Liebe Leserinnen und liebe Leser,

Todesanzeigen in der Tageszeitung sind uns vertraut. Fassungslos nehmen Menschen Abschied von geliebten Angehörigen. Das Herz steht für die Liebe und Zuwendung, der Kopf für die Reflexion. Schmerz zerreißt das Herz, Gefühle der Trauer überwältigen die Hinterbliebenen. Der Verstand sucht nach einfachen Antworten auf die drängende Frage „warum“? „Plötzlich und unerwartet“ sei der Tod eingetreten – so lesen wir immer wieder.

Zweifel ist angesagt. Denn nur selten kommt der Tod ohne medizinische, klinische Vorgeschichte. Ursache sind zumeist „stille Krankheiten“, die eine jahrelange Vorgeschichte haben. Das gilt nachweislich auch für die Koronare Herzkrankheit - eine Erkrankung der Herzkranzgefäße, die lange vor dem Auftreten von Beschwerden beginnt.

Erklären möchte ich Ihnen das am Beispiel der Arterienverkalkung (Arteriosklerose).

Die Arteriosklerose ist keinesfalls nur ein typisches Phänomen eines fortgeschrittenen Alterungsprozesses. Sie ist eine sich still und langsam entwickelnde, schleichende Erkrankung. Sie entsteht zu einem Zeitpunkt in unserem Leben, wo der Gedanke an die letztlich lebensbedrohenden Folgen noch in weiter Ferne liegt. Bereits ab dem zweiten Lebensjahrzehnt sind für den Fachmann erste, noch reversible Veränderungen in den großen Gefäßen erkennbar: flache, fetthaltige Beete, aus denen sich arteriosklerotische Plaques entwickeln, die in das Gefäßlumen hineinragen. Der Betroffene spürt die bereits fortgeschrittene Gefäßerkrankung nicht, da diese Verengung den Blutfluss noch nicht einschränkt. Die typischen Symptome zeigen sich erst später, häufig bei körperlicher Belastung, wenn die Verengung etwa an den Herzkranzarterien die Gefäßlichtung um mehr als zwei Drittel einengt. Bei Belastung (Koffer tragen, Schnee schippen etc.) ist der akute Sauerstoffbedarf der Herzmuskulatur vorübergehend größer als das in den verengten Herzkranzarterien bereitgestellte Sauerstoffangebot. In Ruhe verschwinden die Beschwerden oftmals wieder. Die Betroffenen nehmen das Ereignis trotz seiner Bedrohlichkeit häufig nicht ernst genug. Insbesondere dann nicht, wenn scheinbar wichtige berufliche und persönliche Angelegenheiten ablenken. Denn: eine Krankheit passt nicht ins Lebensbild! Bleiben die Frühwarnzeichen unbeachtet und kommt es zu einem Verschluss der Herzkranzgefäße, dann ist das Ereignis „Herzinfarkt“ für den Betroffenen und seine Angehörigen „plötzlich und unerwartet“ eingetreten. Ganz gleich, liebe Leserinnen und Leser, ob Symptome ignoriert oder missgedeutet werden: der Infarkt ist das Ergebnis eines sich heimlich und leise über Jahre entwickelnden Krankheitsprozesses. Die Ursache eines akuten Koronarverschlusses ist zumeist ein angelagerter, „aufgepfopfter“ Thrombus, der sich auf einer vor langen Jahren zuvor angelegten arteriosklerotischen Plaque bildet. Der Herzinfarkt stellt einen deutlichen und abrupten Einschnitt in der bisherigen Lebensführung dar. Das Leben nach dem Herzinfarkt führt bei vielen Menschen zu einer bewussteren Lebensführung, zu einer sinnvolleren Lebensplanung. Spät – aber nicht zu spät.

Für Ihre Gesundheit alles Gute!
wünscht Ihnen IHR Wolfgang Woynar


Krank am Herzen

Herz-Kreislauferkrankungen stellen mit Abstand die Haupttodesursache in den Industrieländern dar. Wir bezeichnen sie zu recht als Zivilisationserkrankung.
In Deutschland versterben 290.000 Herzinfarkte pro Jahr. Fünfunddreißig Prozent versterben bevor Ihnen Hilfe zuteil werden kann, sie erreichen nicht einmal mehr lebend das Krankenhaus. Fünfzehn Prozent versterben innerhalb der ersten drei Wochen und weitere fünfzehn Prozent versterben in den nächsten achtzehn Monaten.

Wer ist gefährdet? Menschen in höherem Lebensalter, Menschen mit unbehandelten Stoffwechselstörungen (hohes Cholesterin/ Zuckerkrankheit), mit hohem Blutdruck und Männer und Frauen mit ererbtem Risiko: Mutter oder Vater erlitten bereits einen Herzinfarkt in jüngeren Jahren. Hauptfeind für die Koronare Herzkrankheit ist und bleibt das (Zigaretten) Rauchen.

Frühsymptom ist bekanntlich die Angina pectoris. Ein tiefer, dumpfer, einschnürender Druck oder Schmerz. Ein Engegefühl hinter dem Brustbein mit Ausstrahlung in den linken Arm, aber auch in Schulter, Hals-Kieferregion, Magen oder Rücken ausstrahlend. Angina pectoris tritt belastungsabhängig auf, aber auch bei Kälte oder emotionaler Belastung. Dauer etwa eine bis fünfzehn Minuten.

Die Medikamentöse Therapie besteht in der Gabe von ASS (Azetylsalizylsäure), Beta- Blocker, CSE – Hemmer, ACE – Hemmer, ggf. Nitrate, Mosidomin.

Zwingend notwendig ist unbestreitbar die Änderung der Lebensgewohnheiten
bei koronarer Herzerkrankung. Das heißt:
• Nikotinkonsum einstellen
• Umstellen der Ernährung
– Weniger Fett, wenig Fleisch, eher Fisch
– mehr Obst, Gemüse, Salat
– Vollkornprodukte, Olivenöl
– weniger Kalorien zur Gewichtsreduktion

Meine dringende Bitte an Sie, liebe Leserinnen und Leser: bewegen Sie sich, das heißt mehr und regelmäßig Sport treiben bei weitgehender Alkoholkarenz, und lassen Sie sich beim Hausarzt Ihres Vertauens den Blutdruck einstellen auf normale Werte, d.h. unter 140/80 mmHg.

Dr. med. Wolfgang Woynar
Facharzt für Allgemeinmedizin - Sportmedizin

www.gesundheitsforum-bremerhaven.de


Bewegung für Ihr Leben

Jede Form der Aktivität, und sei sie noch so gering wie Treppensteigen oder Rasenmähen, führt schon zu einer deutlichen Senkung des Risikos, an Herz-Kreislauferkrankungen zu sterben. Die Beweislage für den Nutzen körperlicher Aktivität ist besser als für viele andere Therapien, die wir in den Arztpraxen regelmäßig anwenden. Viele Studien weisen wissenschaftlich nach: sportliche Aktivität wirkt wie ein Medikament und das ohne wesentliche Nebenwirkungen!
Jedermann weiß das, doch nur wenige verhalten sich tatsächlich dementsprechend.

Eine Frage wird in der ärztlichen Praxis immer wieder gestellt: Was ist wichtiger, die Ausdauer oder die Intensität der Belastung? Meine Antwort:
Für die allgemeine Fitness ist wichtig, wie intensiv die Aktivität betrieben wird. Wer gut in Form ist, überlebt länger – getreu dem Motto „survival of the fittest“.
Aktivität mit hoher Ausdauer hat einen messbaren, gesundheitsfördernden Einfluss auf metabolische Variablen wie etwa das HDL-Cholesterin.
Die maximale Wirkung des Bewegungstrainings nutzt nur derjenige aus, der ausdauernd und zugleich mit einer gewissen Intensität trainiert.

Unsere Hochleistungsmedizin findet ihre Grenzen, selbst wenn zusätzlich apparative und finanzielle Mittel unbegrenzt bereitgestellt würden. Der andere Weg, das Problem anzugehen ist die Prävention der Zivilisationskrankheiten. Das Problem, das häufig in der täglichen Praxis zu lösen ist, aber lautet: Wie soll man einen Menschen, der seit der Schulzeit keinen Sport betrieben hat, dazu bewegen aktiv etwas für seine Gesundheit zu unternehmen?
Kreativität, Kommunikation und Kompetenz sind gefragt. Denn:
Prävention ist volkswirtschaftlich günstiger als Heilen.

Bekanntlich liegt der Beginn des Übels Jahrzehnte vor der klinischen Manifestation der koronaren Herzkrankheit. Solange die Endothelschicht über der Plaque dich und stabil ist, können wir mit der Diskrepanz zwischen äußerem Wohlbefinden und innerlich unbemerkt fortschreitender, zerstörerischen Erkrankung scheinbar sicher und gut leben. Doch wehe, wenn diese schützende Schicht bricht. Wo eine Plaque entsteht, an welcher Stelle sie platzt, ist nicht vorhersagbar. Neben den Routineparametern, die in der ärztlichen Praxis Standard darstellen, werden zusätzlich Homocystein, Lipoprotein (a), Entzündungs- und Gerinnungsparameter zunehmend mehr diskutiert und für die KHK verantwortlich gemacht. Umstritten ist lediglich, ob es sich dabei um primäre oder sekundäre Veränderungen handelt und welche therapeutischen Konsequenzen das Krankheitsrisiko mindern.

Wegen der langen zeitlichen Vorlaufstrecke und auch weil die wichtigsten Risikofaktoren unstrittig sind, ist dieser Bereich der medizinischen Betreuung ein ureigener Aufgabenbereich des Hausarztes. Niemand kann das Gesamtrisiko besser einschätzen. Es handelt sich um eine komplexe Kombination aus einer Vielzahl von Parametern und persönlich eigenverantworteter Lebensgestaltung. Alter, Geschlecht und Gene sind nicht beeinflussbar. Rauchen, Blutfette, Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht sind dagegen hinlänglich bekannte, durch gesundheitsbewusste Lebensführung positiv beeinflussbare Risikofaktoren. Immer spielt das individuelle Verhalten die entscheidende, die wichtigste Rolle.

Prävention wird immer noch von manch einem als banal belächelt.
Die "Vorsorge" der Volks- oder Zivilisationskrankheiten ist aber mindestens genau so wichtig wie deren medizinische „Diagnose und Therapie“. Verantwortungsvolle Vorsorge muss dringend mehr gefordert und gefördert werden.. So gesehen ist die Patientenschulung zur gesunden, kontrollierten Lebensführung gesundheitspolitisch genau so wichtig wie der Herzkatheter mit Stentimplantation.
Dabei könnte ersteres dazu beitragen, dass letzteres nicht erforderlich ist.

Dr. med. Wolfgang Woynar
Facharzt für Allgemeinmedizin

www.gesundheitsforum-bremerhaven.de


Risikofaktor: Cholesterin
• Cholesterinspiegel beim Gesunden:
– Gesamt-Cholesterin: bis 240 mg/dl
– LDL-Cholestrin: bis 160 mg/dl
– HDL-Cholesterin: über 40 mg/dl

• Cholesterinspiegel bei Gefäßerkrankung:
– Gesamt-Cholesterin: bis 190 mg/dl
– LDL-Cholestrin: bis 100 mg/dl
– HDL-Cholesterin: über 50 mg/dl


Risikofaktor: Übergewicht
• weniger essen
• auf versteckte Fette achten
• weniger Süßigkeiten
• weniger Fleisch und Soßen
• weniger Alkohol
• mehr Bewegung


Herz-Kreislauf- Risikofaktoren:

• Rauchen
• Hoher Blutdruck
• Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
• Übergewicht (besonders stammbetont)
• Hohes Cholesterin, hohes LDL, hohes Triglycerin
• Familiäre Belastung mit Herzkrankheiten
• Bewegungsmangel
• Alter (Männer über 50, Frauen über 60 Jahren)

5 - Punkte Programm gegen den Herzinfarkt
• unabhängig werden von der Zigarette
• cholesterinarme Mittelmeerkost
(Obst, Gemüse, Salate, Vollkornprodukte, Fisch)
• regelmäßige Bewegung, die Spaß macht 2 x / Woche über 30 Minuten
• Blutdruck einstellen ( < 140 / 80 mmHg)
• Warnsymptome kennen


Herzlichst Ihr Wolfgang Woynar