Liebe Leserinnen und liebe Leser,

Der Spruch „Der Fisch stinkt vom Kopf her“ meint beispielsweise, dass „Eliten“, führende Köpfe unseres Gemeinwesens, Verantwortung tragen, der sie nicht immer gerecht werden können.

Denn allzu häufig irren sie entsprechend ihren Regeln. Das mag daran liegen, dass manch einer sich ausschließlich über Besitz definiert. Die permanente Suche nach Anerkennung wird weniger dadurch bestimmt, was man für andere tut, sondern mehr dadurch, was man für sich persönlich ergattern kann. Unrechtsbewusstsein wird ausgeblendet.
Hinzu mag ein gewisses Maß an Selbstüberschätzung kommen nach dem Motto: „Das bin ich wert“, „Das steht mir zu“. Integrität und Ehrlichkeit bleiben so auf der Strecke und damit moralische Instanzen und Vorbilder jenseits von Glanz und Gloria. Bezogen auf unser Gesundheitswesen fällt mir Einiges dazu ein. Nur soviel: starrsinnige Rechthaberei und unsoziales Nutzen der Solidargemeinschaft
sind Gift für unser Gemeinwesen. Wir alle sollten Sorgen dafür tragen, dass unser solidarisches Gesundheitswesen nicht zur bloßen Gesundheitswirtschaft verkommt.

Ich fühle mich „munter wie ein Fisch im Wasser“

Dieser Spruch passt freilich gut zum Thema des heutigen GesundheitsForum: FIT mit FISCH. Nicht umsonst gilt Fisch als Symbol für Fruchtbarkeit, Reinheit und Glück, als Labsal der Liebenden und beliebte Fastensspeise. Dass Seefisch zu den gesündesten Lebensmitteln überhaupt zählt, gehört heutzutage zum Allgemeinwissen. Fisch ist ein Nahrungsmittel für Gesundheitsbewusste: Er liefert hochwertiges, leicht verdauliches Eiweiß, sein Fett ist reich an wertvollen Omega- 3-Fettsäuren, die gut für Herz und Gefäße sind. Seefisch versorgt den Körper zudem mit dem lebenswichtigen Spurenelement Jod, und Vitaminen, sowie vielen Mineralstoffen.
Der Hunger nach Fisch ist in den vergangenen Jahren weltweit immer größer geworden. Jeder Deutsche hat im Jahr 2007 über 16 Kilogramm Fisch verzehrt, so viel wie nie zuvor. Auch weltweit stieg der Durchschnittsverbrauch mit 17 Kilogramm auf einen neuen Rekordwert. Doch Fisch für alle geben die Ozeane längst nicht mehr her.
Allein im Nordostatlantik und in der Ostsee sind 40 der 60 wichtigsten Nutzarten, wie zum Beispiel Kabeljau, Schellfisch und Scholle stark überfischt - den Beständen werden mehr Fische entnommen als nachwachsen können. Die hochtechnisierten, hocheffektiv arbeitenden Fangflotten aus aller Welt lassen den Wildtieren keine Chance und keine Zeit, sich zu regenerieren. Noch bevor sie fortpflanzungsfähig sind, landen viele von ihnen im Netz.
Frühere Konsumfische wie zum Beispiel Rotbarsch, Schellfisch, Dorsch, Heringe (Matjes) und Seelachs werden zur Mangelware. Sogenannte „Edelfische“ werden noch seltener und zu einer teueren Delikatesse, wie zum Beispiel Seezunge, Wildgefangener Steinbutt, Limandes, Weißer Heilbutt. Die großen „Vier“ beim Fischverzehr in Deutschland bleiben der Alaska- Seelachs, sowie Hering, Lachs und Thunfisch. Aquakulturen sollen nun die Schere zwischen der wachsenden Nachfrage und dem sinkenden Angebot schließen. Fast jeder zweite Speisefisch, der in diesen Tagen in Pfanne oder Kochtopf landet, kommt von kommerziell betriebenen Fischfarmen. Die Fischzuchtanlagen sind der am schnellsten wachsende Sektor der Nahrungsmittelindustrie.
Längst geht es nicht nur um Forellen, Lachse oder Aale - über 240 Fischsorten werden inzwischen in Aquakulturen herangezogen. Lachs aus Norwegen, Irland, Schottland; Steinbutt aus Spanien; Dorsch aus Norwegen - Vorreiter in Sachen Fischzucht; Doraden aus Südfrankreich und Griechenland; Pangasius aus Vietnam, Tilapia aus Südostasien, oder der Victoriabarsch aus Afrika. Übrigens: China ist – neben Vietnam – größter Fischzüchter mit 30 Millionen Tonnen pro Jahr. Die Chinesen exportieren jedoch nicht, sondern versorgen ausschließlich ihren eigenen Binnenmarkt.
Am Frankfurter Flughafen „landet“ Fisch aus aller Welt aus der Luft. Die Importe haben einen
Anteil von 85 % am Gesamtaufkommen, die Einfuhren habe somit die größte Bedeutung für die Versorgung des deutschen Marktes. Nur ein geringer Anteil stammt aus der deutschen Hochseefischerei.

Wichtig für uns Verbraucher: selbstverständlich werden alle Fischsorten hinsichtlich der Inhaltsstoffe – Jod, Fettsäuren, aber auch auf Medikamente und sonstige Rückstände, strengsten Kontrollen unterzogen. Zusätzlich sollten wir in Bremerhaven – nicht nur wegen unserer Ambitionen hinsichtlich eines blühenden Tourismus – beherzigen, dass Fischküchen hohen Ansprüchen genügen.
Da unser Wohlbefinden aber nicht allein am Fisch hängt, gebe ich pflichtbewusst einen Rat eines Patienten meiner Praxis weiter. Er fährt täglich mit dem Fahrrad, berichtet er stolz und fügt augenzwinkernd hinzu: „…zum Beispiel zur „Tanke“, um nachzusehen, wann ich mir Autofahren wieder leisten kann“.

Für Ihre Gesundheit alles Gute,
Ihr Wolfgang Woynar

Herzlichst Ihr Wolfgang Woynar


Fisch-Vitamine machen vital und fit

Fit sein, das wollen wir alle – geistige sowie körperliche Leistungsfähigkeit, Frische und Lebensfreude stellen sich aber nicht von selbst ein. Fitness und Wohlbefinden haben viel mit der richtigen Ernährung zu tun. Die Kurzformel stimmt: „Du bist, was Du isst.“ Vitamine stehen dabei im Mittelpunkt. Vitamine sind lebensnotwendig (essentiell). Sie steuern den gesamten Stoffwechsel und damit das Funktionieren unseres Organismus. Vitamine müssen mit der Nahrung zugeführt werden.
Um fit zu werden oder auch zu bleiben, müssen wir bewusst auf vitaminreiche Kost achten. Seefisch und Meeresfrüchte spielen hierbei eine wichtige Rolle.
Eine ausgeglichene, natürliche Kost besteht aus Obst, Gemüse, Milch und Milchprodukten, Fleisch und vor allem Fisch oder Fischerzeugnissen. Zwei Fischmahlzeiten pro Woche sollten laut DGE immer auf Ihrem Speiseplan stehen. Fisch enthält eine Fülle verschiedener wichtiger Vitamine wie kaum ein anderes Nahrungsmittel. Zudem enthält Fisch viele Vitamine so reichlich, dass bereits eine Portion Seefisch Ihren Tagesbedarf deckt. Zudem ist das Fleisch des Fisches so leicht verdaulich, dass seine
lebenswichtigen Inhaltsstoffe vom menschlichen Körper aufgenommen und für die Stoffwechselsteuerung verarbeitet werden können.

Fisch: das leichte Eiweiß

Ernährungswissenschaftler können die belebenden Wirkungen von Fisch heute detailliert nachweisen und erklären. Aber auch schon früher kannten die Menschen die Kraft, die im Fisch steckt: über eine Person, die vor Vitalität strotzte, sagte man, sie sei „munter wie ein Fisch im Wasser“. Gesundheitsbewusste Menschen haben schon längst ihre Ernährung auf „leicht“ umgestellt. Denn immer mehr Menschen arbeiten im Sitzen, am Schreibtisch oder Computer. Sie gebrauchen dabei ihren Kopf mehr als ihre Muskelkraft. Wir benötigen also leichte Proteine die den Geist mobil machen.
Unser Speiseplan sollte deshalb weniger und besseres Fett (Omega-3), Kohlenhydrate für die Energiezufuhr und ganz besonders wertvolle, leicht verdauliche Proteine enthalten. Diese Eiweiße sind Bausteine für unser Gehirn und dessen Informationsspeicher.
Mit ihrer Hilfe verständigen sich die Nervenzellen, aus ihnen bildet unser Körper Schutzsubstanzen gegen Stress. Sie steigern unsere Leistungsfähigkeit.
Fisch enthält alle essentiellen Aminosäuren – das sind die Bausteine der Proteine; und zwar in einer für den Körper besonders leicht verfügbaren Form. Fisch hat einen sehr geringen Bindegewebsanteil, das macht sein Eiweiß so besonders leicht verdaulich. Ohne Umwege gelangt es schnell ins Blut und somit dorthin, wo es gebraucht wird. Deswegen belastet es den Körper nicht, macht nicht müde, sondern gleich wieder fit.
Besonders empfehlenswert ist die Kombination von Gemüse und Fisch. Viele bevorzugen Fisch als wertvolle und leckere Proteinergänzung ihrer Ernährung. Fisch und Gemüse, das ist so ziemlich das Beste an gesunder Qualität, was Sie sich heute gönnen können:
Gemüse macht ruhig und ausgeglichen, Fisch dagegen aktiviert und macht munter. Ein Blick in die Speisekarten der Mittelmeer- Länder zeigt, dass dort viel Gemüse und Fisch gegessen wird. Ob in der südfranzösischen Küche, ob in der italienischen oder der griechischen Küche, überall sind Fisch und frisches Gemüse erste Wahl. Frischer Salat mit Fisch ist ein wahrer Hochgenuss, ganz gleich ob geräuchert, gebraten oder gedünstet. Nichts ist so gut für den Geist wie Fisch und Meeresfrüchte. Und dazu noch medizinisch empfehlenswert: weil es so heilsam ist für Ihr Herz und Ihren Kreislauf.

Fisch macht gute Laune

Essen ist auch Genuss – nicht nur pure Notwendigkeit. „Der Mensch ist, was er isst“ – lautet eine alte Volksweisheit. Das, was wir täglich essen, beeinflusst nicht nur unsere körperliche Fitness und die mentale Leistungsfähigkeit, sondern auch unser emotionales Wohlbefinden.  
Die Zusammenhänge von Ernährung auf unser Verhalten, das seelische Erleben und auf unsere intellektuelle Leistungsfähigkeit sind in den Focus der Forschung gerückt. Vor allem in den Vereinigten Staaten liegt die Erforschung von Zusammenhängen zwischen Essen und guter Laune im Trend. „Mood-Food“ lautet hier das Schlagwort. Als „Gute-Laune-Macher“ kommt dem Seefisch eine besondere Rolle zu. Das hängt speziell mit der Wirkung der Aminosäuren im Stoffwechsel zusammen. Aminosäuren sind die Bausteine des Eiweißes. Und das Lebensmittel Fisch ist das einzige, das das gesamte Spektrum essentieller, d.h. lebensnotwendiger Aminosäuren, die der Körper selbst nicht bilden kann, enthält. Unter ihnen spielen die Bausteine Tryptophan und Tyrosin eine besondere Rolle. Tryptophan ist die Vorstufe für Serotonin, das populärwissenschaftlich als „Guter-Laune- Stoff“ bezeichnet wird. Serotonin reguliert nach verschiedenen biochemischen Zwischenschritten im Gehirn eine Reihe von menschlichen Verhaltensweisen, darunter auch die Stimmungslage. Die Aminosäure Tyrosin kann über hormonelle Reglerkreise sowohl die körperliche wie auch die seelische und mentale Leistung unterstützen.
Ein weiterer Aspekt betrifft die Wirkungsweise von Vitaminen, speziell der B-Gruppe (“Energievitamine“). Von denen hängen die Energieproduktion der Muskel- und Nervenzellen sowie die Übermittlung von Nervenreizen ab. Die Folgen eines B-Vitamin-Mangels sind wie man weiß erhöhte Reizbarkeit, Nervosität, Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwäche, Lustlosigkeit und depressive Stimmung. Fisch enthält ein breites Spektrum von B-Vitaminen, vor allem B1, B2, B6, B12, Niacin, Pantothensäure und Biotin. Unterstützt wird das B-Vitamin-Angebot im Fisch durch den Anti-Stress-Mineralstoff Magnesium; der zur physiologischen Entspannung beiträgt. Zusätzlich wirkt das Spurenelement Jod über die Schilddrüsenhormone u.a. gegen die Lustlosigkeit.

Fazit: Die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse bestätigen, was der Volksmund schon immer behauptet hat: das Nahrungsmittel Fisch ist ein Muntermacher ist. Es vertreibt Depressionen und macht gute Laune.

 

Dr. med. Wolfgang Woynar
Facharzt für Allgemeinmedizin
woynar@hausarzt-bremerhaven.de
www.hausarzt-bremerhaven.de