Liebe Leserinnen und liebe Leser,

unser Gesundheitssystem ist eine Dauerbaustelle. Die Zeche berappt der Bürger. Der sucht nach Orientierung und beklagt fehlende Transparenz. Und er fragt sich, warum ständig alles teuerer werden muss. Einer Flipperkugel gleich saust er im System umher. Viele, vor allem ältere Menschen, sagen: “Früher war alles einfacher, übersichtlicher.“

Eine vernünftige Idee der letzten Gesundheitsreform ist die „HausarztZentrierte Versorgung“.
In unserem Nachbarland Holland hat das dazu geführt, dass der Kostenanstieg gebremst und die Qualität der Versorgung verbessert wurde.

Die Grundüberlegung lautet: Man muss nicht unbedingt mit Kreuzschmerzen gleich zum Orthopäden gehen, mit Schnupfen zum HNO- Arzt und mit einer Blasenentzündung zum Urologen. Denn, unnötige und nicht selten belastende Untersuchungen können vermieden werden. Zudem weiß oft eine Hand nicht, was die andere tut. Der Urologe weiß nichts von den Medikamenten des Orthopäden und der wiederum nichts von denen des Internisten.

Bereits seit 01.01.2000 - also seit sieben Jahren - ist das Hausarztmodell als Zukunftsmedizin im Sozialgesetz V als („kann“) Bestimmung verankert. Das meint: der Hausarzt Ihres Vertrauens lotst Sie durch die Behandlungen der Teilgebietsärzte (beim Hausbau vertrauen wir ja auch einem Architekten die Koordinierung der Handwerker für die Teilgewerke an).

Seit Beginn dieses Jahres bieten Krankenkassen im Land Bremen die freiwillige Teilnahme am „Hausarztmodell“ an. Sie, liebe Leserinnen und Leser, können sich beim Hausarzt Ihres Vertrauens einschreiben.

Warum aber sollten Sie daran teilnehmen? Was haben Sie davon? Dazu sollten Sie sich die folgende wichtige Frage stellen: Wie werden meine Gesundheitsprobleme am besten gelöst?

Die Hausarztzentrierte Versorgung kann dabei helfen, den dringend notwendigen Überblick zu behalten, Sie vor möglichen störenden Wechselwirkungen Ihrer Medikamente zu bewahren und unnötige Untersuchungen und Behandlungen zu vermeiden.

Ihr Hausarzt unterstützt Sie bei der Suche nach der bestmöglichen Lösung Ihrer Probleme:

- Ihr Hausarzt führt Ihre Daten aus allen medizinischen Bereichen zusammen, solange und soweit Sie damit einverstanden sind. Dadurch wird Ihre Behandlung sicherer. Die Qualität der Versorgung steigt.
- Die Vertretung Ihrer Interessen gegenüber Versorgungsamt, Rententräger, etc. klappt problemloser.
- Alle Ärzte und medizinischen Einrichtungen, in denen Sie untersucht und / oder behandelt werden, sind verpflichtet, Sie nach Ihrem Hausarzt zu fragen und diesem die Befunde und Therapien oder Behandlungsvorschläge mitzuteilen.
- Diese, Ihre Einwilligung können Sie jederzeit widerrufen.

Zudem gewährt Ihre Krankenkasse Ihnen einen Bonus, wenn Sie sich einen Hausarzt wählen und weitere Ärzte grundsätzlich nur auf Überweisung in Anspruch nehmen. Denn, das verbessert die Behandlungsqualität und spart auch Kosten. Unnötiges unterbleibt. Und wer Kosten spart, sollte auch beteiligt werden. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt und zur Sicherung unseres Gesundheitswesens.

Sie werden wohnortnah und zeitnah versorgt. Es gibt schneller einen Termin, lange Wartezeiten sind selten. In einer immer älter werdenden Gesellschaft wird die hausärztliche Versorgung zunehmend an Bedeutung gewinnen. Denn sie gibt Antwort auf die Frage, wie die Versorgung der steigenden Zahl älterer Menschen in Zukunft organisiert werden kann, wie mit den zunehmenden chronischen Erkrankungen umgegangen wird, wie Pflegebedürftigkeit möglichst lange hinausgeschoben werden kann, damit die Menschen in ihrer vertrauten Umgebung bleiben können, so lange es geht.

Der Hausarzt kennt im besten Fall die individuellen Lebensumstände seiner Patienten, die familiäre und berufliche Umgebung, die Krankheitsgeschichte. Wir wissen heute, dass viele gesundheitliche Probleme ihre Wurzel in eben diesen individuellen Lebensumständen haben. Weil der Hausarzt die Lebensverhältnisse und die Gewohnheiten der Patientinnen und Patienten kennt, kann er auch gezielt präventiv eingreifen.

Viele Menschen befürworten diese Form des "ganzheitlichen" Ansatzes. Das ist nicht nur ein Modewort, sondern für viele Menschen ein alltägliches Bedürfnis.


Für Ihre Gesundheit alles Gute
wünscht Ihnen
Ihr Wolfgang Woynar

Herzlichst Ihr Wolfgang Woynar

Rückenschmerzen - Ursachen, Anti-Schmerz-Training

Hatten Sie schon einmal Schmerzen, die Sie an den Rand der Verzweiflung trieben? Eine Nierenkolik etwa. Da weiß man, wie furchtbar ein akuter Schmerz sein kann. Wichtig ist dann, den Schmerz wirksam, sofort zu bekämpfen.

Ganz anders als der akute Schmerz, der dem Körper als wichtiges Warnsignal dient, ist der chronische Schmerz biologisch nicht sinnvoll. Fachleute sprechen von einer spezifischen „Schmerzkrankheit“, wenn der Schmerz über Monate und Jahre anhält und gleichsam ein Eigenleben zu führen beginnt. Der chronische Schmerz wird dann zu einer eigenständigen Krankheit. Der Schmerz steht dann oft in keinem Verhältnis zum ursprünglichen Auslöser mehr – und wird selbst zur Bedrohung.

Chronische Schmerzen gehören zu den häufigsten gesundheitlichen Störungen.
Besonders häufig tut es im Rücken weh, in den Gelenken und im Kopf. Hinzu kommen Schmerzen, die mit einer Schädigung des Nervengewebes selbst einhergehen: neuropathische – die brennenden Schmerzen in den Beinen bei Diabetes.

Das ist der körperliche Anteil des Schmerzes. Schmerzen können das Leben verändern, wenn der Dauerschmerz zu einem psychosomatischen „Perpetuum mobile“ wird, bestehend aus körperlichen Signalen, neuronalen Prozessen, seelischen und sozialen Reaktionen.

Nichts ist so subjektiv – und doch so wirklich – wie der Schmerz.

Viele Menschen stellen sich den menschlichen Körper als eine Art Roboter mit Geist und Seele vor. Dann sollte sich der Grund für Fehlfunktionen des Organismus schnell finden und beheben lassen. Aber so einfach ist das nicht mit dem Schmerz. In manchen Fällen ist er schwer zu beschreiben und nur unzureichend zu lokalisieren – was nicht bedeutet, dass sich der Patient den Schmerz nur einbildet. Wir verfügen nämlich über unterschiedlich schnelle Nervenfasern. Die ultraschnellen A-Delta-Fasern übertragen den Schmerz in einer Geschwindigkeit von 20 Metern pro Sekunde. Sie sind die DSL-Leitungen, die umgehend melden, wo es zwickt. Die zehnmal langsameren C-Fasern hingegen vermitteln nur ein diffuses, ungenaues Bild des Schmerzes. Die Ursache für Schmerzen ist nicht in „blankgescheuerten Kabeln“ auffindbar. So manches spielt sich im Nicht-messbaren ab, im Bereich zwischen dem Organischen und Seelischen. Das ist rätselhaft und spannend und hält die Medizinfabrik auf Trab. Was ist Symptom und was ist Ursache des Schmerzes?

Schmerztherapie ist weit mehr als das Verschreiben von Schmerzmitteln.

Identische Schmerzauslöser haben tatsächlich oft erstaunlich unterschiedliche Effekte. Umgekehrt ist lange bekannt, dass sich hinter sehr ähnlichen Symptomen zumeist eine Vielzahl möglicher Ursachen verbergen. So kann Kopfschmerz einfach die Folge eines hohen Blutdrucks sein und mit der Gabe von Medikamenten abklingen. Beim weitverbreiteten chronischen «Spannungskopfschmerz» spielt neben Nackenverspannungen und psychischem Stress vor allem eine veränderte Schmerzverarbeitung im Gehirn eine entscheidende Rolle. In wieder anderen Fällen entsteht chronischer Kopfschmerz erst durch übermäßigen Schmerzmittelkonsum. Bei diesem paradox anmutenden „medikamenteninduzierten Kopfschmerz“ geht es vor allem um eines: Schmerzmittelentzug.

Um zu vermeiden, dass sich ein chronischer Schmerz entwickelt arbeiten hier Mediziner mehrerer Fachrichtungen zusammen. Das Spektrum reicht von der Behandlung mit Medikamenten über spezielle Operationsverfahren, Physio- und Psychotherapie bis hin zu alternativen Methoden. Der chronische Schmerz, so das Credo, ist ein interdisziplinäres Problem.

 

Dr. med. Wolfgang Woynar
FA für Allgemeinmedizin


Chronische Schmerzen: krank oder was?

Es gibt Schmerzsyndrome, die gesellschaftlich akzeptiert sind. Zum Beispiel der chronische Rückenschmerz. Oder chronische Arthrosebeschwerden. Die gelten als „Abnutzung“, als Folge schwerer körperlicher Arbeit oder intensiver Betätigung. Sie haben außerdem ein morphologisches Korrelat. Abgescheuerter Knorpel oder Knochenschäden lassen sich radiologisch nachweisen. Bei Rückenschmerzen gibt es hier zumindest im Kernspin mitunter „objektive“ Befunde, einen Prolaps des Nucleus pulposus, oder man findet verengte Foramina intervertebralia oder Zeichen von Zwischenwirbelgelenksproblemen.

Andere Menschen ernten weniger Verständnis. Häufig, weil wir uns nicht weiter zu helfen wissen. Zu den bekannteren somatoformen Störungen gehört die Fibromyalgie. Das ist eine Krankheit, die sich in diffusen Schmerzen am ganzen Körper äußert und von der vor allem Frauen im mittleren Alter betroffen sind. Fibromyalgie ist ein Leiden, das lange nicht ernst genommen wurde. Man erklärte die Schmerzen oft mit den Lebensumständen der älteren Frauen, so in der Art: Die Kinder sind aus dem Haus, sie hat keine Aufgaben mehr – und jetzt tut ihr halt alles weh. Heute weiß man, dass die Fibromyalgie eng mit hormonellen Mechanismen der Schmerzsteuerung zusammenhängt. Schmerzen, die bei gesunden Personen einfach wieder verschwinden, werden bei diesen Patienten gewissermaßen hochgeschaukelt. Diese Überreaktion hat eine neurale Entsprechung. Der Schmerz ist somit alles andere als bloße Einbildung.

Die moderne Diagnostik meldet Normalbefunde. – Das meint: wir sehen nichts patholgisches. Erschwerend kommt hinzu, dass die Standardtherapie gegen chronische Schmerzen, dass nicht-steroidale Antirheumatika nicht wirklich helfen. Die Folge: Ratlosigkeit und Verzweiflung bei Arzt und Patient/in. Was machen, wenn die Schmerzmittelpalette durchgetestet ist? Ein Versuch mit Antidepressiva, um Schmerzen erträglicher zu gestalten? Beim Kranken entsteht der Eindruck: „keiner weiß, was mir fehlt“. Mit anderen Worten, er befürchtet, es liege eine völlig rätselhafte Störung vor. Feststellungen wie „Ausschluss einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung' helfen da auch nicht wirklich weiter.

Schmerz kann deshalb Lebensqualität zerstören. Schmerz betrifft nicht nur den Körper, sondern den Mensch als Ganzes. Über Schmerz kann man reden. Teilen kann man ihn nicht. Nichts ist so subjektiv – und doch so wirklich – wie der Schmerz. Es fehlt das Maß, das den Schmerz misst wie ein Thermometer das Fieber.

Dr. med. Wolfgang Woynar
Facharzt für Allgemeinmedizin- Sportmedizin



Aktueller Stand der Fibromyalgie-Behandlung EULAR- Leitlinie


Fibromyalgie- Patienten benötigen eine individuell abgestimmte Therapie. Wichtig ist ein multidisziplinärer Ansatz, bei dem pharmakologische, psychologische und physiotherapeutische Behandlungen kombiniert werden.

Die physikalische Therapie im warmen Wasser schneidet am besten ab. Etwas weniger Belege existieren für Behandlungen mit Aerobic und Kraftübungen.
Skeptisch äußerten sich die Experten zur Wirksamkeit einer kognitiven Verhaltenstherapie.
Für besser belegt hält die Leitliniengruppe Entspannungstraining.

Bei der medikamentösen Schmerztherapie gibt es für Tramadol derzeit die meisten positiven Studiendaten. Andere schwach wirksame Opioide sowie Paracetamol kommen ebenfalls in Frage. Von einer Behandlung mit stark wirksamen Opioiden und mit Glukokortikoiden raten die Experten bei Fibromyalgie- Patienten dagegen ab. Abgesehen von der reinen Schmerztherapie betont die Leitlinie auch den Nutzen einer Behandlung mit Antidepressiva und mit Antiepileptika.


“Schmerzmittel“

Nicht nur schmerzdämpfend, sondern auch entzündungshemmend und fiebersenkend wirken Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen. Auch Analgetika auf der Basis von Paracetamol oder Metamizol gehören in diese Kategorie.

Eine Kategorie für sich sind die Opioid- Analgetika mit Morphin als Prototyp. Das am häufigsten verschriebene Produkt in dieser Kategorie ist Tramadol, ein schwach wirksames Opioid, das nicht dem Betäubungsmittelgesetz untersteht.

Morphin ist es seit über 200 Jahren die wirksamste Arznei gegen starken körperlichen Schmerz. Noch heute wird Tumorpatienten häufig Morphium verordnet. Das potente Schmerzmittel kommt zum Einsatz in der Notfallmedizin, bei Koliken und starken Rückenschmerzen, bei chronischen Schmerzen, die so stark sind, dass andere Behandlungsmethoden nicht mehr helfen; Morphium gehört zum Cocktail, mit dem der Anästhesist den Patienten in Narkose versetzt, und es erlöst die Sterbenden von ihren Qualen.
Morphium ist so etwas wie der Goldstandard in der Schmerzbekämpfung.
Das Mittel ist äußerst effektiv, sehr gut steuerbar und außerdem relativ preisgünstig.

Dr. med. Wolfgang Woynar
Facharzt für Allgemeinmedizin- Sportmedizin