Liebe Leserinnen und liebe Leser,

es klingelt, blinkt und piept an jeder Ecke. Mobiltelefon, Computer, E-Mail und Fax machen es möglich: der Mensch von heute ist – fast – immer erreichbar. Stressoren dringen in alle unsere Lebensbereiche ein. Stress im Übermaß beeinträchtigt nachweislich langfristig Leistungsfähigkeit und Lebensfreude und fördert Gesundheitsrisiken.

Wenn es wieder einmal hektisch zugeht, eine explosive Mischung aus Zeitmangel, Nervosität und Enge, haben Sie sich dann schon einmal die Frage gestellt: "Werde ich gearbeitet oder arbeite ICH?" – Formal haben Sie folgende Alternativen: entweder beherrscht Stress SIE oder SIE bewältigen Ihren Stress. Folgerichtig ergeben sich zwei Fragen. Erstens: "Wie kann ich mich selbst und meine Arbeit besser organisieren?" Zweitens: "Welche Spielregeln sollen gelten: meine eigenen oder ausschließlich die Spielregeln der Anderen?

Einschneidende Lebensereignisse, wie etwa Scheidung, Krankheit oder der Tod des geliebten Lebenspartners, erzeugen gesundheitsgefährdenden Stress. Aber auch Ferien und Freizeit –sogar das Weihnachtsfest, lösen heutzutage vielfach Stress aus.

Die Warnsignale von Stress – seelische und körperliche - sind Ihnen vertraut, wie etwa trockener Mund, kalter Schweiß, Muskelanspannung, erhöhter Herzschlag. Wissenschaftlich bestätigt ist der Zusammenhang zwischen zu viel Stress über lange Dauer mit Krankheiten wie Kopfschmerzen, Hautproblemen, geschwächtem Immunsystem, Rückenschmerzen, Herz-Kreis-Erkrankung/ Bluthochdruck, Magen- und Darmbeschwerden und Potenzstörungen.

Stress im Übermaß schlägt sich auch im Verhalten der Menschen nieder:
Erstens nimmt die Leistungsfähigkeit ab. Die Gründe hierfür sind zunehmende Gereiztheit und Aggressivität, rigides Denken und Handeln, sowie Abnahme der Kreativität.
Zweitens nimmt die Erholungsmöglichkeit ab. Wir ziehen uns aus sozialen Beziehungen zurück und unternehmen weniger Freizeitaktivitäten.
Drittens nimmt das Gesundheitsrisiko zu. Wir essen unregelmäßig und häufig zu viel, wir bewegen uns weniger, rauchen mehr und suchen häufiger "Entspannung" durch Alkohol und Medikamente mit den bekannten Folgen.

DISTRESS ist der "böse Bruder" des "gesunden" EUSTRESS.
Wie unterschiedlich die Stressoren auch seien mögen - biochemisch läuft die Stressreaktion immer gleich ab. Jede intensive Beanspruchung führt zur Mobilisation von Stresshormonen. Es handelt sich vornehmlich um Adrenalin und Noradrenalin, sogenannte Katecholamine, die teilweise aus dem Nebennierenmark, teilweise an Nervenendigungen freigesetzt werden. Steigt ihre Menge im Blut an, entfalten sie eine Peitschenwirkung auf Herz, Kreislauf, Atmung und Stoffwechsel. Sprunghaft steigt der Sauerstoffbedarf in dem entsprechenden Gewebe an. Liegt aber gerade dort ein „Engpass“ vor, zum Beispiel eine Verengung des arteriellen Blutgefäßes, kann hierdurch allein ein Missverhältnis zwischen Sauerstoff- "Bedarf" und Sauerstoff- "Angebot" in dem betreffenden Gewebe eintreten.
Das sind die Ursachen von Herzinfarkt und Hirninfarkt!

Stress in unserer Zeit bedroht zwar seltener unser kostbares Leben direkt, dafür aber immer häufiger unser inneres Gleichgewicht, Selbstvertrauen und nicht zuletzt unsere Leistungsfähigkeit. Die Folge: der Körper läuft ständig auf Hochtouren, die Anspannung schaukelt sich hoch und irgendwann ist die Energie erschöpft. So gesehen können Krankheit oder Beschwerden schon einmal eine "Notfall-Reaktion" des Körpers sein, wenn die Reserven erschöpft sind.
Sport und Bewegung dagegen entspannen körperlich und psychisch. Ein Teil der angestauten Energie lässt sich durch Joggen, Wandern, Schwimmen oder Ballspiele abbauen. Fitness erhöht erwiesenermaßen die Stresstoleranz.
Besser als die sofort wirksamen Antistressmittel mit negativen Langzeitfolgen, wie zum Beispiel Beruhigungsmedikamente und Schlaftabletten, Alkohol und Tabak, Kaffee und Schokolade, sind aktive Entspannung und körperliche Betätigung.

Wünschenswert ist die bewusste Suche nach einer effektiven, gesundheitsfördernden Bewältigung von Stress und damit verbunden die Neubewertung der eigenen Lebenssituation.
Sinnvolle Freizeitgestaltung - das sei ausdrücklich betont - ist eine aktive Investition in unsere Leistungsfähigkeit und Gesundheit.

Negative Gedanken erschweren das Leben. Wie etwa Selbstvorwürfe ("Das ist wieder mal typisch für mich, das kann nur mir passieren"), Angst vor der Kritik anderer, Schwarzmalerei und Hilflosigkeit ("Das geht bestimmt schief"), Angst vor körperlichen Beschwerden und Selbstüberforderung ("Mir dürfen keine Fehler unterlaufen")

Positiv denken dagegen erleichtert und beflügelt: "Ich weiß, dass ich es kann", "auch Kritik kann mir nützen", "Ärger lohnt sich nicht", "ich stelle ich mir den Prüfer jetzt nackt vor", "die anderen kochen auch nur mit Wasser - ich kenne den Siedepunkt!"

Bitte bleiben Sie ehrlich gegenüber sich selbst! Überprüfen Sie sich kritisch!

Obwohl die Vorteile der gesunden Lebensführung auf der Hand liegen, reichen Informationen darüber allein nicht aus. Das eigene Verhalten zu ändern bleibt immer eine schwierige Aufgabe, denn schließlich sollen Verhaltensweisen geändert werden, die in den gesamten Lebensstil integriert sind. Zudem erfordert Verhaltensänderung "Selbstkontrolle". Diese Selbstkontrolle bedeutet: Kurzfristig auf Angenehmes zu verzichten, Unangenehmes in Kauf zu nehmen, um langfristig Positives zu erreichen.

Für Ihre Gesundheit alles Gute wünscht Ihnen
Ihr Wolfgang Woynar

Herzlichst Ihr Wolfgang Woynar


Warum sind Ärzte gestresst?

Unser Gesundheitssystem scheint zur Zeit zwar finanzierbar gestaltet, doch die Erkenntnis setzt sich durch, dass nicht allen Menschen und in allen Fällen so geholfen wird, wie wir es in der Vergangenheit gewohnt waren. Das gilt für Patienten und behandelnde Ärzte gleichermaßen. Das Sagen haben heute „Gesundheitsexperten“. Das sind heute Ökonomen, die mit dem schützenswerten Gut „Arzt- Patienten-Beziehung“ wenig am Hut haben. Der Arzt mutiert vom Anwalt seines Patienten zum Erfüllungsgehilfen – „Büttel“ - staatlicher Interessen. Er wird verantwortlich gemacht für Defizite der Krankenkassen.

• Ärzte verdienen, frei zu sein in ihrer Diagnostik und Therapie.
Sie sollten ihre medizinische Kompetenz voll nutzen können: als Spezialisten für Kranke und Berater für Gesunde - ohne Kompromisse. Von der Vorsorge bis zur Nachsorge.
Ihr Arzt als unabhängiger Berater in Gesundheitsfragen muss Ihnen jederzeit gezielt das empfehlen dürfen, was Ihrer Gesundheit hilft.

• Ärzte verdienen mehr Anerkennung durch ein attraktives Vergütungssystem. Wir haben viele gute Ärzte. Sie sollten ein Einkommen verdienen, das Ihre ganze Leistung honoriert.

• Ärzte verdienen bessere Möglichkeiten zur gezielten Weiterbildung. Damit ihr Wissen und Können jederzeit auf dem Laufenden bleibt und Sie der Entwicklung auf dem Gesundheitsmarkt immer einen Schritt voraus sind.

• Ärzte verdienen mehr aktive Unterstützung statt bremsender Strukturen. Damit Sie sich ganz auf Ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren können. Der Spitzenplatz beim Image allein reicht nicht. Was fehlt, ist die Unterstützung durch Politik und veröffentlichte Meinung - eine Atmosphäre, die ärztlichen Beratungszielen und den Menschen zugute kommt.

Der Umgang mit bestimmten Berufsgruppen wie etwa Ärzten und Lehrern ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft.

 

Dr. med. Wolfgang Woynar
www.hausarzt-bremerhaven.de
www.nordsee-zeitung.de


Warum sind Lehrer so gestresst?

Na klar: Der Arbeitsbelastungen sind größer geworden. Frühpensionierungen sind keine Einzelfälle. Stress im Schulalltag gefährdet die Gesundheit. Lehrern bleibt während der Unterrichtsphasen zu wenig Zeit, um neue Kräfte zu sammeln, trotz langer Schulferien.

Was aber sind die spezifischen Probleme des Lehrerberufs?
Volle geistige und körperliche Präsenz im Unterricht ist erforderlich, damit der Unterricht bei den Schülern „ankommt“. Zusätzlich muss der Unterricht vor- und nachbereitet und entsprechende Arbeitsmaterialien erstellt werden. Dazu kommen Elternarbeit, Telefonate, die Zusammenarbeit mit Sozialdiensten. Der Umgang mit schwierigen Kindern, die Auseinandersetzung mit Problemfamilien, mangelnde Disziplin und verhaltensauffällige Schüler sind weitere Problembereiche.

Nicht immer sind die Familienstrukturen intakt. Die Kinder wachsen mit weniger Naturerfahrungen auf. Wichtiger sind ihnen Erfahrungen aus zweiter Hand, wie Fernsehen, Videos und Computer.

Der Beruf ist schwieriger geworden – auch hinsichtlich der Anforderungen an den Schuldienst: zu viele Schüler in zu kleinen Räumen, mangelnde Sprach- und Sozialkompetenz bei Kindern, Bürokratie, Ganztagsschulen und vieles mehr.

Denn manch fachlich guter Lehrer hält die Belastung nervlich nicht mehr aus. Einige können die notwenige Souveränität nicht mehr aufbringen, die erforderlich ist, wenn man vor einer Klasse steht, die ihn persönlich herausfordert – oder auch persönlich angreift, wie zum Beispiel durch Flegeleien und Verbalaggressionen. In solchen Situationen müssen Lehrer es schaffen, sich innerlich zu distanzieren und zugleich müssen sie sich die Zuneigung der Schüler erhalten und sie ernst nehmen. Diesen Spagat schafft keiner, der psychisch angeknackst ist. Stress manifestiert sich dann sowohl in körperlichen und psychischen Leiden. Deshalb beklagen in der Arztpraxis viele Lehrer psychosomatische Störungen.

In meiner ärztlichen Praxis äußern Lehrer, dass diese Bedingungen und ein festzustellender Aktionismus seitens der zuständigen Behörde immensen Druck verursachen. Und dass ihnen die Unterstützung fehlt. Sie fühlen sich allein gelassen. Sie benötigen dringend Unterstützung der Eltern im Erziehungs- und Bildungsprozess der Kinder und Jugendlichen. Aber bei vielen Eltern finden Lehrer kaum Unterstützung. Sie sehen Lehrer als reine „Dienstleister“ an und kümmern sich zu wenig um die schulischen Belange ihrer Kinder.
Lehrer allein können die gesellschaftlichen Ansprüche, die an die „Schule“ gestellt werden, ohne deren aktive Mithilfe nicht erfüllen. Nachteilig ist es zudem, dass der Lehrerberuf in der Öffentlichkeit nur geringe Wertschätzung erfährt. Das sind nur einige der Gründe für das vorzeitige „Ausbrennen“ der Pädagogen.

Es lohnt sich, darüber nachzudenken, die Arbeitsbedingungen der Lehrer so zu verbessern, dass sie guten Unterricht gestalten können. Das ist auch zum Vorteil der Schüler.

Dr. med. Wolfgang Woynar
Arzt für Allgemeinmedizin
woynar@hausarzt-bremerhaven.de


Stress im Betrieb


„Gestresst zu sein“ ist irgendwie „in“. Stress gilt geradezu als Statuszeichen, mit dem man demonstrativ umgeht. Doch Stress und niemals „Zeit haben“ ist kein Qualitätsmerkmal. Stress ist oft nur schlechter Umgang mit unseren Möglichkeiten.

Jeder kennt das Phänomen aus eigenem Erleben. Die spannende Frage lautet: wie bewältige ich meinen Stress im Betrieb?
Das Klischee vom überarbeiteten Manager ist teilweise überholt. Am häufigsten betroffen sind Arbeiter und Angestellte der mittleren Führungsebene. Sie haben die „Sandwich-Position“, das heißt: sie haben den Druck ihrer Vorgesetzten auszuhalten und gleichzeitig die Erwartungen ihrer „Kunden“ und Mitarbeiter zu erfüllen.

Untersuchungen haben gezeigt, je mehr Entscheidungsfreiheit und Handlungsspielraum eine Tätigkeit gewährt, desto weniger fühlt sich der Mitarbeiter gestresst. Das Gefühl, „eingezwängt“ zu sein, die Angst, „Fehler zu machen“, steigt dort, wo monotone Arbeit verrichtet wird. Eine Tätigkeit sollte eher „sinnvoll und dynamisch“ sein. Der Angestellte benötigt das Gefühl, „eingebunden, wichtig und unentbehrlich“ zu sein.
Häufigste Stressfaktoren sind widersprüchliche Arbeitsaufgaben, wenig Transparenz, Schichtarbeit, unübersichtliche Arbeitsorganisation sowie geringe Möglichkeiten zur Kommunikation „zwischen den Ebenen“. Die Psyche reagiere auf die Überforderung mit typischen Warnsignalen: Probleme beim „Abschalten“/ Entspannen, leichte Reizbarkeit, Antriebsschwäche oder Motivationsprobleme. Auf körperlicher Ebene macht sich Stress mit Schlafstörungen, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Problemen, Kopf- und Rückenschmerzen, nächtlichem Zähneknirschen und chronischer Immunschwäche bemerkbar.

Doch Stress ist nicht nur des Teufels. „Wer rastet, rostet. Wir brauchen Stress“. Stress kann auch eine Art Motor sein. Ein gewisser Druck befähigt uns, aktiv zu werden, spornt an und beflügelt. Adrenalin wirkt wie ein positiver Energiestoß. Dieser ermöglicht uns, Arbeitskraft in konstruktive Kreativität umzuwandeln. Übertriebener Aktivismus und explosive Hektik dagegen machen krank.

Warum aber gehen viele Menschen mit ihren persönlichen Ressourcen so nachlässig um?
Warum lassen sich viele Menschen so schnell unter Druck setzen?

Sie trainieren den richtigen Umgang mit Belastung und Stress nicht richtig. Sie gehen unreflektiert und unzweckmäßig mit ihren Möglichkeiten um – und bemerken häufig zu spät, wenn sie in ihren persönlichen Grenzbereich kommen. Die Stress-Spirale beginnt zu wirken: zunächst schätzen wir eine Situation als bedrohlich für uns und unsere Existenz ein.

Ein Beispiel: vor einem schwierigen Gespräch oder einer Verhandlung denken wir oft nur noch an das Risiko, den ungewissen Ausgang. Wir verschwenden Energie durch unser Grübeln über Zukünftiges. Besser ist es, die Energie in die Bewältigung der Gegenwart zu investieren.
Wir alle können nur in der Gegenwart handeln.

Und wie kann man dieses Verhalten ändern?

Zuerst sollte man die eigenen Ressourcen analysieren:
Was kann ich wirklich gut? Schätze ich die Anforderungen richtig ein? Habe ich die geforderten Voraussetzungen? So wie ein Betrieb seine Abläufe kontrolliert, sollte man das gelegentlich auch bei sich selbst tun. So kommen wir zu dem Schluss: „Ich kann diese Anforderung bewältigen, wenn ich mein Bestes zulasse.“ Wir besinnen uns auf die eigenen Stärken.

Viele haben jedoch die Tendenz, sich selbst unter Druck schlecht zu reden. Dazu kommt gelegentlich der Anspruch, alles perfekt machen zu wollen oder sich zu viele und zu hohe Ziele zu setzen.

Bei Stress im Berufsleben werden oft die äußeren Umstände verantwortlich gemacht. Doch die bestimmen unser Handeln nicht letztlich, sondern unsere Sicht auf sie. Stress entsteht immer im Kopf.

Was ist dagegen zu tun? Schwierige Situationen entspannt zuvor „mental“ einüben: eine geistige Trockenübung.
Im Beruf wie im Privaten. Das fällt vielen Menschen schwer.

Stress entsteht immer im Kopf. Gewohnheiten schleifen sich über die Jahre ein. Bekanntlich sind sie zäh, sie lassen sich nicht so schnell ändern. Aber man kann sie durch angemessene und zweckmäßige Gewohnheiten ersetzen. Das aber setzt Training voraus.
Natürlich unternehmen Betriebe etwas gegen Stress, allerdings wird auch ziemlich viel Blödsinn gemacht. „Erfolgs-Gurus“ oder einseitige Motivationskurse erzielen, wenn überhaupt, nur kurzfristige Wirkungen. Gegen den Verdruss im Job müssen positive Ansätze dagegen gestellt werden. Vorgesetzte sollen öfter loben und weniger Druck ausüben. Tätigkeiten sollen reizvoller und „sinnhaltiger“ werden, betriebliche Abläufe mehr Raum für eigene Entscheidungen, Ideen und selbstständige Arbeitsschritte lassen.


Dr. med. Wolfgang Woynar
Arzt für Allgemeinmedizin
www.hausarzt-bremerhaven.de


Herzlichst Ihr Wolfgang Woynar