Liebe Leserinnen und liebe Leser,

wenn Katzen Mäuse jagen, dann haben beide Stress. Der entscheidende Unterschied: die Katzen haben offensichtlich Spaß dabei. Für die Maus dagegen geht es ums nackte Überleben. Allein die Flucht sichert das Dasein. Keine Zeit für Angst oder Nachdenken. DI- Stress pur.
DISTRESS ist der "böse Bruder" des "gesunden" EUSTRESS.

Stress im Übermaß beeinträchtigt langfristig Wohlbefinden, Leistungsfähigkeit und Lebensfreude und bringt Gesundheitsrisiken mit sich. Die körperlichen und seelischen Warnsignale sind Ihnen vertraut: trockener Mund, kalter Schweiß, Muskelanspannung, erhöhter Herzschlag. Bestätigt ist der Zusammenhang zwischen zu viel Stress über lange Zeit mit Kopfschmerzen, Hautproblemen, geschwächtem Immunsystem, Rückenschmerzen, Herz-Kreis-Erkrankung/ Bluthochdruck, Magen- und Darmbeschwerden und Potenzstörungen.

Stress im Übermaß schlägt sich ebenso im Verhalten von Menschen nieder:
1. Die Leistungsfähigkeit sinkt: zunehmende Gereiztheit, Aggressivität und starres Denken und Handeln, sowie Abnahme der Kreativität.
2. Die Erholungsmöglichkeit nimmt ab: Rückzug aus sozialen Beziehungen und Freizeitaktivitäten.
3. Das Krankheitsrisiko steigt: unregelmäßiges Essen, wenig Bewegung, Rauchen und „Pseudo -Entspannung" durch Alkohol und Medikamente.

Zwar werden wir heute nicht mehr von wilden Tieren angegriffen, dafür bedroht Stress immer häufiger unser inneres Gleichgewicht und Selbstvertrauen. Di-Stress ist ein langsam wirkendes Gift! Ob etwas Gift oder Heilmittel ist, bestimmt allein die Dosis!

Wie unterschiedlich die Stressoren auch sind – biochemisch läuft die Reaktion immer gleich ab. Die Hormone Adrenalin und Noradrenalin werden vermehrt freigesetzt. Im Blut entfalten sie eine Peitschenwirkung auf Herz und Kreislauf, Atmung und Stoffwechsel. In Stress-Situationen, wie bei starkem Lampen-Fieber, läuft die Hormon-Produktion auf Hochtouren. Genau hier liegt die Erklärung für mögliche Blackouts in Job und Privat-Leben.
Treiben Sie kein Schindluder mit Ihren Kräften!
Wenn Sie ständig gestresst sind, ungeduldig, reizbar, wenn Sie sich erschöpft oder deprimiert fühlen, dann ist das ein Zeichen dafür, dass Sie Ihre Kräfte über Gebühr strapaziert haben.
Dann ist es höchste Zeit, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um eine Untergrabung Ihrer Gesundheit zu verhindern.
Wenn Ihre bisherigen „Stress-Bewältigungs-Maßnahmen“ aus Konsum von Medikamenten, Alkohol oder Zigaretten bestehen, dann sollten Sie diese ehrlicherweise als Schein-Lösungen entlarven!

Wie erkennen Sie Ihr Stress-Symptom?
Wer weiß, wie er „tickt“, erkennt eher seine Stress-Indikatoren. Ein Beispiel: „Zu müde, um zu arbeiten, zu angespannt, um auszuruhen“.

Wie können Sie dem Stress entkommen?
• Kampf den Zeitdieben! Lernen zu delegieren! - Der meiste Stress ist hausgemacht!
• Eine wichtige Erkenntnis: Sport baut auch u.a. Stress und Ärger ab. Er erfüllt die Funktion, „Dampf abzulassen“! Es lebe der Sport: 1. Entspannung 2. Bewegung 3. Muskel-Training. Diese Reihenfolge einzuhalten ist wichtig.

Wenn Sie mehr über Stress und Kränkungen anderer Art wie Burnout, Mobbing, Bossing (Schikane von oben) oder auch Stalking erfahren wollen, sprechen Sie den Arzt Ihres Vertrauens an. Denn: einen Artikel über Stress zu lesen ist vergleichsweise einfach. Schon schwieriger wird es, das eigene Verhalten zu ändern. Willkommen im Druck!

Für Ihre Gesundheit alles Gute
wünscht Ihnen Ihr
Wolfgang Woynar

Herzlichst Ihr Wolfgang Woynar

Burnout muss nicht sein!

Burnout heißt soviel wie "ausgebrannt sein".

Stressbedingte Gesundheitsstörungen wie psychosomatische Beschwerden oder Depressionen sind in Deutschland die Nummer eins unter den Krankheitsgründen. Burnout hat einen klaren Bezug zur Arbeitswelt. Die Arbeits- und Organisationsgestaltung beeinflusst im Wesentlichen das Krankheitsgeschehen. Erfahrungen aus der ärztlichen Praxis zeigen, dass Burnout stark durch störende Arbeitssituationen gefördert wird. Dem gilt es mit geeigneten Mitteln zu begegnen.

1. Die Betroffenen fühlen sich erschöpft und leer. Ein Burnout- Syndrom ist ein Prozess von mehreren Jahren. Entscheidend dabei ist, dass sich sehr viel Frust in den Jahren angesammelt und der betroffene wenig Wertschätzung erfahren hat. Das zermürbt. Denn was wirklich zählt, ist die persönliche Anerkennung. Das Gehalt allein wird als eine Art Schmerzensgeld empfunden.

2. Betroffene haben das Gefühl, dass ihre Arbeitsleistung nicht stimmt. Aber nicht jeder, der sich erschöpft fühlt, leidet unter einem Burnout- Syndrom. Neben der emotionalen Erschöpfung kommt meist ein chronisches Gefühl der Vergeblichkeit des eigenen Handelns hinzu.

3. Das Erleben von emotionaler Erschöpfung und reduzierter Leistungsfähigkeit erzeugt ein immer unpassenderes (Sozial-)Verhalten beim Betroffenen. Der Kontakt mit Kollegen und Kunden wird zunehmend stärker als Strapaze erlebt. Der Ausgebrannte entwickelt einen Widerwillen gegen all jene, für die er beruflich tätig ist. Kennzeichnend ist ein zunehmender Zynismus gegenüber der eigenen Arbeit, den Mitarbeitern, wie auch dem Kunden. Das Sozialklima ist für alle Beteiligten beeinträchtigt - mit negativen Folgen für Zusammenarbeit und Leistungsfähigkeit.


Was sollten Sie tun, um einem Burnout- Syndrom vorzubeugen?

Eine kluge Maßnahme zur Prävention lautet: Wer gesund bleiben will, muss die Balance zwischen Beruf und Freizeit beachten. Sinnvolle Freizeitgestaltung ist aktive Investition in Ihre Leistungsfähigkeit und Gesundheit.
Wichtig ist, das eigene Privatleben zu schützen. Persönliche Beziehungen sind eine entscheidende Kraftquelle.
Sport ist ein weitere Schutz gegen Burnout: die meisten Tätigkeiten sind heute „verkopft“. Der Mensch aber ist biologisch für Bewegung gemacht.
Last not least, man sollte jeder Form von einseitiger, monotoner Belastung entgegenwirken.


Wie sollten sich Chefs den Mitarbeitern gegenüber verhalten?

Chefs sollten neben der Sachebene vor allem lernen, auf die Beziehungsebene zu achten! Zu oft wird nur mit Druck geführt, Wertschätzung bleibt auf der Strecke. Um psycho- „logisch“ zu handeln, müssen Sie nicht notwendigerweise Psychologe sein.

Dr. med. Wolfgang Woynar
woynar@hausarzt-bremerhaven.de


Warum sind Ärzte gestresst?


Das Gesundheitswesen profitiert von seinen sehr duldsamen und hochmotivierten Ärzten. In den letzten Jahren ist das Maß an Missachtung des Berufsstandes, des staatlichen Dirigismus, und der Experimente auf dem Rücken von Arzt und Patient unerträglich geworden.
„Gesundheitsexperten“, das sind Ökonomen, die mit dem schützenswerten Gut „Arzt- Patienten-Beziehung“ wenig am Hut haben. Der Arzt als „Dienstleister“ mutiert vom Anwalt des Patienten zum Erfüllungsgehilfen staatlicher Interessen. Er wird zudem verantwortlich gemacht für Defizite der Krankenkassen.

• Ärzte sind nicht mehr frei in ihrer Diagnostik und Therapie. Sie können ihre medizinische Kompetenz nicht mehr voll nutzen: als Spezialisten für Kranke und Berater für Gesunde - ohne Kompromisse eingehen zu müssen. Ihr Arzt als unabhängiger Berater in Gesundheitsfragen muss Ihnen jederzeit gezielt das empfehlen dürfen, was Ihrer Gesundheit hilft. Von der Vorsorge bis zur Nachsorge.

• Engagierte Ärzte verdienen mehr Anerkennung durch ein attraktiveres Vergütungssystem. Wir haben viele gute Ärzte. Sie sollten ein Einkommen verdienen, das Ihre ganze Leistung honoriert.

• Ärzte verdienen bessere Möglichkeiten zur gezielten Weiterbildung. Damit ihr Wissen und Können jederzeit auf dem Laufenden bleibt und Sie der Entwicklung auf dem Gesundheitsmarkt immer einen Schritt voraus sind.

• Ärzte verdienen mehr aktive Unterstützung statt bremsender Strukturen. Damit Sie sich ganz auf Ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren können. Der Spitzenplatz beim Image allein reicht nicht. Was fehlt, ist die Unterstützung durch Politik und veröffentlichte Meinung - eine Atmosphäre, die ärztlichen Beratungszielen und den Menschen zugute kommt.

Der Umgang mit bestimmten Berufsgruppen ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft.



Dr. med. Wolfgang Woynar
FA Allgemeinmedizin
woynar@hausarzt-bremerhaven.de


Warum sind Lehrer so gestresst?


Na klar: Der Arbeitsbelastungen sind größer geworden. Frühpensionierungen sind keine Einzelfälle. Stress im Schulalltag gefährdet die Gesundheit. Lehrern bleibt während der Unterrichtsphasen zu wenig Zeit, um neue Kräfte zu sammeln, trotz langer Schulferien.

Was aber sind die spezifischen Probleme des Lehrerberufs?
Volle geistige und körperliche Präsenz im Unterricht ist erforderlich, damit der Unterricht bei den Schülern „ankommt“. Zusätzlich muss der Unterricht vor- und nachbereitet und entsprechende Arbeitsmaterialien erstellt werden. Dazu kommen Elternarbeit, Telefonate, die Zusammenarbeit mit Sozialdiensten. Der Umgang mit schwierigen Kindern, die Auseinandersetzung mit Problemfamilien, mangelnde Disziplin und verhaltensauffällige Schüler sind weitere Problembereiche.
Nicht immer sind die Familienstrukturen intakt. Die Kinder wachsen mit weniger Naturerfahrungen auf. Wichtiger sind ihnen Erfahrungen aus zweiter Hand, wie Fernsehen, Videos und Computer.
Der Beruf ist schwieriger geworden – auch hinsichtlich der Anforderungen an den Schuldienst: zu viele Schüler in zu kleinen Räumen, mangelnde Sprach- und Sozialkompetenz bei Kindern, Bürokratie, Ganztagsschulen und vieles mehr.
Denn manch fachlich guter Lehrer hält die Belastung nervlich nicht mehr aus. Einige können die notwenige Souveränität nicht mehr aufbringen, die erforderlich ist, wenn man vor einer Klasse steht, die ihn persönlich herausfordert – oder auch persönlich angreift, wie zum Beispiel durch Flegeleien und Verbalaggressionen. In solchen Situationen müssen Lehrer es schaffen, sich innerlich zu distanzieren und zugleich müssen sie sich die Zuneigung der Schüler erhalten und sie ernst nehmen. Diesen Spagat schafft keiner, der psychisch angeknackst ist. Stress manifestiert sich dann sowohl in körperlichen und psychischen Leiden. Deshalb beklagen in der Arztpraxis viele Lehrer psychosomatische Störungen.
In meiner ärztlichen Praxis äußern Lehrer, dass diese Bedingungen und ein festzustellender Aktionismus seitens der zuständigen Behörde immensen Druck verursachen. Und dass ihnen die Unterstützung fehlt. Sie fühlen sich allein gelassen. Sie benötigen dringend Unterstützung der Eltern im Erziehungs- und Bildungsprozess der Kinder und Jugendlichen. Aber bei vielen Eltern finden Lehrer kaum Unterstützung. Sie sehen Lehrer als reine „Dienstleister“ an und kümmern sich zu wenig um die schulischen Belange ihrer Kinder.

Lehrer allein können die gesellschaftlichen Ansprüche, die an die „Schule“ gestellt werden, ohne deren aktive Mithilfe nicht erfüllen. Nachteilig ist es zudem, dass der Lehrerberuf in der Öffentlichkeit nur geringe Wertschätzung erfährt. Das sind nur einige der Gründe für das vorzeitige „Ausbrennen“ der Pädagogen.
Es lohnt sich, darüber nachzudenken, die Arbeitsbedingungen der Lehrer so zu verbessern, dass sie guten Unterricht gestalten können. Das ist auch zum Vorteil der Schüler.

 

Dr. med. Wolfgang Woynar
www.hausarzt-bremerhaven.de


Stress im Betrieb

Stress und „keine Zeit haben“ ist kein Qualitätsmerkmal. Stress ist oft nur schlechter Umgang mit unseren Möglichkeiten. Die spannende Frage lautet: wie bewältige ich meinen Stress im Betrieb? Arbeite ICH, oder werde ich gearbeitet?

Am stärksten betroffen sind Menschen der mittleren Führungsebene. Sie haben die „Sandwich-Position“, das heißt: sie haben den Druck ihrer Vorgesetzten auszuhalten und gleichzeitig die Erwartungen ihrer „Kunden“ und Kollegen zu erfüllen.

Untersuchungen haben gezeigt, je mehr Entscheidungsfreiheit und Handlungsspielraum eine Tätigkeit gewährt, desto weniger fühlt sich der Mitarbeiter gestresst. Das Gefühl, „eingezwängt“ zu sein, die Angst, „Fehler zu machen“, steigt dort, wo monotone Arbeit verrichtet wird. Eine Tätigkeit sollte eher „sinnvoll und dynamisch“ sein. Der Mensch braucht das Gefühl, „eingebunden, wichtig und unentbehrlich“ zu sein.

Häufigste Stressfaktoren sind widersprüchliche Arbeitsaufgaben, wenig Transparenz, Schichtarbeit, unübersichtliche Arbeitsorganisation sowie geringe Möglichkeiten zur Kommunikation „zwischen den Ebenen“.

Die Psyche reagiere auf die Überforderung mit typischen Warnsignalen: Probleme beim „Abschalten“/ Entspannen, leichte Reizbarkeit, Antriebsschwäche oder Motivationsprobleme.

Auf körperlicher Ebene macht sich Stress mit Schlafstörungen, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Problemen, Kopf- und Rückenschmerzen, nächtlichem Zähneknirschen und chronischer Immunschwäche bemerkbar.

Doch Stress ist nicht immer des Teufels. Stress kann auch eine Art Motor sein. Ein gewisser Druck spornt an und beflügelt. Adrenalin wirkt wie ein positiver Energiestoß. Dieser ermöglicht uns, Arbeitskraft in konstruktive Kreativität umzuwandeln. Übertriebener Aktivismus und explosive Hektik dagegen machen krank.

Warum aber gehen viele Menschen mit ihren persönlichen Ressourcen so nachlässig um? Warum lassen sich viele Menschen so schnell unter Druck setzen? Ein Beispiel: vor einem schwierigen Gespräch oder einer Verhandlung denken wir oft nur an das Risiko, den ungewissen Ausgang. Wir verschwenden Energie durch unser Grübeln. Besser ist es, die Energie in die Bewältigung der Gegenwart zu investieren.

Wir alle können nur in der Gegenwart handeln. Und wie können Sie Ihr Verhalten ändern?

Zuerst sollten Sie die eigenen Ressourcen analysieren: Was kann ich wirklich gut? Schätze ich die Anforderungen richtig ein? Habe ich die geforderten Voraussetzungen? So wie ein Betrieb seine Abläufe kontrolliert, sollten Sie das gelegentlich auch bei sich selbst tun. So kommen wir zu dem Schluss: „Ich kann diese Anforderung bewältigen, wenn ich mein Bestes zulasse.“ Wir besinnen uns auf die eigenen Stärken.

Viele haben jedoch die Tendenz, sich selbst unter Druck schlecht zu reden. Dazu kommt gelegentlich der Anspruch, alles perfekt machen zu wollen oder sich zu viele und zu hohe Ziele zu setzen.

Bei Stress im Berufsleben werden oft die äußeren Umstände verantwortlich gemacht. Doch diese bestimmen unser Handeln nicht letztlich, sondern unsere Sicht auf sie. Stress entsteht immer in Ihrem Kopf.

Was ist zu tun? Schwierige Situationen sollten Sie zuvor entspannt „mental“ einüben - eine „geistige Trockenübung“. Im Beruf wie im Privaten. Das fällt vielen Menschen schwer.
Stress entsteht immer im Kopf. Gewohnheiten schleifen sich über die Jahre ein. Bekanntlich sind sie zäh, sie lassen sich nicht so schnell ändern. Aber man kann sie durch angemessene und zweckmäßige Gewohnheiten ersetzen. Das aber setzt Training voraus.

STRESS - Mobbing, Bossing, Burnout, Stalking - gemeinsam liegt allem die tiefe, ätzende „Kränkung“ des Einzelnen als Ursache zugrunde. So kann der Mensch zum Engpassfaktor im Betrieb werden.
Erfolg aber entsteht aber bekanntlich durch leistungsfähige und leistungswillige, kompetente Mitarbeiter. Denn: Arbeitsleben bedeutet „in Beziehungen leben“! Grabenkriege behindern qualifizierte Arbeit.

Dr. med. Wolfgang Woynar
www.hausarzt-bremerhaven.de