Liebe Leserinnen und liebe Leser,

auch Männer werden älter…Männer entdecken zunehmend ihre Gesundheit!

Der Androgenmangel des älteren Mannes wird mit diversen klinischen Zeichen bzw. Krankheitsbildern in Verbindung gebracht: Osteoporose, veränderte Körperzusammensetzung, Muskelmasse und Muskelkraft, nachlassende Sexualfunktion (Libidoverlust, erektile Dysfunktion), allgemeine Leistungsschwäche, chronische Müdigkeit und anderes.

Während die Hormonproduktion bei Frauen in den Wechseljahren vergleichsweise abrupt endet, verringern sich die Sexualhormone beim Mann eher allmählich über viele Jahre. Bei Potenzproblemen „kneifen“ Männer oftmals.

Frauen haben frauenspezifische Beschwerden, das ist richtig. Völlig zu Recht gibt es deshalb eine eigene medizinische Fachrichtung, die Frauenheilkunde. Bundesweit praktizieren knapp 16 000 Frauenärzte. „Zertifizierte“ Männerärzte jedoch sind selten.

Zwei Problembereiche stehen aktuell an: zum einen ist der Zusammenhang zwischen Hormondefizit und Alterungsprozessen wissenschaftlich zu klären,
zum anderen muss das therapeutische Potential von Hormontherapien im Alter neu bewertet werden.

In der Laienpresse hat die Entdeckung eines vermeintlichen Jungbrunnens vielfach zu euphorischen Spekulationen geführt. In den USA werden Hormone rezeptfrei zur „Nahrungsergänzung“ in großem Umfang mit dem Ziel verkauft, Alterungsprozesse aufzuhalten. Vorsicht ist geboten.

Die Gabe von DHEA zum Beispiel hat bei Männern andere Auswirkungen als bei Frauen. Während bei Männern eher die Muskelmasse zunimmt, verbessert DHEA bei Frauen deutlich die zuvor eingeschränkte Befindlichkeit und Sexualität. Zudem wirkt es angstlösend und antidepressiv.

Auch in Deutschland gewinnt die Thematik zunehmendes Interesse. Die Anfragen sich gut informiert fühlender Patienten nehmen auch in den Praxen Bremerhavener „Männerärzte“ zu. Männerarzt, das kann ein endokrinologisch kompetenter Hausarzt, Urologen oder Gynäkologe sein.

Was gibt es sonst so Neues?

1. Bei der Vorsorge: tagespolitisch aktuell ist die Nachricht, dass der Bundesrat gefordert hat, den prostataspezifischen Antigentest (PSA) zur Früherkennung von Prostatakrebs als Regelleistung in den Katalog der Gesetzlichen Krankenkasse aufzunehmen. Lediglich bei bereits bestehender Prostataerkrankung werden zur Zeit Verlaufskontrollen von der Krankenkasse erstattet. Die „vorsorgliche“ Bestimmungen des PSA zahlt der Patient mit etwa 15 bis 25 € selbst.

2. Bei den potenzfördernden Mitteln: Allein in Deutschland haben gut 5 Mill. Männer Erektionsstörungen – zu 70 Prozent durch körperliche Ursachen. Etwa durch Bluthochdruck, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, Nervenleiden, Operationen, Nebenwirkungen von Medikamenten, Alkohol oder Nikotin. Aber auch Stress oder Angst können das Liebesleben blockieren.

Weltweit werden neue Wirkstoffe zur Erweiterung der Herzkranzgefäße erforscht mit dem Ziel, den Kampf mit den Zivilisationskrankheiten Herzinfarkt und Schlaganfall auf neuen Wegen erfolgreicher zu gestalten. Herauskam ein Mittel mit allerdings erwünschter „Nebenwirkung“ auf das Geschlechtsteil. Forschung geht manchmal seltsame Wege. Nach dem Motto: Umwege erhöhen die Ortskenntnis.

Seitdem feiert das Mittel VIAGRA der Firma PFIZER weltweit sowohl wirtschaftliche Erfolge und allgemeine Aufmerksamkeit. Weitere Mittel folgten, unter anderen CIALIS von LILLY. Das BAYER Präparat LEVITRA wurde vor wenigen Tagen eingeführt.

3. Bei den androgenen Hormonen: die verschiedenen Möglichkeiten der Testosteron-Therapie werden ergänzt durch eine Testosteron Salbe, deren Markteinführung unmittelbar bevorsteht. Die stellt bei nachgewiesenem Hormonmangel und klinischen Beschwerden eine echte Bereicherung der Therapiemöglichkeiten dar. Denn das

Testosteron Pflaster mit seinen Nachteilen (Tragekomfort reduziert, häufig Hautreizungen, hohe Therapiekosten), Tabletten (hohe Therapiekosten, sehr variable Resorption bei oraler Applikation, in Studien nicht bewiesene Wirkung!) sind obsolet. Die intramuskuläre Injektion ist Therapie der ersten Wahl: Therapiekosten 0,5€/d, volle Bioverfügbarkeit, regelmäßig alle 3 Wochen injizieren.

Aber, liebe Leserinnen und Leser, die Hormontherapie ist kein Ersatz für das Ausdauertraining. Wer seine Fitness verbessern will, kommt nicht um einen gesunden Lebensstil herum. Weder Hormontherapien noch gewichtsreduzierende Pillen sind ein Ersatz für Bewegung, Ernährung und Entspannung. Mit der Gesundheit vieler Männer steht es nicht zum Besten.

Männergesundheit – das hat etwas zu tun mit dem unterschiedlichen Verhalten und Erleben von Männern. Vorsorge, der „Check- up“ auf Herz und Nieren, lohnt sich!

Der Herzinfarkt, das heißt seine Ursachen, müssen aktiv bekämpft werden. Wie beugt MANN vor? Männergesundheit, das hat etwas zu tun mit der Osteoporose Prophylaxe. Die gibt es für Frauen seit 25 Jahren. Wie ist das eigentlich beim Mann? Männergesundheit, das hat etwas zu tun mit dem Missbrauch, wie Rauchen und Alkohol. Das und noch vieles mehr waren die Themen am 15. Februar 2003 beim 2. Männergesundheitstag im Weserforum, der ein überwältigendes Interesse fand.

Vorsorge ist und bleibt ein brandheißes Thema der Gesundheitspolitik.

Prävention heißt: Gesundheit erhalten, Krankheit vermeiden, bzw. - wenn unvermeidlich - lindern. Prävention heißt: Ich will meiner drohenden Erkrankung zuvorkommen. Das bedeutet:

ich muss meine Gewohnheiten kennen – meine Lebens-, Genuss- und Essgewohnheiten
ich muss die Auswirkungen auf mögliche Krankheitsrisiken kennen
ich muss ggf. mein Verhalten ändern.

Eine schwierige Angelegenheit, wie wir alle wissen: denn, ändern wollen wir bekanntlich alles, nur nicht uns selbst. Daran sind schon Revolutionen gescheitert.

Die Wirksamkeit von Appellen allein tendiert gegen NULL: Gesundheit erhalten wir durch gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und mental durch Stressbewältigung, Krankheiten vermeiden wir durch

VORSORGE = „Check-up“ und Krebsfrüherkennung.

Gebt dem Mann, was er braucht – und vergesst die Frauen nicht!


Für Ihre Gesundheit alles Gute,
wünscht Ihnen Ihr Wolfgang Woynar



DIE 5 häufigsten Ausreden der Männer und meine Antworten:

„Mir tut nichts weh!“ –

Antwort: Krebs macht erst im fortgeschrittenen Stadium Beschwerden.

„Ich war immer gesund!“ -

Antwort: Es muss nicht immer alles bleiben, wie es ist.

„Ich lebe ohnedies gesund!“

Antwort: Die Vorsorgeuntersuchung gibt zusätzliche Sicherheit.

„Wozu brauche ich das?“

Antwort: Gesundheitsvorsorge geschieht im eigenen Interesse, weil man(n) sich das wert sein sollte.

„Ich habe keine Zeit dafür!“

Antwort: Zeit sparen Sie durch Zeitmanagement – Zeit gewinnen Sie durch gesunde Lebensführung.




Dr. med. Wolfgang Woynar

Arzt für Allgemeinmedizin

woynar@hausarzt-bremerhaven.de



Früherkennung des Prostata-Karzinoms

Das Prostata-spezifische Antigen (PSA) hat sich in den letzten Jahren als zuverlässiger Tumormarker etabliert. Er wird zur Therapiebeobachtung und in der Frühdiagnostik eingesetzt. Zwar ist das PSA organspezifisch (für die Prostata), aber nicht unbedingt krankheitsspezifisch. Demnach treten erhöhte PSA-Werte nicht nur beim Prostatakarzinom, sondern auch bei der gutartigen Prostatavergrößerung (BPH) sowie bei anderen gutartigen Erkrankungen, Entzündungen der Vorsteherdrüse oder bei Manipulationen an der Harnröhre auf. Auf Grund erhöhter PSA-Werte können Tumoren im Frühstadium erkannt werden. Hilfreich sind jährliche Bestimmungen, denn mehrere Werte zu unterschiedlicher Zeit verbessern die Qualität der Diagnose. Eine Methode zur Erhöhung der Genauigkeit der PSA-Aussagekraft ist die Anstiegsgeschwindigkeit. Steigerungen von mehr als 0,75 ng/ml pro Jahr gelten daher als Hinweis auf ein Prostatakarzinom. Dabei sollten allerdings mindestens 6- bis 12-monatige Abstände zwischen drei aufeinander folgenden PSA-Bestimmungen vorliegen.


Dr. med. Wolfgang Woynar

www.hausarzt-bremerhaven.de


Was bringt Hormonersatz wirklich?


Beim gesunden Mann versiegt mit zunehmendem Alter die Gonadenfunktion zunächst meist unbemerkt - im Gegensatz zur Frau. Daher gibt es die „Wechseljahre“ nicht. Dennoch leiden Männer in den „besten Jahren“ unter den klinischen Zeichen verminderter Virilität.

Die körperliche Leistungsfähigkeit und Muskelkraft, sowie die Sexualfunktionen lassen nach. Nach dem 55. bis 60, Lebensjahr, gelegentlich auch schon früher, zeigt sich eine milde Anämie, die Knochendichte vermindert sich. Das alles zusammen führt zu einer teilweise erheblichen Einschränkung der Lebensqualität. Nicht zuletzt ist die Lebenserwartung von Männern in Deutschland etwa 7-8 Jahre kürzer als die von Frauen, sodass auch deshalb Handlungsbedarf besteht.

Neuere Erkenntnisse zeigen, dass eine Osteoporose bei Männern häufiger ist als früher angenommen. Der Verlust von Muskelmasse führt zu Gebrechlichkeit, zur Hilfsbedürftigkeit und später zur Pflegebedürftigkeit. Die Lebensqualität sinkt, die Gefahr zu stürzen und Knochenbrüche zu erleiden steigt.

Mit zunehmendem Lebensalter lässt die Testosteron- Produktion nach. Der Mangel an freiem, biologisch aktivem Testosteron wird durch die ansteigenden Konzentrationen des Sexualhormon-bindenden Globulins (SHBG) noch verstärkt. Zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr sinkt das freie Testosteron im Serum durchschnittlich um etwa 1,2% pro Jahr. Etwa 20% der Männer über 60 Jahren weisen ein Testosteron- Defizit auf. Zeitgleich treten gehäuft klinische Zeichen eines Testosteron- Defizit auf: Osteoporose, Muskelschwund, Leistungsschwäche, Libido- und Potenzmangel.

Ob ein kausaler Zusammenhang besteht ist unklar.

Es besteht eine breite Streuung der Testosteron- Spiegel und bei weitem nicht jeder Mann ist von einem Testosteron- Mangel betroffen. Wissenschaftliche Untersuchungen ergaben bei 20% der Männer über 60 Jahren und bei mehr als einem Drittel aller Männer über 70 Jahren erniedrigte Testosteron –Konzentrationen im Serum verglichen mit jungen Männern. Entsprechend ist es eine Frage der Definition, ob absinkende Testosteron- Spiegel im Alter als normal oder pathologisch angesehen werden.

Die Testosteron- Therapie älterer Männer

• steigert die Knochendichte, hat jedoch noch nicht belegt, Frakturen zu verhindern.

• steigert Muskelmasse und Muskelkraft.

• beeinflusst die Herz-Kreislauf- Risikofaktoren günstig, hat jedoch noch nicht einen nachgewiesenen Effekt auf die Häufigkeit von Erkrankungen und Todesfälle gezeigt.

• Stimuliert die Bildung von roten Blutkörperchen und steigert die Sauerstoffkapazität im Blut.

• Stimuliert Libido, nicht jedoch die Potenz.



Die Testosteron – Therapie älterer Männer

• kann aufgrund theoretischer Überlegungen die Manifestation eines Prostata- Karzinoms oder einer gutartigen Prostatavergrößerung begünstigen,

• kann einen mäßigen Anstieg des Serum – PSA innerhalb des Normbereichs verursachen,

• hat in den Studien keinen Anhalt für ein erhöhtes Auftreten von Prostataerkrankungen ergeben,

• dennoch muss die Prostata regelmäßig kontrolliert werden.

Eine Testosteron –Therapie älterer Männer ist nach wie vor nicht klinischer Standard.

Fazit aus den vorliegenden Studiendaten zeigt das Dilemma:

Beim älteren Mann mit erniedrigtem Testosteronspiegel ist durch eine Behandlung mit Testosteron ein günstiger Effekt auf die Muskelkraft, den Knochenstoffwechsel, die Blutbildung und auf die Libido zu erwarten. Weiterhin scheinen die Herz-Kreislauf Risikofaktoren wie Fettstoffwechsel, Insulin- Sensitivität und arterielle Hypertonie günstig beeinflusst zu werden. Wissenschaftliche Beweise aber für einen Nutzen für Herz-Kreislauf fehlen, ebenso fehlt der Nachweis für weniger Knochenbrüche. Eine erektile Dysfunktion wird nur selten gebessert werden.

Euphorische Medienberichte, übertrieben dargestellte Studienergebnisse, Patienten mit Leidensdruck und nicht zuletzt das Vorpreschen einzelner Ärzte erfordern jedoch jetzt – und nicht erst in 3 -5 Jahren, wenn weitere Ergebnisse vorliegen werden – eine objektive Darstellung der Datenlage und Empfehlungen zum therapeutischen Vorgehen.

Die Indikation für einen Hormonersatz muss individuell und seriös gestellt werden.

Nutzen und Risiko müssen sorgsam abgewogen werden.

Verantwortungsbewusste Ärzte ersetzen das fehlende Testosteron nur dann, wenn der Mangel laborchemisch nachgewiesen ist. Voraussetzung ist zudem, dass der Patient unter der Mangelsituation leidet und selbst die Behandlung wünscht.

Nebenwirkungen müssen ebenso wie der Behandlungserfolg regelmäßig kontrolliert werden.

Konkret bedeutet dies: ein Testosteronspiegel von oberhalb 12nmol/l ist als normal anzusehen, zwischen 8-12 nmol/l besteht ein kontrollbedürftiger „Graubereich“, unterhalb von 8 nmol/l liegt ein Testosteron – Defizit vor.

Einzelne Symptome bei normalem Testosteronspiegel im Serum rechtfertigen eine Testosteron –Therapie nicht. Ein bereits bekanntes Prostatakarzinom stellt ebenso wie eine Blutbildveränderung und ein Schlafapnoe- Syndrom eine Kontraindikation dar. Bei bestehender Prostatavergrößerung ist Vorsicht geboten.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Orales Testosteron wird vom Körper nur schlecht und unregelmäßig resorbiert.

Die Injektion von Testosteron alle zwei bis drei Wochen eignet sich besser zur Dauertherapie. Jedoch werden die unphysiologisch hohen Hormonspritzen nach Injektion oft als störend empfunden. Pflaster sind entwickelt worden. Nachteil: hohe Allergierate. Vielversprechend sind Testosteron Spritzen, die alle drei Monate gegeben werden.

Hoch aktuell ist ein Testosteron- Gel, das täglich morgens oder abends auf die Haut aufgetragen wird. So erreicht man einen gleichmäßig hohen Testosteron- Spiegel im physiologischen Bereich.

Wer führt Hormonbehandlungen durch?

Substituieren können Ärzte, die endokrinologisch versiert sindt: das können Hausärzte sein, ebenso Urologen oder Gynäkologen. „Zertifizierte Anti- Aging“ Ärzte gibt es in Deutschland allerdings noch zu wenige.

Kurz noch einige ernüchternde Bemerkungen zu sogenannten „Wunderdrogen“:

Die Beeinflussung von Altersvorgängen beim Menschen durch DHEA bleibt derzeit spekulativ. Auch für das Cortisol ergeben sich aufgrund des gut bekannten Wirkungs- und Nebenwirkungsprofils keine Ansätze zu einem sinnvollen Einsatz. Alterungsprozesse werden weder verhindert noch korrigiert. Bei den Wachstumshormonen zeigen Studien übereinstimmend, dass ein klinisch relevanter Benefit nicht bewiesen wurde. Übrigens reagieren ältere Menschen sehr empfindlich mit dosisabhängigen Nebenwirkungen. Die langfristigen Auswirkungen, zum Beispiel die Entwicklung von Malignomen, sind gänzlich unbekannt.

Das gesicherte spärliche Wissen steht in einem eklatanten Gegensatz zu den vielfältigen Versprechungen, die an eine äußerst interessierte Öffentlichkeit lanciert werden.

Der freie Zugang zu hochwirksamen Hormonen, etwa über das Internet, die in den USA teilweise in Drogerien frei erhältlich sind, öffnet unkontrolliertem Missbrauch auch in Deutschland die Tür.


Dr. med., DP Wolfgang Woynar,
Facharzt für Allgemeinmedizin,
Facharzt für Frauenheilkunde

www.hausarzt-bremerhaven.de
www.gesundheitsforum-bremerhaven.de

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