Liebe Leserinnen und liebe Leser,

Der neuen Bundesregierung haben wir Wähler einen doppelten Auftrag gegeben. Wir fordern soziale Gerechtigkeit. Aber wir wollen auch Reformen. Die sind genauso wichtig.
Gesundheitspolitik darf sich nicht auf einen Minimalkonsens auf der Basis bisheriger Programme beschränken. Wir brauchen einen neuen Ansatz.

Wir brauchen mehr Wettbewerb auf allen Ebenen.
Zum Beispiel: nahezu neunzig Prozent der Bevölkerung sind gesetzlich versichert in einem fast einmaligen Sachleistungssystem. Überall sonst in Europa gibt es das Kostenerstattungssystem.

In unserem Gesundheitswesen gibt es erhebliche Widersprüchlichkeiten:
Wettbewerb und Gleichmacherei, Nivellierung und Einheitsversicherung passen nicht zusammen. Wettbewerb verlangt klare Regeln und Kontrolle des Gesundheitsmarktes.
Haus- und Fachärzte ebenso wie Kliniken müssen sich der Frage stellen, ob die Qualität stimmt. Die Krankenkassen konkurrieren miteinander nicht nur über die Beitragshöhe, sondern auch das Leistungsangebot. Den Beitragszahler interessiert nicht, ob Krankenkassen - warum auch immer - ein Einnahmeproblem haben oder ein Ausgabenproblem. Gleichwohl müssen wir Bürger lernen, dass der Zug weg von der Versorgungsmentalität zu mehr Eigenverantwortung geht. Der Zusammenhang von Kosten und Leistung erzwingt diesen Umdenkungsprozess.

Viele Menschen haben die Konsequenzen noch nicht in vollem Umfang „verstanden“.
Das liegt zum einen daran, dass „abstraktes“ Verstehen das Eine ist. Etwas völlig Anderes ist es, etwas zu begreifen, zu akzeptieren - zumal, wenn es ganz persönlich „trifft“. Um die zukünftigen Reformen zu schlucken, brauchen alle Beteiligten einen wirklich gesunden Verdauungstrakt.

Aus Patientensicht fällt die fehlende Transparenz auf.
Was ist ambulant, (teil-) stationär? Wozu sind Disease Management Programme (DMP) gut? Welche Vorteile bringen Wettbewerb bei Krankenkassen, Leistungsanbietern, oder Festbeträge bei Medikamenten? Warum muss ich bestimmte Wunschleistungen, wie etwa Glaukomuntersuchung beim Augenarzt, Ultraschall beim Frauenarzt, Knochendichtemessung beim Orthopäden, und vieles andere selbst zahlen?

Der Patient weiß gar nicht mehr, was und wem er glauben soll.
Einerseits werden mit hohem Kostenaufwand zunehmend Bonussysteme, Präventions- und „Disease - Management“ - Programme angeboten. Andererseits werden „Individuelle Gesundheits- Leistungen“ (IGeL) platziert. Als Patient erwarten Sie zusätzlichen NUTZEN für Ihre Gesundheit. Und Sie fragen: „Wie viel Arzt braucht der Mensch eigentlich?“ Unklar bleibt, wie viel an Fürsorge einem noch zusteht und wie viel „Gesundheit“ man sich auf Dauer noch wird leisten können.

Der Patient schießt wie eine Flipperkugel durch das System. Er sucht nach Orientierung und beklagt Undurchsichtigkeit. Früher war alles einfacher, übersichtlicher. Die Folge ist eine tief gehende Verunsicherung bei Patienten. Aber auch bei Ärzten. Denn deren originärer ärztlicher Auftrag geht weit über begrenzt definierte „Kassen-Leistungen“ hinaus.

Die vielzitierte „Selbstverantwortung“ stellt für den Patienten nicht selten eine Überforderung dar, denn, liebe Leserinnen und Leser, gehen wir nicht gerade deshalb zum Arzt, um Näheres über unsere Beschwerden zu erfahren? Wo früher freier Zugang zu allen „Segnungen“ der modernen Medizin bestand, müssen Sie heute selbst entscheiden, ob sie krank genug sind, zum Arzt gehen zu „dürfen“. Der Krankenkassenbeitrag etwa wird so verstanden: „Damit erlange ich die Berechtigung zum Arztbesuch, zu unbegrenzter Diagnostik und Behandlung“. Aber in der Arzt - Praxis ist noch längst nicht klar, was Ihnen zusteht. Das stellt eine völlig neue Erfahrung dar.

Jahrzehntelang drückte sich die Politik um konfliktträchtige Entscheidungen zur Reform des Gesundheitswesens. Aktuell ist der Streit um Bürgerversicherung oder Prämienmodell verschoben, aber nicht aufgelöst. Die scheinbar klaren Alternativen sollen in der großen Kompromiss-Koalition kompatibel gemacht werden. „Gesundheit modernisieren“ heißt folglich weiterhin den „Markt für medizinische Dienstleistungen“ mit politischen Mehrheiten neu zu regulieren.

Die Folgen des gesellschaftlichen Wertewandels:
1. Ärzte arbeiten im Bereich der GKV unter Berücksichtigung der Kosten mit eingeschränkter Therapiefreiheit. Stand von Forschung und Technik, der eigene Wissensstand und Praxis- oder Klinikausrüstung sowie Berufsethos sind unter den Aspekten „wirtschaftlich, angemessen, notwendig, zweckmäßig“ zu berücksichtigen.
2. Die Versicherten können nicht die optimale Versorgung einfordern. So sehr sie sich auch durch ihre Pflichtbeiträge dazu berechtigt fühlen. Trotz zusätzlichem finanziellen Eigenanteil.
3. Die Krankenkassen als Kostenträger können ständig steigende Ausgaben nicht mehr relativ problemlos abwälzen.
4. Arzneimittelhersteller müssen ihre Forschungsbemühungen bündeln, das heißt Fusion, um weiter im Markt bestehen zu können.

Eine weitere Kernfrage lautet: Was ist sozial gerecht? - Wie lässt sich Gerechtigkeit sozial verträglich organisieren? Mein Eindruck ist: Der moderne Sozialstaat hat die Grenzen zwischen Gerechtigkeit und Solidarität verwischt.

  • Gerechtigkeit herrscht dann, wenn jeder nur nach dem verlangt, was ihm zusteht, und wenn er wirklich erhält, worauf er ein Anrecht hat.
  • Es braucht einen Grundkonsens, dem nicht nur die Nehmenden zustimmen. Der Grundkonsens muss auch von den Gebenden akzeptiert werden.
  • Hilfe in Not ist eine zentrale Frage von Solidarität. Rechte gründen nicht nur auf Bedürfnissen.
  • Wir leben auf Kosten der nächsten und übernächsten Generation.
  • Egoismus ist auch ein Ergebnis verstaatlichter Fürsorge. Alltägliche Solidarität findet nahezu unbemerkt statt in Familie und Nachbarschaft, bei Millionen ehrenamtlicher Helfer und privaten Freundschaften.

    Zwar ist die finanzielle Belastbarkeit ausgeschöpft, bedeutsamer aber ist für mich die Notwendigkeit in Zukunft die vorhandenen Ressourcen für mehr Qualität zu nutzen. Vorurteilsfrei, tolerant, sachgerecht und ohne Gehirnprothesen.

     

    Für Ihre Gesundheit alles Gute
    wünscht Ihr Wolfgang Woynar

     

    Herzlichst Ihr Wolfgang Woynar


    Aus der täglichen Praxis


    Millionen Menschen leiden an Rheuma und Arthrose. Viele aber leiden nicht nur an ihrer schmerzhaften Krankheit, sondern sie leiden außerdem auch an den Nebenwirkungen der dauerhaft eingenommenen „Rheumamittel“. Zusätzlich werden häufig „Schmerzmittel“ genommen. Die pharmalogischen Wirkweisen sind höchst unterschiedlich.
    Zum Beispiel nehmen viel Rheumakranke ASS (Acetylsalicylsäure), Ibuprofen, Diclofenac, oder anderes. Einzeln sind die Substanzen hilfreich. Etwa bei Verschleiß des Gelenkknorpels im Alter - der Arthrose - hilft es. Gefahr droht bei Mehrfachverordnungen und, wenn es zusätzlich zu diversen freiverkäuflichen Schmerzmittel genommen wird. Logische Folge: ein solcher Medikamenten-Mix erhöht die Gefahr von Komplikationen.
    In der täglichen Praxis wird vielfach die Frage gestellt: Ist Rheuma heilbar?
    Die Antwort ist folgende: es gibt viele Formen von Rheuma, die vorübergehend auftreten und wieder vollständig ausheilen können: beispielsweise eine „Sehnenscheidenentzündung“ oder der „Tennisellbogen“. Dagegen hat die „rheumatoide Arthritis“ meist einen chronischen Verlauf, sie ist sehr wohl behandelbar, aber nicht heilbar. Seien Sie vorsichtig, liebe Leserinnen und Leser, wenn Ihnen jemand "Heilung" verspricht! Die „Arthrose“ - Folge von Alterung und Verschleiß - ist natürlich auch nicht heilbar, aber glücklicherweise ist längst nicht jede Arthrose immer mit Schmerzen verbunden.

    Patienten wollen häufig wissen: Ist Kortison schädlich?
    Kortison ist ein körpereigenes Hormon, eine Substanz, die der Körper selber in der Nebenniere produziert. Dieses Hormon ist lebenswichtig. Kortison beziehungsweise seine nahen verwandten Stoffe haben aber auch eine stark entzündungshemmende Wirkung, die therapeutisch genutzt wird. Kortison wurde in den 30er Jahren entdeckt und anfänglich viel zu kritiklos eingesetzt. Es wirkte wie ein Wunder, dass langjährig bettlägerige Polyarthritis-Patienten dank Kortison wieder gehfähig wurden. Leider bemerkte man bald, dass Kortison erhebliche Nebenwirkungen haben kann, wenn es über Monate in hohen Dosen verwendet wird: es führt zu Gewichtszunahme, zu Knochenschwund (Osteoporose), zu einer Verschlechterung des Zuckerstoffwechsels, zu dünner Haut, zu hohem Blutdruck und zu Augenschädigungen. Heute haben wir aber gelernt, mit dieser Substanz vernünftig umzugehen und ihre Vorteile zu nutzen, ohne großen Schaden anzurichten. Für viele akute Situationen ist der vernünftige, kurzfristige Einsatz von Kortisonpräparaten nach wie vor richtig. Einige wenige Krankheiten können nur mit Kortison behandelt werden, so beispielsweise die Polymyalgia rheumatica (entzündlicher Muskelrheumatismus).
    Ich erkläre meinen Patienten jeweils: es ist wie beim Alkohol, nicht die Substanz allein ist giftig, sondern die Dosis entscheidet, ob jemand ein Genießer ist oder zum Alkoholiker wird. So ist es ein großer Unterschied, ob jemand in größeren Abständen eine Kortisonspritze benötigt oder das Präparat über Monate in hoher Dosierung einnehmen muss.

    Eine andere oft gestellte Frage lautet: Wie sicher sind neue Rheumamittel, die selektiven COX-2- Hemmer? In Studien zeigt sich, dass die neuen Rheumamittel in der Lage sind, schwerwiegende Komplikationen (gravierende Blutungen, Perforationen) auf etwa die Hälfte zu reduzieren im Vergleich zu den älteren Medikamenten. Nicht gefährliche, oft aber auch störende Nebenwirkungen sind fast gleich häufig wie bei den älteren Rheumamitteln.
    Auch bei diesen Medikamenten ist Vorsicht geboten bei schwer einstellbarem hohem Blutdruck, bei eingeschränkter Herzleistung und bei eingeschränkter Nierenfunktion!
    Rheumamittel in vielfältiger Form und Farbe gibt es von zahlreichen Firmen – ein heißumkämpfter Markt. Ein lukratives Milliardengeschäft. Viele werden frei verkäuflich am Ladentisch angeboten. Jedermann sollte wissen: Keine Wirkung ohne Nebenwirkung.
    Kein Medikament ist frei von unerwünschten Nebenwirkungen, es sei denn: es besitzt gar keine Wirkung!

    Dr. med. Wolfgang Woynar
    FA Allgemeinmedizin-Sportmedizin
    www.hausarzt-bremerhaven.de


    Wissenswertes zum Thema „Osteoporose“

    Das Wort „Osteoporose“ kommt aus dem Griechischen. „Osteon“ heißt Knochen, „Poros“ ist die Pore. So setzt sich der Begriff „poröser Knochen“ zusammen.

    Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass nur Frauen nach den Wechseljahren Osteoporose bekommen. Es sind zwar vor allem ältere Frauen, die Osteoporose bekommen. Doch rund ein Drittel aller Knochenschwund-Patienten, also in Deutschland etwa zwei Millionen, sind Männer.

    Die Ursache für Osteoporose ist immer ein Ungleichgewicht im Aufbau und Abbau des Knochens. Sinkt mit den Jahren der Östrogen- von Frauen oder der Testosteronspiegel von Männern, steigt das Risiko, Osteoporose zu bekommen. Allerdings erkranken viele bereits früher, ab etwa 35 Jahren. Verschiedene Risikofaktoren begünstigen den zu schnellen Knochendichteverlust.

    Übergewichtige Menschen sind nicht besonders gefährdet, Osteoporose zu bekommen. Übergewichtige Menschen haben zwar ein erhöhtes Risiko für Hüft-, Knie- und Fußarthrose, weil die vielen Kilos diese Gelenke zu stark belasten. Osteoporose bekommen sie allerdings so gut wie nie.

    Kalzium ist der wichtigste Knochenbaustein, den wir mit der Nahrung aufnehmen. Der Mineralstoff ist unersetzlich für starke Knochen, weil er dessen Grundsubstanz ist. Daneben spielt er aber auch eine lebenswichtige Rolle für die Reizleitung der Nerven, den Stoffwechsel und die Blutgerinnung. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sollte man täglich 1000 bis 1500 Milligramm Kalzium zu sich nehmen. Magnesium dagegen spielt für die Knochenqualität kaum eine Rolle. Dieser Mineralstoff ist u. a. verantwortlich für die Muskelspannung.

    Die besten Kalziumquellen sind Milch und Milchprodukte. Vollmilch und Magermilch haben den gleichen Kalziumgehalt. Käsesorten mit einem geringen Fettanteil enthalten sogar mehr Kalzium als fettere Sorten (Parmesan mit 32 Prozent bietet 1400 mg Kalzium/100 Gramm, Emmentaler mit 45 Prozent liefert 1200 mg Kalzium/100 Gramm). Deshalb sind Magermilch und –produkte hervorragende kalorienarme Kalziumspender.

    Sehr schlanke Menschen haben ein hohes Osteoporose-Risiko. Wer sehr schlank ist, also einen BMI (Body Mass Index) unter 20 hat, ist stark gefährdet. Durch das Untergewicht ist der gesamte Organismus, also auch der Knochen ungenügend ernährt. Die Knochenqualität und damit -dichte ist schlecht.

    Karotten sind ein wichtiger Kalziumlieferant. 100 Gramm Karotten enthalten rund 250 Milligramm Kalzium – und außerdem eine Menge wertvolles Beta-Carotin, den Powerstoff für das Immunsystem.

    Bewegung ist neben Kalzium der wichtigste Faktor für gesunde, starke Knochen. Die körperliche Tätigkeit aktiviert Muskeln und Sehnen, die dabei einen Reiz auf den Knochen ausüben und ihn auf diese Weise zum Wachsen anregen.

    Was ist eines der ersten Anzeichen von Osteoporose?
    Osteoporose bereitet anfangs keine Schmerzen. Sie schreitet unmerklich voran und wird oft erst dann entdeckt, wenn der erste Bruch passiert. Die Knochen sind dann bereits so porös, dass z. B. ein Stolpern ausreicht, um Bein oder Arm oder ein starker Hustenanfall, um Rippen zu brechen.

    Falsch ist die Aussage, dass Östrogene, also die Therapie mit Ersatzhormonen, das Mittel der Wahl für Frauen mit Osteoporose ist. Studien haben gezeigt, dass die Hormonersatztherapie Herzerkrankungen und Brustkrebs begünstigen kann. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) entschied deshalb, dass Hormone zur Vorbeugung von Osteoporose nur noch Frauen verordnet werden, die stark knochenbruchgefährdet sind und andere Behandlungsmöglichkeiten nicht vertragen.

    Spezielle Medikamente können Osteoporose aufhalten und den Knochen sogar wieder zum Wachsen anregen.Es gibt drei Medikamentengruppen, die den Knochenabbau bremsen und damit den Aufbau anregen können: Bisphosphonate, SERMs (selektive Östrogen Rezeptor Modulatoren) und Parathormone. Als Basistherapie verordnet der Arzt Kalzium und Vitamin D, die natürlichen Knochenbausteine.

    Dr. med. Wolfgang Woynar
    www.gesundheitsforum-bremerhaven.de


    Die wichtigsten Arthroseformen:


    * Die Hüftgelenks- oder Coxarthrose bezeichnet eine angeborene oder durch falsche Haltung – Fehlstellungen und Achsenabweichungen (O- und X-Beine) – erworbene Überlastung und Abnutzung des Hüftgelenks.

    Als Sport empfohlen: Radfahren, Schwimmen, Gymnastik.

    * Die Kniegelenkarthrose ist eine der häufigsten Gelenkerkrankungen. Warum daran Frauen etwa viermal häufiger als Männer erkranken ist allerdings nicht bekannt. Hilfreich sind gut trainierte Beinmuskeln, denn die sichern die Gelenkführung und schützen den Knorpel. Im Prinzip gilt, dass man jede Belastung sofort beendet und vermeidet, wenn sie zu schmerzen beginnt.

    * Unter Fingergelenkarthrose leiden besonders viele Frauen. Da sich die Finger sichtbar stark deformieren, verstärkt sich der Leidensdruck zusätzlich. Alle Tätigkeiten mit den Händen sind stark eingeschränkt und ständige Schmerzen beeinträchtigen weiter. Auch hier gilt: Überbelastung vermeiden! Sportarten wie Volley- oder Basketball, Tennis, Ski, Rudern sind ungeeignet. Besser: Schwimmen, Joggen, Wandern, Radfahren.

    * Die Wirbelsäulenarthrose ist äußerlich kaum zu erkennen, denn die insgesamt 48 Gelenke liegen versteckt. Häufig wird die Wirbelsäule starken Belastungen ausgesetzt, sei es durch schwere Arbeit, Sport oder durch Über- und Fehlbelastung. Ausgehend von der Wirbelsäule strahlen Schmerzen oft in Arme oder Beine aus.

    Radfahren, Rückenschwimmen und Spazierengehen belastet wenig und garantiert dennoch die notwendige Bewegung.

    * Das beweglichste Gelenk unseres Körpers ist das Schultergelenk. Schon deshalb ist die Gefahr von Fehl- und Überbelastungen sehr groß, Verschleißerscheinungen sind programmiert. Bewegung in Maßen ist auch hier wichtig. Vor allem sollten einseitige Belastungen vermieden werden – sonst geht eines Tages auch hier nichts mehr „reibungslos“.



    Dr. med. Wolfgang Woynar
    FA Allgemeinmedizin-Sportmedizin
    www.gesundheitsforum-bremerhaven.de


    Mein Rat bei Arthrosen: Viel Bewegung bei geringer Belastung!


    Mindestens fünf Millionen Menschen leiden allein in Deutschland an Gelenkverschleiß. „Damit müssen Sie einfach leben.“ Da ist man natürlich geschockt, wenn man das gesagt bekommt. Dennoch gibt es einige Möglichkeiten, das Leiden zu lindern.

    Arthrosen sind degenerative, d.h. verschleißbedingte Erkrankungen der Gelenke und in die große „Familie“ der Rheumaerkrankungen einzuordnen. Arthrose meint zunächst keine Entzündung, sondern den langsamen Abbau des Gelenkknorpels, dem wichtigen „Stoßdämpfer“ zwischen den Gelenken, den Stellen, an denen Knochenenden aufeinandertreffen. Wird der Puffer zerstört, reiben die Knochenenden aneinander und reiben sich dadurch ab. Zwar bilden sich neue Knochensubstanzen, doch die führen zu Versteifungen und Auswachsungen, die das Gelenk deformieren.

    Entscheidend ist, dass zerstörter Knorpel sich nicht mehr regeneriert. Lebenslang haben wir nur einen Satz dieser wartungsfreien „Stoßdämpfer“.
    Die schleichende Verschlechterung erfolgt, weil die Betroffenen sich wegen ihrer Beschwerden immer weniger bewegen.
    Die Folge: die Muskulatur wird schwächer, das Gelenk immer unbeweglicher.
    Zudem birgt weniger körperliche Aktivität die Gefahr deutlich an Gewicht zuzulegen.
    Ein Teufelskreis: das Gelenk wird noch mehr belastet und macht mehr Beschwerden.

    Dr. med. Wolfgang Woynar
    Arzt für Allgemeinmedizin-Sportmedizin
    www.hausarzt-bremerhaven.de


    Tipps für Rheumatiker


    • Essen Sie nicht mehr als zwei Fleischmahlzeiten pro Woche. Verzichten Sie auf Wurst und Innereien.

    • Planen Sie zwei- bis dreimal wöchentlich eine Fischmahlzeit ein.

    • Keine Mahlzeit ohne Grünzeug. Essen Sie täglich frisches Obst und Gemüse.

    • Verzichten Sie auf Speck, Butter und Schweineschmalz. Verwenden Sie stattdessen Pflanzenöle, Diät- und Sonnenblumemargarine.

    • Stärken Sie Ihre Knochen täglich mit einem halben Liter fettarmer Milch oder einer großen Portion Quark, Joghurt oder zwei Scheiben Käse.

    • Eigelb ist nicht „das Gelbe vom Ei“: maximal zwei pro Woche.

    • Essen Sie ballaststoffreich. Vollkornnudeln, Naturreis und Kartoffeln machen satt, aber nicht dick.

    • Trinken Sie mindestens zwei Liter täglich. Meiden Sie Alkohol.

    • Kontrollieren Sie Ihr Gewicht. Übergewicht belastet entzündete Gelenke zusätzlich.


    Welche Behandlungsstrategien gibt es?


    Ziel der Behandlung ist es, die Entzündungsaktivität während der Schübe zu drosseln und die Abstände zu verlängern. Da die Gelenke in den ersten drei bis fünf Jahren die schwersten, meist unwiderruflichen Schäden davontragen, ist eine frühzeitige und kompetente Behandlung für die weitere Lebensqualität von entscheidender Bedeutung. Notwendig sind langfristige, regelmäßige und gezielte Maßnahmen:

    Medikamente: sogenannte Basistherapeutika mit entzündungshemmenden Eigenschaften: nicht-steroidale Antirheumatika (NSRA), Cortison u.v.a.

    Bewegung: um Schmerzen zu vermeiden, neigt jeder dazu, die Gelenke zu schonen - mit fatalen Folgen!

    physikalische Therapie (Wärme, Kälte, Massagen, Elektrotherapie), Krankengymnastik und Ergotherapie

    operative Therapie: z.B. Korrekturoperation bei Gelenkfehlstellungen oder Funktionseinschränkungen, Gelenkersatz.

    Psychotherapie: zusätzlich und begleitend sinnvoll, wenn die Schmerzen unerträglich werden und der Patient durch seine Krankheit depressiv wird
    (Schmerzbewältigung und Entspannungstraining).


    Gut für Ihre Knie:


    • Verringern Sie Ihr Gewicht
    • Entlasten Sie Ihre Kniegelenke
    • Tragen Sie keine schweren Lasten
    • Vermeiden Sie langes Stehen und Gehen
    • Tragen Sie Schuhe mit flachen Absätzen
    • Gehen Sie auf weichen Sohlen
    • Vermeiden Sie starke Kniebeugen
    • Betreiben Sie kniefreundliche Sportarten
    • Trainieren Sie täglich Ihre Beinmuskulatur


    Millionen Menschen leiden an Rheuma und Arthrose.

    Viele aber leiden nicht nur an ihrer schmerzhaften Krankheit, sondern sie leiden außerdem auch an den Nebenwirkungen der dauerhaft eingenommenen „Rheumamittel“. Zusätzlich werden häufig „Schmerzmittel“ genommen. Die pharmalogischen Wirkweisen sind höchst unterschiedlich.
    Zum Beispiel nehmen viel Rheumakranke ASS (Acetylsalicylsäure), Ibuprofen, Diclofenac, oder anderes. Einzeln sind die Substanzen hilfreich. Etwa bei Verschleiß des Gelenkknorpels im Alter - der Arthrose - hilft es. Gefahr droht bei Mehrfachverordnungen und, wenn es zusätzlich zu diversen freiverkäuflichen Schmerzmittel genommen wird. Logische Folge: ein solcher Medikamenten-Mix erhöht die Gefahr von Komplikationen.
    In der täglichen Praxis wird vielfach die Frage gestellt: Ist Rheuma heilbar?
    Die Antwort ist folgende: es gibt viele Formen von Rheuma, die vorübergehend auftreten und wieder vollständig ausheilen können: beispielsweise eine „Sehnenscheidenentzündung“ oder der „Tennisellbogen“. Dagegen hat die „rheumatoide Arthritis“ meist einen chronischen Verlauf, sie ist sehr wohl behandelbar, aber nicht heilbar. Seien Sie vorsichtig, liebe Leserinnen und Leser, wenn Ihnen jemand "Heilung" verspricht! Die „Arthrose“ - Folge von Alterung und Verschleiß - ist natürlich auch nicht heilbar, aber glücklicherweise ist längst nicht jede Arthrose immer mit Schmerzen verbunden.

    Patienten wollen häufig wissen: Ist Kortison schädlich?

    Kortison ist ein körpereigenes Hormon, eine Substanz, die der Körper selber in der Nebenniere produziert. Dieses Hormon ist lebenswichtig. Kortison beziehungsweise seine nahen verwandten Stoffe haben aber auch eine stark entzündungshemmende Wirkung, die therapeutisch genutzt wird. Kortison wurde in den 30er Jahren entdeckt und anfänglich viel zu kritiklos eingesetzt. Es wirkte wie ein Wunder, dass langjährig bettlägerige Polyarthritis-Patienten dank Kortison wieder gehfähig wurden. Leider bemerkte man bald, dass Kortison erhebliche Nebenwirkungen haben kann, wenn es über Monate in hohen Dosen verwendet wird: es führt zu Gewichtszunahme, zu Knochenschwund (Osteoporose), zu einer Verschlechterung des Zuckerstoffwechsels, zu dünner Haut, zu hohem Blutdruck und zu Augenschädigungen. Heute haben wir aber gelernt, mit dieser Substanz vernünftig umzugehen und ihre Vorteile zu nutzen, ohne großen Schaden anzurichten. Für viele akute Situationen ist der vernünftige, kurzfristige Einsatz von Kortisonpräparaten nach wie vor richtig. Einige wenige Krankheiten können nur mit Kortison behandelt werden, so beispielsweise die Polymyalgia rheumatica (entzündlicher Muskelrheumatismus).
    Ich erkläre meinen Patienten jeweils: es ist wie beim Alkohol, nicht die Substanz allein ist giftig, sondern die Dosis entscheidet, ob jemand ein Genießer ist oder zum Alkoholiker wird. So ist es ein großer Unterschied, ob jemand in größeren Abständen eine Kortisonspritze benötigt oder das Präparat über Monate in hoher Dosierung einnehmen muss.

    Eine andere oft gestellte Frage lautet: Wie sicher sind neue Rheumamittel, die selektiven COX-2- Hemmer? In Studien zeigt sich, dass die neuen Rheumamittel in der Lage sind, schwerwiegende Komplikationen (gravierende Blutungen, Perforationen) auf etwa die Hälfte zu reduzieren im Vergleich zu den älteren Medikamenten. Nicht gefährliche, oft aber auch störende Nebenwirkungen sind fast gleich häufig wie bei den älteren Rheumamitteln.
    Auch bei diesen Medikamenten ist Vorsicht geboten bei schwer einstellbarem hohem Blutdruck, bei eingeschränkter Herzleistung und bei eingeschränkter Nierenfunktion!
    Rheumamittel in vielfältiger Form und Farbe gibt es von zahlreichen Firmen – ein heißumkämpfter Markt. Ein lukratives Milliardengeschäft. Viele werden frei verkäuflich am Ladentisch angeboten. Jedermann sollte wissen: Keine Wirkung ohne Nebenwirkung.
    Kein Medikament ist frei von unerwünschten Nebenwirkungen, es sei denn: es besitzt gar keine Wirkung!

    Für Ihre Gesundheit alles Gute
    wünscht Ihr Wolfgang Woynar

    Herzlichst Ihr Wolfgang Woynar