Liebe Leserinnen und liebe Leser,

Spitzensport fasziniert Millionen Zuschauer Woche für Woche. Spitzensportler werden bewundert und als Leitfiguren mit Vorbildfunktion vorgeführt und akzeptiert.

Fußballer entpuppen sich als wahre Laufwunder, zudem müssen sie im Wettkampf Nehmer- und Geberqualitäten zeigen, die eigentlich im Kampfsport zu Hause sind. Radprofis bewältigen scheinbar mühelos atemberaubende Steigungen.

Früher reichten Talent, Disziplin und ein guter Trainer. Heute wird gebetsmühlenartig darauf verwiesen, wie wichtig und notwendig das „Team“, das meint ein „professionelles Umfeld“, zum Erreichen von Spitzenzielen sei.

Damit die „Maschine Mensch“ in diesem System wie geölt funktioniert, bedarf es auch eines Mediziners im Trainingsanzug am Rande des Platzes, der für Zuschauer sichtbar ist. Wichtiger dagegen sind Fachleute, die im Hintergrund aktiv sind. Beispiele für deren Effektivität gibt es reichlich.

Da staunt sogar der Fachmann. Selbst bei den schmerzlichsten Traumata geht alles flott seinen sachlichen und fachlichen Gang. Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule? Kein Problem. Zwei Tage später hat der Spezialist aus Hannover bereits operiert.
Im Profisport scheint die medizinische Versorgung ein Traum zu sein.

Fußballer stehen acht Tage nach Muskelfaserrissen wieder auf dem Platz, neuerdings spielen sie schon drei Monate nach Kreuzbandrissen wieder. Mit Neid blickt mancher Kassenarzt auf den Profisport, in dem eine medizinische Maximalversorgung jederzeit gewährleistet ist.

Doch solch eine „Spitzen“ - Medizin wirft auch grundsätzliche Fragen auf, die über den Einzelfall hinausgehen. Nämlich die Frage nach den langfristigen Folgen dieses Vorgehens.

Zum Beispiel: „Was ist höher einzustufen: die Einsatzbereitschaft eines verletzten Sportlers im Zweifelsfall oder dessen langfristige Gesundheit nach der Karriere.“ Die Antwort hängt ab von den unterschiedlichen Interessen aller Beteiligten. Der Verein hat das vorrangige Interesse an sportlicher Höchstleistung seines Angestellten, mit dem Ziel dessen Marktwert zu erhöhen, kurzum Gewinne zu machen. Der Spieler hingegen muss seinen Wunsch nach körperlicher Unversehrtheit diesem Ziele unterordnen.

Oder denken Sie an das leidige Dauerthema „Doping“. Bei der Tour de France fahren ja mittlerweile - so scheint es - ausschließlich Asthmatiker.
Der gigantische Missbrauch von Medikamenten bei Sportlern ist in den Focus der Kritik geraten. Die Übermedikation nicht nur von schmerzstillenden und entzündungshemmenden Substanzen ist an der Tagesordnung. Das kann nicht normal und gesund sein, wenn empfindliche Schäden an Magen und Niere unvermeidliche Folge dieses Handelns sind.

Aktuelles Beispiel der aufgezeigten Problematik ist der Fall Ivan Klasnic, ehemals Profi beim Vize-Meister Werder Bremen. Tragisch mutet an, dass Klasnic nicht an einer sportspezifischen Verletzung litt, sondern an einer spät erkannten Organerkrankung.

Juristen haben zu entscheiden, ob Vereinsärzte die fortschreitende Niereninsuffizienz, die nachfolgenden Operationen (Transplantationen) nötig machte, in grob fahrlässiger Art fehleingeschätzt und durch nierenbelastende Wirkstoffe haben sich verschärfen lassen? Oder ist das medizinische Problem nicht erkannt worden, weil seltsame Blutwerte bei Fußballprofis nicht ungewöhnlich sind? Welche Wertigkeit hat denn ein alarmierender Kreatininwert? Er ist ein Laborbefund, der verlässliche Aussagen über die Unter- und Fehlfunktion des Entgiftungsorgans erlaubt, ein Standard-Parameter.

Die Streitfragen lauten: "Schicksalhafter individueller Krankheitsverlauf"? - oder haben Ärzte individuelle Fehler gemacht? – Oder ist das Ganze systemimmanent und damit unvermeidbar?: Ein Blick in eine Sportwelt, in welcher der Mensch zuerst eine Maschine im Dienste seines Arbeitgebers ist. Denn die Aufgabe eines Vereinsarztes ist ähnlich der von Arbeitsmedizinern in Wirtschaft und Industrie: Die Rendite von Investitionen soll sich auf dem Spielfeld zeigen, nicht im Krankenstand.

Derart kurzfristiges Denken und Handeln kann lebensgefährlich werden.

Spitzenmedizin entpuppt sich zunehmend als eine Medizin, die nicht primär heilen, sondern optimieren bzw. effizienter machen will. Diese Medizin verhält sich zur traditionellen Allgemeinmedizin wie ein Auto-Tuner zur vertrauten Auto-Fachwerkstatt um die Ecke.

Hausärzte sind für ihre Patienten da mit all ihren Sorgen, Nöten und Krankheiten. Ethische Grundlage ihres Handelns ist stets, die ihnen mögliche Hilfe zu leisten. Sie sind Menschen mit großem Engagement, aber mit kleinen Fehlern. Bei dem Arzt Ihres Vertrauens werden Sie nicht als Maschine behandelt. So gesehen mag der Normalsterbliche zwar einige Annehmlichkeiten missen, aber dafür wird er von seinem Hausarzt weder getunt noch repariert, sondern sorgsam behandelt.

Wenn es gesundheitlich ernst wird, brauchen Sie das Glück, menschliche und qualifizierte Ärzte zu finden, die wirklich helfen und heilen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen für Ihre Gesundheit alles Gute,
Ihr Wolfgang Woynar

Herzlichst Ihr Wolfgang Woynar


Wie halten Sie sich fit?

Studien zufolge steigt bei nicht Austrainierten nach rund 40 Minuten Trainingsdauer das orthopädische Risiko.
Die Fähigkeiten der Bewegungsteuerung scheinen müde zu werden. Damit steigt die Gefahr von Fehlbelastungen und Überlastungen.
An den Sehnenansatzstellen treten Reizerscheinungen auf, Läufer knicken leichter um oder rutschen aus.
Trainingseinheiten, die eine Dreiviertelstunde dauern, gelten als ideal für nicht Austrainierte.
Dann ist das orthopädische Risiko kalkulierbar und der leistungsphysiologische Effekt für Herz und Kreislauf optimal.

Falls Sie auf ein bestimmtes Ziel trainieren, ist es wissenswert, dass es Monate dauert, bis Sehnen dicker, elastischer und insgesamt belastungsfähiger geworden sind. Damit man ohne Überlastungsverletzung zehn Kilometer laufen kann, braucht man drei Monate Training. Bei 20 Kilometern sind es entsprechend sechs Monate, bei einer Marathonstrecke ein Jahr.

Sollen die lästigen, überflüssigen Pfunde purzeln, ist beim Laufen Geduld zu bewahren. Denn wer Vollgas gibt, verbrennt kein Fett. Bei höheren Belastungsintensitäten werden vor allem Kohlenhydrate verbraucht. Experten gehen davon aus, dass bei Untrainierten die Fettverbrennung erst nach 20 Minuten in einem nennenswerten Umfang stattfindet. Um Pfunde los zu werden, sollten Sie rund eine Dreiviertelstunde laufen. Diese lange Belastungsdauer setzt voraus, dass Sie die Belastungsintensität entsprechend reduzieren. Sie sollte die Schwelle von 130 Pulsschlägen pro Minute nicht überschreiten.

Eine mittlere Trainingsintensität von etwa 60 bis 65 Prozent der maximalen Leistungsfähigkeit, bei gutem Trainingszustand auch etwas höher, gilt unter Sportmedizinern als optimal, um den Fettstoffwechsel anzuregen. Für Hobbyläufer ist eine Pulsuhr empfehlenswert. Der allgemeine Ratschlag des Sportmediziners lautet: "Sie sollten ruhig und gleichmäßig atmen und noch in der Lage sein, sich mit einem Partner ohne Anstrengung zu unterhalten.“

Regelmäßiges Training wirkt sich nicht nur auf den Kreislauf und die Körpermasse aus - auch das Gemüt kommt ins Gleichgewicht. Sport macht uns ausgeglichener. Und wer häufig trainiert, bei dem ist die Ausgeglichenheit dauerhaft. Aber dieser Effekt braucht immer wieder eine Dosis. Wenn sie mehr als drei oder vier Tage pausieren, geht ein Teil dieser vegetativen Dämpfung verloren.


Viel Erfolg bei Ihren Bemühungen.

Dr. med. Wolfgang Woynar
Facharzt für Allgemeinmedizin, Sportmedizin
woynar@hausarzt-bremerhaven.de


„Laufe, staune, gute Laune“

Kommerzielle Wellness - Angebote gibt es massenhaft. Nicht nur Fitnessstudios oder Hotels bieten vorbeugende Gesundheitsprogramme an. Zumeist mit der Anpreisung:
„Sich gut fühlen - gut drauf sein, vital und gesund“. Doch was bedeutet das konkret?

Wellness bedeutet die harmonische Kombination von körperlicher Aktivität und angenehmer körperlich-geistiger Entspannung. Dafür ist zwingend notwendig ein Minimum an körperlicher Aktivität. Dieses Minimum ist medizinisch einigermaßen exakt wissenschaftlich definiert: Der 40-jährige Durchschnittsdeutsche etwa, der keinen Sport treibt, muss täglich 300 bis 400 Kilokalorien mehr verbrennen, um biologischen Grundgesetzen zu gehorchen, die da lauten: Gesundheits- und Leistungszustand eines Organismus werden bestimmt vom Erbgut, von der Umwelt sowie von der Qualität und Quantität der muskulären Beanspruchung. Die ist die Grundvoraussetzung für das gesamte Leben im Zuge der Jahrmillionen umfassenden Evolution und Selektion.

Beim erwachsenen Menschen dient körperliche Aktivität dazu, zahlreichen Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen sowie Krankheiten am Halte- und Bewegungsapparat vorzubeugen. Und auch, wie wir seit kurzem wissen, einer ganzen Reihe von Krebserkrankungen. Beim älteren und alten Menschen schließlich ist körperliche Aktivität die einzige wissenschaftlich gesicherte Möglichkeit, sich funktionell jünger zu erhalten, als es dem Geburtsdatum entspricht.

Zur Erinnerung und zum besseren Verständnis: es gibt fünf körperliche Beanspruchungsmöglichkeiten überhaupt. Erstens Koordination, zweitens Flexibilität, drittens Kraft, viertens Ausdauer, fünftens Schnelligkeit. Vier davon sind unbedingt nötig, eine ist überflüssig, die Schnelligkeit. Die brauchen wir für gesundheitliche oder gar Wellness- Zwecke überhaupt nicht. Also Sprint, Wurf, Stoß, Sprung, Schlag können wir, gesundheitlich gesehen, verlachlässigen.

Ein wichtiger, zusätzlicher Aspekt für unsere Kinder lautet: Durch körperliche Betätigung können wir sehr wohl den Geist schulen. Pädagogen weisen zu Recht darauf hin, dass Bewegung im Kindesalter enorm wichtig ist. Weil wir heute wissen, dass durch genügend Bewegung im Kindesalter eine Fülle von zusätzlichen Verbindungen im Gehirn entstehen. Und die haben wir ein Leben lang als Ressource zur Verfügung - in Gestalt von Intelligenz.

Bei der Vielzahl von den angebotenen Wellness- Programmen ist folgende Frage entscheidend: Sind Sie gesund, oder sind Sie nur eingeschränkt gesund? Der Gesunde kann tun und lassen, was er will. Die anderen dagegen müssen in Abhängigkeit vom Alter, Geschlecht und individuellen Krankheitsbefund - Herz-Kreislauf, Zucker, Übergewicht, Raucher - ihre körperlichen Beanspruchungen qualitativ und quantitativ dosieren. Für „Neueinsteiger“ ist eine sportmedizinische Untersuchung stets empfehlenswert.

Welche Minimalanforderungen sollte ein Wellness- Suchender an den Anbieter stellen, sei es ein Fitnessstudio, sei es ein Hotel?
Zunächst sollte dieser die hier genannten Beanspruchungen anbieten können. Zweitens ein statisches Krafttraining in geringer Dosierung für die größten und wichtigsten Muskelgruppen. Und Drittens ein Training für die gesamten inneren Organe, speziell Herz-Kreislauf .

Der Gast sollte dosierbare Belastungen vornehmen können. Es muss ein Pulsfrequenzmesser vorhanden sein und idealerweise jemand zur Verfügung stehen, der Laktatmessungen vornehmen kann. Der Milchsäurewert beim Training sollte nicht höher als zwei Millimol, im äußersten Fall 2,5 Millimol pro Liter Blut sein.

Hoch im Kurs stehen Massagen in der Wellness-Welt. Zur Wellness gehört Massage einfach dazu. Nicht im Sinne der Förderung körperlicher Aktivität, sondern um das Wohlgefühl zu steigern.
Auch exotische Exerzitien, die modischen fernöstlichen Praktiken wie Ayurveda, Qi Gong oder Reiki sind empfehlenswert. Denn selbst einfache Bewegungsübungen fördern die psychische Entspannung. Denn Wissenschaftler haben nachweisen können, dass jede kleinste Anregung der Hirndurchblutung automatisch zu einer Mehrproduktion von hunderten biochemischer Substanzen führt. Der Stellenwert von emotionalen, mentalen Auswirkungen - Stichwort: Wohlgefühl – gewinnt zunehmend an Bedeutung.
In der Gehirnforschung unterscheiden wir heute ganz verschiedene biochemische Wege, auf denen durch Veränderung des Stoffwechsels die Psyche, also: die Stimmung, verbessert wird. Darum wird mit Wohlgefühl belohnt, wer sich etwa körperlich betätigt, egal in welcher Form. Hinterher sieht er Probleme, die vorher riesig erschienen, in verkleinerter Dimension - auch das hängt mit bestimmten chemischen Vorgängen zusammen. So erklären sich auch die beruhigende Wirkung in Verbindung mit Musik und Düften.

Dr. med. Wolfgang Woynar
Facharzt für Allgemeinmedizin,
Sportmedizin
www.hausarzt-bremerhaven.de