiben die Aufklärung der medizinischen und psychologischen Zusammenhänge sowie intensive Schulungen dringend notwendig.

Dr. med. Wolfgang Woynar
FA Allgemeinmedizin- Sportmedizin Frauenarzt + Männerarzt (cmi)
www.hausarzt-bremerhaven.de



Diabetes behandeln – Risikofaktoren beherrschen


Diabetes behandeln heißt: die Risikofaktoren beherrschen. Denn fünfzehn lange Jahre kann es dauern, bis aus einem Vorstadium ein manifester Diabetes mellitus wird. In dieser Phase sind die Blutzuckerwerte zwar noch normal, der Insulinspiegel aber beginnt bereits zu steigen, mit zunehmender Insulinresistenz.
Deshalb ist die Früherkennung so wichtig. Je früher, desto besser: nur so hat man eine Chance! Ein Problem lautet: Wie finden wir die Risikopersonen? Eine Möglichkeit wäre ein Fragebogen. Mit acht Fragen, die sich in der finnischen Diabetes-Präventionsstudie bewährt haben, kann jeder sein Risiko berechnen. Eine weitere Möglichkeit der Früherkennung bewährt sich in der Hausarztpraxis: „Prädiabetes“ ist erkennbar an niedrigen HDL- Cholesterin-, zugleich erhöhten Triglyzerid- werten.

Eine optimale Blutzucker - Einstellung ist entscheidend, um akute Komplikationen und Folgekrankheiten des Diabetes zu verhindern. Ausgewogene Ernährung und regelmäßige körperliche Bewegung sind die unverzichtbaren Grundlagen. Darauf aufbauend Schulung und Selbstkontrolle des Diabetikers.

Diabetes mellitus ist eine chronische Erkrankung. Diabetes ist eine Zivilisationskrankheit nicht nur mit großen volkswirtschaftlichen Folgeschäden. Die medizinischen Grundlagen der Zuckerkrankheit sind hinlänglich erforscht, die Therapiemöglichkeiten perfektioniert. Das Leben mit der Krankheit ist im Alter wie in der Jugend bei gut eingestellten Blutzuckerwerten dem Leben Gesunder vergleichbar. Ergebnisse epidemiologischer Studien deuten daraufhin, dass bis zum Jahr 2010 jeder zehnte Deutsche Diabetiker sein wird. Ebenso alarmierend ist der dramatische Anstieg des Typ-2-Diabetes bei Jugendlichen. Dennoch weiß nach Angaben des Deutschen Diabetiker Bundes die Hälfte der sechs bis acht Millionen Betroffenen nichts von ihrer Krankheit.
Dringend vermeiden müssen wir das sogenannte „zweite Gesicht“ der Zuckerkrankheit: die Folgeschäden. Die entstehen, wie wir wissen, bei überhöhten Blutzuckerwerten über Jahre - wenn man nichts dagegen unternimmt oder – schlimmer - nichts davon weiß. Neuralgische Punkte sind die klassischen Organe Herz und Gehirn, Auge und Niere. Diabetes ist bekanntlich aber vor allem eine gefährliche Gefäßerkrankung.

Die Ursache des jugendlichen Diabetes liegt in einer Störung des Immunsystems: die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse werden durch eine Entzündung zerstört. Die Folge: es wird kein Insulin mehr ausgeschüttet. Eine „chronische Autoimmunerkrankung“ also, die bei einem von fünfhundert Kindern auftritt – insgesamt sind in Deutschland 20 000 Kinder und Jugendliche betroffen. Behandelt werden sie mit einer Insulinersatztherapie. Gesundheit und Lebensqualität können erreicht werden, vorausgesetzt die Krankheit wird akzeptiert und die Folgekrankheiten werden durch eine möglichst frühzeitige Diagnose so eingedämmt, dass die sofortige Insulintherapie eine mittelfristig günstige Stoffwechsellage erzielt. Denn nur wenn der Patient „sehr gut eingestellt“ ist - wenn also die Blutzuckerwerte denen eines Nichtdiabetikers entsprechen – nur dann können Folgeschäden verhindert oder zumindest hinausgezögert werden. Generell kann man sagen, dass ein Langzeitzuckerwert, HbA1c unter sieben Prozent, einer sehr guten Einstellung entspricht.

Dreh- und Angelpunkt in der Diabetestherapie ist es, den Blutzuckerwert, die Blutfette und den Bluthochdruck „in den Griff“ zu bekommen und auf einem konstanten, normalen Niveau zu halten. Wie aber erreichen wir eine sehr gute Einstellung? Wie können Gefäßerkrankungen minimiert werden? Die Weiterentwicklung der Insuline und Insulinanaloga bieten eine gute Möglichkeit, die Einstellung zu verfeinern, zu verbessern und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen. Durch eine Kombination von kurz- und langwirksamen Insulinen ist die Therapie wesentlich flexibler geworden - die Natur wird besser imitiert: zu den Mahlzeiten ein kurzwirksames und abends ein langwirksames Insulin.

In der Hausarzt - Praxis überwiegen zahlenmäßig die Typ-2-Diabetiker. Diese leiden nicht unter einer Autoimmunkrankheit, sondern an einer Insulinresistenz. Das heißt, dass weder das vom Körper ausgeschüttete Insulin noch das gespritzte voll zur Wirkung kommt, weil die Zielzellen einfach nicht darauf reagieren. Zudem wird Insulin viel zu spät und viel zu langsam von der Bauchspeicheldrüse „geliefert“. Die Folge: ein echter Insulinmangel, dieser treibt die Zuckerwerte in die Höhe, das wiederum wird durch erhöhtes Insulin beantwortet. Ein Teufelskreis! Der aber kann nur durch eine gute Einstellung aufgefangen werden.

Trotz Einsparungen im Gesundheitswesen bedürfen insbesondere ältere Patienten einer qualifizierten, konsequenten medizinischen und ärztlichen Begleitung. Sinnvoll ist oftmals eine Kombination aus mehreren Medikamenten mit unterschiedlichen Wirkmechanismus: deren Effekte addieren sich und bilden Synergien.

Die Bemühungen des Zuckerkranken in enger Zusammenarbeit mit dem Arzt seines Vertrauens seine „Werte“ möglichst normal einzustellen, sind weit fortgeschritten. Dennoch: die Nebenwirkung „Unterzuckerung“ wird sich nicht immer vermeiden lassen. Der Blutzucker wird in einem sehr engen Bereich reguliert. Die Abweichung von der „Norm“ bedeutet immer auch einen Schaden für die Gesundheit.
Bei zu niedrigen Werten sind die Leistungsfähigkeit vor allem des Gehirns und das Wohlbefinden erheblich beeinträchtigt. Normalerweise verhindert das Hormon Glucagon, dass der Blutzucker unter 70 oder 60 mg% „abrutscht“. Glucagon jedoch ist bei einem Diabetikers des Typ 1 bald nicht mehr vorhanden. Die Hypoglykämie ist und bleibt das große Problem.

Deshalb sind die Diabetiker-Schulungs-Kurse so wichtig: hier lernen die Patienten, das Gleichgewicht herzustellen zwischen: * Muskelarbeit (zuckersenkend), * Kohlenhydrat- oder Eiweißzufuhr (zuckererhöhend) und * Insulin (zuckersenkend).
Moderate Bewegung kombiniert mit einer gesunden Ernährung plus moderne Medikamente – das sind die drei wichtigen Säulen im Kampf gegen die Folgeerkrankungen des Diabetes. Denn noch immer ist der „diabetische Fuß“ ist ein sehr belastender Folgeschaden: in Deutschland werden jährlich 26 bis 28 000 Amputationen vorgenommen.

„Zivilisationskrankheiten“ zu behandeln, das heißt für den Betroffenen und seinen Hausarzt die Risikofaktoren zu beherrschen. Das verlangt Kooperation, Vertrauen und Steherqualitäten. Das bedeutet, über Jahre Höhen, aber auch Tiefen mit zu “leiden“ – medizinisch wie ärztlich. Die Behandlung von Volkskrankheiten verlangen ein anderes Handwerkszeug, andere Instrumente als Akutmedizin. Bei den Zivilisationskrankheiten sind und bleiben die Aufklärung der medizinischen und psychologischen Zusammenhänge sowie intensive Schulungen dringend notwendig.


Dr. med. Wolfgang Woynar
FA Allgemeinmedizin- Sportmedizin Frauenarzt + Männerarzt (cmi)
www.hausarzt-bremerhaven.de

Herzlichst Ihr Wolfgang Woynar