Liebe Leserinnen und liebe Leser,

Die Freude am Beruf sichert unseren Erfolg!
Diese Erkenntnis gewinnt gerade in Zeiten der Restriktion immer mehr an Bedeutung.

In zu vielen deutschen Behörden, Ämtern, Betrieben und Firmen haben zu viele Menschen bereits „innerlich gekündigt“. Am häufigsten betroffen sind Arbeiter und Angestellte der mittleren Führungsebene. Sie haben die „Sandwich-Position“, das heißt: sie haben den Druck ihrer Vorgesetzten auszuhalten und gleichzeitig die Erwartungen ihrer „Kunden“ und Mitarbeiter zu erfüllen.

Das bedeutet Stress pur - für alle Beteiligten – beruflich und privat. Und ist außerdem nachteilig für die Effektivität und Produktivität, schädlich für die Arbeitsqualität.

In der täglichen ärztlichen Praxis stöhnen Menschen zunehmend, sie seien „leer, kraftlos, ausgebrannt“. Sie klagen: “Ich brauche dringend eine Pause", „Mein Akku ist leer“, „Ich kann nachts kaum noch schlafen vor lauter Stress“ oder „ … bin reif für die Insel“.

Manch einer ist erschöpft und braucht Erholung, mehr nicht. Wenn aber die körperlichen, seelischen und sozialen Folgen von Stress unübersehbar sind, ist professionelle Hilfe angesagt. Die individuelle Behandlung von negativen Stressfolgen habe ich in zahlreichen Vorträgen, Seminaren und Beiträgen, u.a. im GESUNDHEITS-FORUM der NORDSEE-ZEITUNG ausgeführt.

Das „Burnout- Syndrom“ ist wahrlich keine Trenddiagnose. Es ist zu hoffen, dass es nicht so weit kommt wie beim Herzinfarkt, der vor zwanzig Jahren beinahe zum „Markenzeichen“ eines sich aufopfernden Managers gehört hat. Man tut gut daran, nicht zu schnell von Burnout zu sprechen und zunächst zu prüfen, ob es sich etwa (noch) um eine den Einzelnen überfordernde Situation, eine depressive Episode oder wirklich um Burn- out handelt.

Der New Yorker Arzt und Psychotherapeut Herbert Freudenberger definierte erstmals 1974 das "Burnout- Syndrom" als Krankheit. Bei seiner Arbeit mit Sozialarbeitern hatte der Arzt festgestellt, dass diese sich zu Beginn ihrer Tätigkeit stark idealistisch mit den Hilfebedürftigen identifizierten, ihnen gegenüber nach Jahren jedoch eine starke bis zynische Ablehnung entwickelten. Lange wurde die Krankheit deshalb vorwiegend mit den sozialen Berufen in Zusammenhang gebracht. Vor allem Lehrer, Krankenschwestern oder auch Sozialarbeiter galten als Risikogruppen. Davon ist man inzwischen abgekommen. Den Experten zufolge leiden Führungskräfte am Burnout –Syndrom vor allem, weil sie zu wenig bis kein Privatleben haben. Burnout kann alle treffen. Denn Burnout ist nur zu einem kleineren Teil durch persönliche Dispositionen oder Verhaltensweisen der Betroffenen verursacht. Die individuellen Faktoren dürfen zwar nicht unterschätzt, aber auch nicht in den Vordergrund gestellt werden.

Deshalb versuche ich zum besseren Verständnis des Krankheitsbildes die drei wichtigsten Faktoren herauszuarbeiten:

1. Burnout ist weniger ein individuelles Problem - eine Schwäche des einzelnen betroffenen Menschen. Burnout hat einen klaren Bezug zur Arbeitswelt. Die Arbeits- und Organisationsgestaltung beeinflusst im Wesentlichen das Krankheitsgeschehen.
Praxiserfahrungen zeigen, dass Burnout stark durch störende Arbeitssituationen gefördert wird. Dem gilt es mit geeigneter Organisationsgestaltung zu begegnen.

2. Burnout ist kein akutes Ereignis, es entwickelt sich schleichend. Die ausgebrannte Person verhält sich lange Zeit (Monate/ Jahre) unauffällig. Wenn schon deutliche Symptome vorhanden sind, ist die Krankheit so weit fortgeschritten, dass nicht nur für die betroffene Person, sondern auch für das private und berufliche Umfeld eine Problemsituation geschaffen ist. Flexibilität und Kreativität sind reduziert, die Wahrnehmung eingeschränkt. Fehlbeurteilungen und Fehlentscheide häufen sich.

3. Das Erleben von emotionaler Erschöpfung und reduzierter Leistungsfähigkeit erzeugt ein immer unpassenderes (Sozial-)Verhalten beim Betroffenen, das sich in einem weiteren Symptom des Abbaus der Persönlichkeit des Betroffenen manifestiert. Der Kontakt mit den Mitarbeitenden, Kollegen und Kunden wird zunehmend stärker als Strapaze erlebt, der Ausgebrannte meidet alle Arten von Begegnungen. Das Sozialklima ist für alle Beteiligten beeinträchtigt - mit negativen Folgen für Zusammenarbeit und Leistungsfähigkeit.

Wie kann man trotz hohem Druck und Stress die persönlichen und betrieblichen Ressourcen, und zudem die eigene Stresstoleranz erhöhen?
Dieser Ansatz erfordert eine veränderte Sichtweise, indem tägliche Arbeit nicht nur als Stressor, sondern ebenso als Chance betrachtet wird. Dies ermöglicht es, die Arbeit und Organisation aus Sicht der positiven, unterstützenden Faktoren zu beeinflussen und zu gestalten.

Neben den gesundheitsfördernden Verhaltensweisen (gesunde Ernährung und Sport), für die ein jeder selbst Verantwortung trägt, sind dies:

• eine variable und abwechslungsreiche Arbeit,
• ein genügender Entscheidungs- und Kontrollspielraum
• sowie die Möglichkeit, nicht Stückwerkarbeit, sondern einen umfassenden Arbeitsprozess verfolgen zu können.
• Hinzu kommt ein positives Sozialklima. Arbeit muss in einem die Leistung unterstützenden sozialen Umfeld eingebettet sein, das sich im Sozialverhalten der Kollegen und Vorgesetzten zeigt.
• Zudem ist eine überdauernde qualitative wie quantitative Unter- wie Überforderung zu vermeiden.
• Durch gezielte Arbeitsorganisation sind positive Herausforderungen zu erzeugen.

Die persönlichen „Reserven“ sind vielfältig: wirksame Hilfe finden wir in unserem sozialen Netz- beruflich wie privat, das bietet soziale Unterstützung. Unsere innere Kraft, die uns das überdauernde Gefühl gibt, den Herausforderungen des Lebens gewachsen zu sein. Dieses Gefühl gibt uns Stabilität, fördert die Stresstoleranz und ist maßgebend für unser gesundheitliches Wohlbefinden.

Denken Sie daran: Aktive Freizeitgestaltung mit Freunden ist eine sinnvolle Investition in die eigene Gesundheit.

Für Ihre Gesundheit alles Gute wünscht Ihnen
Ihr Wolfgang Woynar

Herzlichst Ihr Wolfgang Woynar


Burnout muss nicht sein!


Burnout heißt soviel wie "ausgebrannt sein".

1. Stressbedingte Gesundheitsstörungen wie psychosomatische Beschwerden oder Depressionen sind in Deutschland die Nummer eins unter den Krankheitsgründen, Psychologen zufolge sind Menschen, die an dem Syndrom erkranken, kaum noch leistungsfähig in ihren Jobs. Die Betroffenen fühlen sich erschöpft und leer ("emotional exhaustion").

2. Betroffene haben das Gefühl, dass ihre Arbeitsleistung ("personal accomplishment") nicht stimmt.

3. Typisch ist außerdem ein ungeheurer Zynismus gegenüber der eigenen Arbeit sowie den Mitarbeitern wie auch eine Ablehnung des Kunden ("Depersonalisation").


Werden Sie ein Fachmann, wenn es darum geht, zu vermeiden. sich ausgebrannt zu fühlen und was Chefs lernen können

1. Normalerweise braucht der Prozess mehrere Jahre bis sich ein Burnout-Syndrom entwickelt. Entscheidend: In den Jahren hat sich sehr viel Frust angesammelt und der Betroffene hat wenig Wertschätzung erfahren. Das zermürbt. Denn was wirklich zählt, ist die persönliche Anerkennung. Gehalt dagegen ist eine Art Schmerzensgeld für die nötige Resistenz, mit der Situation umzugehen – das gehört dazu.

2. Nicht jeder, der sich erschöpft fühlt, leidet unter einem Burnout- Syndrom. Neben der emotionalen Erschöpfung kommt meist ein chronisches Gefühl der Vergeblichkeit des eigenen Handelns hinzu.

3. Eine dritte Komponente ist, dass die Betroffenen einen Widerwillen gegenüber denen entwickeln, für die sie beruflich tätig sind.

Was sollten Sie tun, um einem Burnout-Syndrom vorzubeugen?

Eine kluge Maßnahme zur Prävention lautet: Wer im Beruf gesund bleiben will, muss die Balance zwischen Arbeit und Leben beachten. Wichtig ist, das Privatleben zu schützen. Persönliche Beziehungen sind eine entscheidende Kraftquelle.
Sport ist ein weiterer Schutz gegen Burnout: die meisten Tätigkeiten sind heute verkopft. Der Mensch ist biologisch aber für Bewegung gemacht.

Last not least, man sollte jeder Form von einseitiger Belastung entgegenwirken.


Wie sollten Sie sich als Chef den Mitarbeitern gegenüber verhalten?

Chefs sollten neben der Sachebene vor allem lernen, auf die Beziehungsebene zu achten! Zu oft wird nur mit Druck geführt, Wertschätzung bleibt auf der Strecke. Um psycho- „logisch“ zu handeln, müssen Sie nicht notwendigerweise Psychologe sein.

Dr. med. Wolfgang Woynar
Facharzt für Allgemeinmedizin
www.hausarzt-bremerhaven.de