Liebe Leserinnen und liebe Leser,

Das Thema „Gesundheit“ liefert reichlich Gesprächsstoff in geselliger Runde bei Freunden und Bekannten. Auch Sie selbst werden sich sicherlich Ihre eigenen Gedanken machen.

Denn Gesundheit geht alle an: Patienten und Ärzte, Krankenkassen sowie Politik, Pharmaindustrie. Wirklich zufrieden ist wohl niemand.

Zudem gibt es immer wieder unterschiedliche Meinungen zur Diagnostik und Therapie in der Medizin, speziell zur Wirksamkeit von Medikamenten, die bisher als gesichert galten. Das alles verunsichert zusätzlich.

Ein Beispiel ist das Dauerthema „Cholesterin“. „Herzinfarkt-Prophylaxe: Ist Cholesterin eine Bagatelle?“ titelte selbst die renommierte FAZ. Dabei geht es um die Frage, was die gesundheitlichen Konsequenzen zu hoher Cholesterinmengen im Blut angeht: Stichwort Herzinfarktprophylaxe. Und darum, ob die vorgegebenen Cholesterinwerte sinnvoll sind.

Zur Komplexität in der Medizin und anderswo gehört, dass überraschend simple Tatsachen das reibungslose Funktionieren vieler anderer Systeme garantieren. Jedes Teilsystem erfüllt seine eigene Aufgabe auf eine autonome Art und Weise, und dank der Wechselwirkungen zwischen den Teilsystemen sind deren Auswirkungen weitaus größer, als es die Kraft eines Teilsystems zulassen würde. Das Ganze ist also mehr als seine Teile.

Einerseits: Nur wenige Sachverhalte in der Medizin sind so gut belegt wie die Tatsache, dass hohe Mengen an LDL- Cholesterin im Blut die Entstehung arteriosklerotisch bedingter Krankheiten fördern und niedrige davor schützen. Risiko- bzw. Schutzfaktor sind demnach gesicherte Erkenntnis. Der gefäßschädigende Einfluss ist folglich alles andere als vernachlässigbar.

Aber: Die Einschätzung dieses einen Faktors vor dem Hintergrund weiterer Risikofaktoren wird unterschiedlich bewertet. Der Leiter des „Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen“, Prof. Peter Sawicki, stellt öffentlich die Schädlichkeit erhöhter Cholesterinwerte in Frage. Dieses Institut wurde vor rund zwei Jahren zu dem bemerkenswerten Zwecke gegründet, „objektive Informationen über den Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse“ zu vermitteln.

Naturgemäß hegt die Arzneimittelindustrie ein großes Interesse an der wissenschaftlichen Sattelfestigkeit der Cholesterin- These. Finanzier der zu statistischen Mammutwerken angewachsenen Studien sind deshalb häufig auch Unternehmen, die diese Medikamente vertreiben. Also greifen viele Ärzte bei erhöhten Cholesterinwerten zügig zum Rezeptblock. Die Vorstellung, mit einer einzigen Tablette pro Tag einen Sündenbock Cholesterin zu senken und damit den Infarkt zu bannen klingt einfach verlockend.

Nicht nur Sie, liebe Leserinnen und Leser, stellen sich die Frage: lässt sich allein aus der Tatsache, dass Cholesterinsenker nachweislich eine Goldgrube sind, eine Bagatellisierung eines solch etablierten Risikofaktors für Herz-Kreislauf-Leiden ableiten?

Zum Allgemeinwissen gehört: Hohe Blutfettwerte sind weitgehend hausgemacht. Wenig Bewegung und der reichliche Verzehr gesättigter Fettsäuren zählen zu den wichtigsten Ursachen für die allgemein zu hohen LDL- Cholesterinwerte in der westlichen Welt. Völker mit gesünderen Lebensgewohnheiten weisen jedenfalls oft sehr geringe Mengen an LDL- Cholesterin im Blut auf, wie Arterioskleroseforscher wissen.
Die Umstellung der Lebensweise - etwa mehr Bewegung, eine Ernährung nach Art der Mittelmeervölker und der Verlust überflüssiger Pfunde - hat sich als wirksam erwiesen. Je weiter sich der LDL- Cholesterinwert mit solchen Maßnahmen senken lässt, desto größer ist der gesundheitliche Nutzen für den Patienten.


Es kommt also auf die Summe der Faktoren an:
Bei erhöhten Cholesterinwerten kommt es in erster Linie darauf an, ein erhöhtes Übergewicht zu reduzieren und einen eventuellen Bluthochdruck zu korrigieren. Darüber hinaus gilt es klassische Infarktrisiken wie Rauchen, fehlende Bewegung und Belastungen durch Stress zu minimieren. Erst wenn alle diese Bemühungen erfolglos bleiben und das Cholesterin weiter erhöht ist, ist der Patient tatsächlich reif für die Pille.

Ungünstig sind erhöhte Konzentrationen an LDL- Cholesterin nur dann, wenn der Betroffene überdies weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren aufweist oder bereits eine Herzattacke erlitten hat. In diesem Fall senkt eine Entfettung des Bluts - ob mit Medikamenten oder durch Veränderung der Lebensgewohnheiten - die Erkrankungsgefahr nachweislich.
Bei Personen mit hohem Infarktrisiko dürfte der Verzicht auf die Cholesterinsenker die PATIENTEN teuer zu stehen kommen. Fragen Sie Ihren Hausarzt, denn der behandelt Sie tagtäglich nach modernstem Stand der Wissenschaft: wirtschaftlich, angemessen, notwendig und zweckmäßig, und vor allem verantwortlich!

Fazit: „Cholesterinsenkende Medikamente sollten nur eingesetzt werden, wenn Diäten und alle anderen Maßnahmen nicht ausreichen – oder nach einem bereits überstandenen Herzinfarkt.“ Das Ganze ist mehr als seine Teile.

 

Für Ihre Gesundheit alles Gute
wünscht Ihnen
Ihr Wolfgang Woynar


Risikofaktoren für Herz- Kreislauferkrankungen:

Das Problem liegt in der Summe dieser Faktoren

1. Bluthochdruck
2. Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
3. Rauchen
4. Bewegungsmangel
5. Übergewicht (besonders stammbetont)
6. Fettreiche Ernährung
7. Fettstoffwechselstörungen (hohes LDL,Triglycerin)
8. Stress
9. Störungen der Blutgerinnung
10. Antikonzeptiva (Antibabypille)
11. Alter (Männer über 50, Frauen über 60 Jahren)
12. Herzinfarkte oder Schlaganfälle in der nahen Verwandtschaft

Herzlichst Ihr Wolfgang Woynar


Herzinfarkt – Die Fakten in Kürze

Die Koronare Herzkrankheit ist eine Erkrankung der Herzkranzgefäße, die lange vor Auftreten der Beschwerden beginnt. Von 290.000 Herzinfarkten pro Jahr versterben 35 %, bevor ihnen Hilfe zuteil werden kann. 15% versterben in den ersten 3 Wochen, 15% versterben in den nächsten 18 Monaten nach Herzinfarkt.

Wer ist gefährdet?

Menschen in der zweiten Lebenshälfte mit mehreren Risikofaktoren.
Leitsymptom ist die Angina pectoris, so heißt ein tiefer, dumpfer, einschnürender Druckschmerz, ein Engegefühl hinter dem Brustbein mit Ausstrahlung in den linken Arm, die Schulter oder Hals-Kieferregion; nicht selten strahlt der Schmerz in Magen, Rücken aus. Dauer circa 1 - 15 Minuten. Die Schmerzen treten häufig nach körperlicher Belastung auf, aber auch bei emotionaler Belastung, ebenfalls bei Kälte und Feuchtigkeit.

Die bisherigen Lebensgewohnheiten zu ändern ist zwingend notwendig:
• Nikotinkonsum einstellen,
• Ernährung umstellen: Fisch, Obst, Gemüse, Salat, Vollkornprodukte, Olivenöl.
• Gewicht reduzieren,
• Blutdruck einstellen (< 140/80 mmHg)
• sportlich betätigen

Risikofaktor: Cholesterin

Der Cholesterinspiegel im Blut sollte beim Gesunden betragen: Gesamt-Cholesterin bis 240 mg/dl, LDL- Cholesterin bis 160 mg/dl, HDL- Cholesterin: über 40 mg/dl.
Bei bereits bestehender Gefäßerkrankung ist der Cholesterinwert deutlich strenger limitiert (Gesamt-Cholesterin: bis 190, LDL- Cholesterin bis 100, HDL- Cholesterin über 40).
Wichtig ist die Umstellung Ihrer Ernährung: weniger Fett, mehr Obst, Gemüse und Salate, Vollkornprodukte, weniger Kalorien, mehr Bewegung.


Risikofaktor: hoher Blutdruck

Der normale Blutdruck sollte 140 / 80 mmHg betragen. Entscheidend ist neben der Gewichtsabnahme eine regelmäßige körperliche Aktivität. Zudem weniger Alkoholkonsum und - wenn notwendig - Medikamente.


Risikofaktor: Übergewicht

Jedermann weiß es, doch nur wenige verhalten sich tatsächlich dementsprechend: weniger essen, auf versteckte Fette achten, weniger Süßigkeiten, weniger Fleisch und Soßen, weniger Alkohol.
Und sehr wichtig: mehr Bewegung! Jede Form der Aktivität, und sei sie noch so gering wie Treppensteigen oder Rasenmähen, führt schon zu einer deutlichen Senkung des Risikos, an Herz-Kreislauferkrankungen zu sterben. Die Beweislage für den Nutzen körperlicher Aktivität ist besser als für viele andere Therapien, die wir Ärzte in den Praxen regelmäßig anwenden. Viele Studien weisen wissenschaftlich nach: sportliche Aktivität wirkt wie ein Medikament gegen Herz-Kreislauferkrankungen, und das ohne wesentliche Nebenwirkungen!
Im Fall des Falles stehen zusätzlich zahlreiche Medikamente zur Verfügung.

 

Dr. med. Wolfgang Woynar
Facharzt für Allgemeinmedizin
www.hausarzt-bremerhaven.de


Hätten Sie es gewusst?


• In Deutschland gibt es etwa 300.000 Herzinfarkte pro Jahr.
• Makrophagen können durch Einlagerung von Cholesterin die Arteriosklerose einleiten.
• Fibrate führen zu einer Verminderung der Herztodesfälle. Die Gesamtsterblichkeit wird aber nicht gesenkt.
• ASS hemmt die Gerinnselbildung ein wenig. Der Prozess der Arteriosklerose selbst wird nicht beeinflusst.
• Aus einer 10 %igen Einengung eines Herzkrankgefäßes kann sich innerhalb von Minuten ein Herzinfarkt entwickeln. Denn auf eine raue, instabile Ablagerung kann sich unter Umständen sehr schnell ein Gerinnsel aufpfropfen und einen Herzinfarkt verursachen. Hiervor schützt das ASS ein wenig.

Herzinfarkt: beherzigen Sie das 5 - Punkte Programm!

1. Werden Sie unabhängig von der Zigarette!
2. Ernähren Sie sich gesund! Stichwort: Mittelmeerkost (Obst, Gemüse, Salate, Vollkornprodukte, Fisch)
3. Bewegen Sie sich regelmäßig! Sport, der Spaß macht: 2 x / Woche über 30 Minuten.
4. Kontrollieren Sie Ihren Blutdruck! Im Bedarfsfall lassen Sie ihn von Ihrem Hausarzt medikamentös einstellen (< 140 / 80 mmHg).
5. Lernen Sie die Warnsymptome des Herzinfarktes kennen!

Das sollten Sie beachten, wenn Ihr Cholesterin erhöht ist:

• Besprechen Sie mit Ihrem Hausarzt gezielt Ihre Risikofaktoren.
• Welche lassen sich behandeln oder beseitigen, welche nicht?
• Fällen Sie erst dann mit Ihrem Hausarzt eine Entscheidung, ob für Sie ein cholesterinsenkendes Medikament infrage kommt.
• Lassen Sie die Laborwerte alle sechs Monate kontrollieren – bei erhöhten Werten alle drei Monate, bei Verlaufskontrolle/ Behandlung frühestens nach sechs Wochen.
• Ändern Sie allmählich Ihren Speiseplan: Kaufen Sie bewusst ein.
• Vermeiden Sie tierische Produkte mit hohem Fettanteil. Bevorzugen Sie Fisch.
Keine Sorge: gelegentliche Ausrutscher sind keine Katastrophe!

 

Dr. med. Wolfgang Woynar
Arzt und Psychologe
www.hausarzt-bremerhaven.de


Frühstücksei – ja oder nein?

das ist die drängende Frage für gesundheitsbewusste Konsumenten am Frühstückstisch. Immer noch wird in der Ernährungsberatung vielerorts empfohlen, den Verzehr von Eiern einzuschränken. Aus wissenschaftlicher Sicht ist dieser Standpunkt längst überholt.

Cholesterin ist ein lebenswichtiger Stoff für unseren Organismus, wichtiger noch als Vitamine oder Aminosäuren, denn sonst würde nicht jede Zelle selbst Cholesterin herstellen können. Auch das so genannte „böse“ LDL erfüllt eine wichtige Aufgabe.

Ich nenne einige wichtige Funktionen des Cholesterins:
• Je mehr HDL- Cholesterin, desto größer ist der Schutz vor Arteriosklerose.
• Für die körpereigene Vitamin D-Synthese benötigt der Mensch Cholesterin.
• Die für die Fettverdauung wichtigen Gallensäuren werden aus Cholesterin gebildet.
• Cholesterin hält die Zellmembran elastisch.

Wir wissen, dass Fettstoffwechselstörungen das Risiko für die Koronare Herzkrankheit zwar erhöhen, wir wissen aber auch, dass dabei der Gesamtcholesterinspiegel von geringerer Vorhersagekraft als das Verhältnis von LDL zu HDL, bzw. Gesamt-/ HDL- Cholesterin.

Für die Ernährungsberatung wichtig sind somit Lebensmittel hinsichtlich ihrer Wirkung auf das HDL- Cholesterin – weniger auf den Gesamt- Cholesterinspiegel.

Bei den meisten Menschen hat die Höhe der Cholesterinzufuhr und damit auch der Verzehr von Frühstückseiern keinen nennenswerten Einfluss auf den Gesamtcholesterinspiegel. Es ist dabei egal, ob sie ein oder zwei Frühstückseier essen oder keines.

Woran liegt das?
Durchschnittlich wird nur die Hälfte des Nahrungscholesterins im Darm resorbiert. Außerdem bewirkt das Lecithin im Ei eine Resorptionshemmung. Dazu entstehen im Stoffwechsel Oxysterine, welche die körpereigene Cholesterinsynthese hemmen. Zugleich wird Cholesterin vermehrt über den Darm ausgeschieden, sobald die Zufuhr die eigene Syntheserate überschreitet. Die wird durch hohe Substratzufuhr letztlich gehemmt.
Auf diese Weise wird die Cholesterinkonzentration unabhängig von der Nahrungsaufnahme vom gesunden Organismus selbst geregelt.

Nur ein Viertel bis ein Drittel der Bevölkerung antwortet nach einem gesteigerten Eierverzehr mit einem merklichen LDL- Anstieg („Hyperresponder“). Allerdings steigt bei diesen Menschen gleichzeitig auch das HDL- Cholesterin an, somit wird der LDL/HDL – Quotient kaum beeinflusst.
Zahlreiche Studien konnten kein erhöhtes KHK – Risiko allein durch gesteigerte Zufuhr von Nahrungscholesterin oder Eierkonsum bei gesunden Menschen nachweisen.
Also, liebe Leserinnen und Leser, genießen Sie Ihr Frühstücksei.



Dr. med. Wolfgang Woynar
FA Allgemeinmedizin
woynar@hausarzt-bremerhaven.de


DAS CHOLESTERIN- RÄTSEL

Auf die Frage nach der Gefährlichkeit von Cholesterin sind sich alle von mir Befragten, Patienten und Ärzte, einig, dass Cholesterin sehr gefährlich ist - für die Arterien, für das Herz und so weiter und so fort.

Kürzlich sorgte Professor Peter Sawicki für Aufregung an der Cholesterin-Front, weil er 14 große Studien über Cholesterin und Herzinfarkt kritisch überprüft hat. Dabei ist genau dies seine Aufgabe als Präsident des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: die nüchterne Bewertung wissenschaftlicher Fakten. In Sachen Cholesterin kommt er zu dem Schluss: "Man hat früher gedacht, das Cholesterin wäre
der Hauptbösewicht beim Herzinfarkt. Diese Meinung mussten wir in den letzten Jahren revidieren. Es ist nicht so."

"Es ist nicht belegt, dass die Menge des Cholesterins, die wir mit der Nahrung zu uns nehmen, tatsächlich ursächlich verantwortlich ist für Erkrankungen. Das meiste Cholesterin wird ja in der Leber hergestellt. Und dies bedeutet, dass der Körper Mechanismen besitzt, um sich vor einem Cholesterinmangel zu schützen, weil Cholesterin ja ein wesentlicher und wichtiger Bestandteil unseres Körpers ist."

Professor Sawicki hat sich in den Studien den Überblick verschafft: "Der Effekt der Cholesterinsenkung ist so gut untersucht wie kaum etwas in der Medizin. Man kann sagen, dass gesunde Menschen bezüglich einer Lebensverlängerung nicht davon profitieren. Man kann aber auch sagen, dass Menschen, die einen Herzinfarkt schon hatten, oder die eine Herzkranzgefäßerkrankung haben, schon einen Nutzen davon haben: sie leben länger. Es sind aber nicht so viele. Es müssen hundert Menschen behandelt werden, damit zwei länger leben. Nur ist auch nicht belegt, dass diese Menschen tatsächlich durch die Cholesterinsenkung ihr Leben verlängern. Vielmehr gibt es viele Anhaltspunkte dafür, dass die Statine, also die Präparate, die das Cholesterin senken, auch an anderen Stellen des Stoffwechsels wirken. Und es könnte gut sein, dass das Cholesterin gar nichts damit zu tun hat."

Die echten Bösewichte, die krank und dick machen, heißen in Wirklichkeit Bewegungsarmut und Fast Food.

Dr. med. Wolfgang Woynar
FA Allgemeinmedizin
www.hausarzt-bremerhaven.de