Liebe Leserinnen und Liebe Leser,

„Was man sich nicht erklären kann, sieht man für Rheumatismus an”, schrieb mit spitzer Feder schon Wilhelm Busch. Und tatsächlich: Rheuma hat viele Gesichter. Für den Laien ist der Begriff “Rheuma“ verbunden mit Schmerzen, Entzündung, Schwellung. Man denkt an verdickte und verformte Gelenke, die stetig zunehmend versteifen.

"Rheuma" ist keine Diagnose im engeren medizinischen Sinne. Rheuma ist auch keine einheitliche Krankheit. Die Fachwelt unterscheidet zirka 400 verschiedene Formen.

In der ärztlichen Praxis treten Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises in vielfältiger Weise in Erscheinung: sie befallen Gelenke, Bänder und Sehnen, Muskel und Knochen, in seltenen Fällen auch innere Organe. Sie verursachen Schwellungen, Schmerzen mit nachfolgend eingeschränkter Beweglichkeit. Grundsätzlich kann eine rheumatische Erkrankung in jedem Lebensalter auftreten. Die Ursachen sind höchst unterschiedlich.

Ärzte unterscheiden drei große Formenkreise des „Rheuma“:

• die Gruppe, die auf chronisch-entzündliche Selbstzerstörungsprozesse im Sinne einer Autoimmunerkrankung zurückzuführen ist,
• jene Krankheiten, denen ein degenerativer („Verschleiß“) Prozess zugrunde liegt, und
• schließlich weichteilrheumatische Erkrankungen, die Bereiche um die Gelenke – also Muskeln, Sehnen, Bänder, Bindegewebe – betreffen.

Entzündliche Gelenkserkrankungen (zum Beispiel „Arthritis“) werden mit der Endung „-itis“ (zum Beispiel „Arthritis“) benannt; degenerative Erkrankungen mit der Endung „-ose“ (zum Beispiel „Arthrose“).

Die Arthritis, also die Entzündung von Gelenken, ist weitaus am häufigsten. In diese Gruppe gehört die "Rheumatoide Arthritis", auch "Chronische Polyarthritis“ (cP) genannt, bei der fast alle Gelenke entzündet sein können. Beim "Bechterew" sind die Gelenke zwischen den Wirbeln entzündlich befallen. Aber auch Muskel (Polymyalgie) und das Bindegewebe (Kollagenosen) können betroffen sein.

Sehr häufig treten Arthrose als degenerativer Rheumatismus auf. Diese Stoffwechselstörung des Gelenkknorpels kann an den über 200 Einzelknochen, die beim Menschen gelenkig miteinander verbunden sind, auftreten. Ganz gleich ob großes und kleines Gelenk. Diese degenerativen rheumatischen Erkrankungen plagen zwar häufig ältere Menschen, daher die wenig einfühlsame Bezeichnung „Verschleiß“, aber auch Jüngere bleiben nicht verschont.

Weichteilrheumatismus tritt auf in lokalisierten Formen, z.B. Tennisellbogen oder in generalisierter Form („Fibromyalgie“). Hier sind Sehnen, Bänder und Gelenke schmerzhaft gereizt oder entzündet, nicht eigentlich Knochen oder Knorpel.

Stoffwechselstörungen wie die Gicht (Überschuss an Harnsäure) und Osteoporose (Knochenschwund) fallen ebenfalls unter den Sammelbegriff „Rheuma“.

Zunehmende Bedeutung erlangen in Theorie und Praxis die sogenannten Autoimmunerkrankungen. Hier spielen bestimmte Antikörper eine zentrale Rolle im rheumatischen Krankheitsgeschehen. Ihnen, lieber Leserinnen und Leser, sind diese potenten Moleküle bekannt. Denn sie leisten im Kampf gegen bedrohliche Bakterien oder Viren täglich vorteilhaft ganze Arbeit. Doch durch einen „Irrtum“ angestachelt, kann unser Immunsystem Antikörper auch unvorteilhaft gegen eigene Körperzellen produzieren.

Als Betroffener fragen Sie natürlich, was kann ich selbst tun, um mit Rheuma gut zu leben. Ernährung spielt eine wesentliche Rolle. Die oft zitierte Rheumadiät gibt es nicht, aber man sollte die allgemeinen Richtlinien des gesunden Essens einhalten und vor allem auf Fett und gesättigte Fettsäuren verzichten. Also pflanzliche Öle verwenden. Vor allem aber geht es darum, mit der Krankheit und nicht für sie zu leben. Akzeptieren Sie „Ihr Rheuma“ als eine chronische Krankheit, die der ständigen ärztlichen Betreuung bedarf, aber nicht Ihren Lebensinhalt darstellen darf.

Für Ihre Gesundheit alles Gute
wünscht Ihnen Ihr
Wolfgang Woynar

Herzlichst Ihr Wolfgang Woynar

Die häufigsten rheumatischen Erkrankungen

Autoimmunerkrankungen

Rheumatoide Arthritis ist eine entzündliche Systemerkrankung der Gelenke unbekannter Ursache. Genetische Faktoren sowie Umwelteinflüsse spielen eine wichtige Rolle für den Krankheitsverlauf und das Ausmaß des Entzündungsprozesses.

Morbus Bechterew ist eine entzündlich-rheumatische Erkrankung, die langsam fortschreitet und vor allem zur Bewegungseinschränkung und Krümmung der Wirbelsäule führt. Einzelne oder mehrere Gelenke können vollständig versteifen. Typisches genetisches Merkmal (HLA-B27).

Psoriasis-Arthritis: chronische Gelenksentzündung, die bei bis zu 20 Prozent der Patienten mit Psoriasis (Schuppenflechte) auftreten kann. Ursachen: weitgehend unbekannt.

Morbus Crohn: chronische Darmentzündung, die meist den letzten Dünndarmabschnitt und den Dickdarm befällt, aber auch Gelenke, Wirbelsäule und Augen befallen kann.

Verschleißprozesse

Arthrose ist primär eine nicht-entzündliche Gelenkserkrankung, die vorwiegend durch einen Abbau des Gelenksknorpels und des darunter liegenden Knochens gekennzeichnet ist. Die Arthrose ist die häufigste Ursache für Gelenksschmerzen und betrifft bei den über 50-Jährigen bis zu 80 Prozent der Bevölkerung. Ursache sind Umbauprozesse im Knorpelgewebe und im gelenksnahen Knochengewebe. Dabei kommt es zu einer Störung des Gleichgewichts im Knorpelstoffwechsel, wobei der Abbau von Knorpelsubstanz überwiegt.


Weichteilrheumatische Erkrankungen

Unter diesem Begriff fassen Mediziner eine Reihe von Erkrankungen zusammen. Sie reichen von einer harmlosen Muskelverspannung über einen Tennis-Ellbogen bis hin zur Sehnenscheidenentzündung.
Häufige Ursachen sind Abnutzung, Kälte, Fehlhaltungen, Überbeanspruchung, etc. Die Folge sind Schmerzen in den sogenannten Weichteilen– also in Muskeln, Bändern, Sehnen, Sehnenscheiden und Schleimbeuteln. Beim lokalisierten Weichteilrheuma konzentrieren sich die Schmerzen auf eine bestimmte Stelle. Im Gegensatz dazu treten sie beim „generalisierten Weichteilrheuma“ am ganzen Körper auf.

Die Behandlung besteht im Wesentlichen aus entzündungshemmenden und/oder muskelauflockernden Substanzen, ggf. Kortison, ergänzt durch Bewegungstherapie und Entspannungsübungen.



Dr. med. Wolfgang Woynar
Facharzt für Allgemeinmedizin
woynar@hausarzt-bremerhaven.de



Mein ärztlicher Rat: Nicht einfach drauf los!


Viel Bewegung bei geringer Belastung.

Wer vor Rheumaschmerzen kaum die Treppe herauf oder hinunter kommt, wird jede unnötige Bewegung vermeiden wollen. Erst recht kann er sich nur ungern mit der Vorstellung anfreunden, regelmäßig Sport treiben zu sollen. Doch gerade regelmäßige Bewegung ist ein entscheidender Pfeiler im Kampf gegen Schmerzen und eine zunehmende Versteifung der
Gelenke. Dabei kommt es nicht darauf an, sportliche Höchstleistungen zu vollbringen, sondern die Muskulatur auf schonende Weise zu kräftigen. Es gibt zahlreiche sanfte Möglichkeiten, die Beweglichkeit zu verbessern und Schmerzen zu lindern. Das Motto heißt mit Bewegung gegen Muskelschwund, Fehlhaltung und Schmerzen.

Ideal ist beispielsweise das Tanzen. Die Konzentration richtet sich auf die Musik; dadurch fällt es leichter, eine aufrechte Körperhaltung einzunehmen und sich unverkrampft zu bewegen. Tanzen nach Musik ist ein echter Stimmungsaufheller und kann dazu beitragen, dass Schmerzen weniger wahrgenommen werden. Scheinbar ganz nebenbei stärkt es die Muskelkraft und wirkt sich positiv auf Herz und Kreislauf aus. Natürlich ist Tanzen nicht jedermanns Sache.
Radfahren in der Ebene, Wassergymnastik, Rückenschwimmen oder Wandern eignen sich ebenfalls, um in Bewegung zu bleiben. Hauptsache, die Gelenke werden nicht über Gebühr belastet und es macht Spaß - denn nur so bleibt man auch langfristig am Ball.

Zunehmende Bedeutung hat auch das gezielte, aber schonende Krafttraining an Geräten. Von Sportarten, die den Körper einseitig belasten, Fehlhaltungen fördern oder ein hohes Verletzungsrisiko bergen, ist abzuraten. In Einzelfällen können Sportler jedoch ihre
persönliche Leidenschaft trotz Rheuma weiter ausüben, wie zum Beispiel das Golfspielen oder Reiten.
Besprechen Sie neue sportliche Betätigung zuvor mit Ihrem Hausarzt. Stimmen Sie
Maßnahmen wie Krankengymnastik, Massage, Wärme oder Kältetherapie mit ihm ab. Zudem gilt es, auf den Körper zu hören und sich nicht zu überfordern. Regelmäßige, am besten mehrmals wöchentliche Bewegung ist sinnvoll, doch beim akuten Schub ist Sport
tabu. Besondere Trainingsmethoden sollten niemals im Selbststudium ausgeübt werden, sondern nur unter der fachkundigen Anleitung eines Trainers. Spezielle Sportgruppen für Rheumakranke sind eine interessante Option für alle, die Gleichgesinnte treffen möchten oder sich in der Gruppe besser motivieren können. Körperliches Training ist unverzichtbar für die Gelenkfunktion. So stützt eine kräftige Muskulatur das Skelett, die Knochen werden weniger belastet, Fehlhaltungen vermieden, die Sturzgefahr gesenkt und Schmerzen gelindert. Darüber hinaus ist Bewegung die Voraussetzung für ein - im wahrsten Sinne des Wortes - reibungsloses Funktionieren des Gelenks. Eine Schlüsselrolle spielt
hierbei der Gelenkknorpel; er sorgt dafür, dass die Knochen nicht aufeinander reiben. Die „Gelenkschmiere“ erleichtert die Bewegung und schützt den Knorpel vor Abnutzung. Zudem versorgt sie ihn mit lebenswichtigen Nährstoffen und spült Abbauprodukte aus. Doch hierfür ist Bewegung notwendig: Denn nur dann gelangt die Gelenkschmiere aus der Gelenkinnenhaut zum Knorpel. Darüber hinaus fördert Bewegung die Durchblutung, regt den Stoffwechsel an und hilft, dass Schmerz fördernde Substanzen abtransportiert werden.

Dr. med. Wolfgang Woynar
Arzt für Allgemeinmedizin-Sportmedizin
www.hausarzt-bremerhaven.de



Mein Rat bei Arthrosen:



Mindestens fünf Millionen Menschen leiden allein in Deutschland an Gelenkverschleiß. „Damit müssen Sie einfach leben.“ Da ist man natürlich geschockt, wenn man das gesagt bekommt. Dennoch gibt es einige Möglichkeiten, das Leiden zu lindern.

Arthrosen sind degenerative, d.h. verschleißbedingte Erkrankungen der Gelenke und in die große „Familie“ der Rheumaerkrankungen einzuordnen. Arthrose meint zunächst keine Entzündung, sondern den langsamen Abbau des Gelenkknorpels, dem wichtigen „Stoßdämpfer“ zwischen den Gelenken, den Stellen, an denen Knochenenden aufeinandertreffen. Wird der Puffer zerstört, reiben die Knochenenden aneinander und reiben sich dadurch ab. Zwar bilden sich neue Knochensubstanzen, doch die führen zu Versteifungen und Auswachsungen, die das Gelenk deformieren.

Entscheidend ist, dass zerstörter Knorpel sich nicht mehr regeneriert. Lebenslang haben wir nur einen Satz dieser wartungsfreien „Stoßdämpfer“.
Die schleichende Verschlechterung erfolgt, weil die Betroffenen sich wegen ihrer Beschwerden immer weniger bewegen.
Die Folge: die Muskulatur wird schwächer, das Gelenk immer unbeweglicher.
Zudem birgt weniger körperliche Aktivität die Gefahr deutlich an Gewicht zuzulegen.
Ein Teufelskreis: das Gelenk wird noch mehr belastet und macht mehr Beschwerden.

Dr. med. Wolfgang Woynar
Arzt für Allgemeinmedizin-Sportmedizin
www.hausarzt-bremerhaven.de


Habe ich Rheumatoide Arthritis?

Eine Hilfe sind die „Klassifikationskriterien“ des American College of Rheumatology:
1. Morgensteifigkeit in den Gelenken von mindestens 60 Minuten Dauer
2. Arthritis (= Gelenkentzündung) mit Schwellung und/oder Erguss in drei oder mehr Gelenkbereichen
3. Arthritis im Bereich der Hände (Handgelenke, Fingergrund- und -mittelgelenke)
4. Symmetrische Arthritis (auf beiden Körperseiten sind die gleichen Gelenke betroffen)
5. Nachweis von Rheumaknoten
6. Nachweis des „Rheumafaktors“ im Blutserum
7. Typische Veränderungen im Röntgenbild (z. B. Entkalkungen, Gelenkspaltverschmälerungen, Zysten, Erosionen)

Eine rheumatoide Arthritis liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit vor, wenn mindestens vier der genannten sieben Symptome auftreten. Bestehen die Merkmale 1 bis 4 seit mindestens sechs Wochen, ist die Diagnose sehr wahrscheinlich. Diese Merkmale können Sie selbst feststellen. Aufmerksam werden sollten Sie, wenn Sie morgens nach dem Aufstehen steife Fingergelenke bemerken. Auffällig wird es, wenn kein Faustschluss möglich ist, oder Sie sich die Schuhe nicht zubinden oder eine gefüllte Tasse halten können.

Rheuma? - Testen Sie sich selbst!

Fast jeder leidet irgendwann im Laufe des Lebens unter Schmerzen im Bewegungsapparat. Meist verschwinden die Schmerzen genauso schnell wieder, wie sie gekommen sind. Manchmal bleiben sie aber auch bestehen, oder kommen immer wieder. Dies können bereits Anzeichen für eine chronische rheumatische Erkrankung sein, die in jedem Lebensalter auftreten kann. Bei Verdacht auf Rheuma sollte so rasch wie möglich ärztlicher Rat eingeholt werden.

Beantworten Sie einfach die Fragen. Die Auswertung kann Ihnen und Ihrem Hausarzt erste Hinweise geben, ob Ihre Beschwerden rheumatischer Natur sind. Je früher mit der richtigen Behandlung begonnen wird, desto besser. Mit modernen Rheuma-Medikamenten können schwere Folgeschäden gelindert werden. Sie lindern nicht nur die Schmerzen, sondern sorgen vor allem dafür, dass Entzündungsprozesse und die damit verbundene fortschreitende Zerstörung der Gelenke wirksam gestoppt werden.

• Leiden Sie unter Gelenkschmerzen, die nicht auf eine Verletzung oder einen Unfall zurückzuführen sind?
• Haben Sie Gelenkschwellungen, insbesondere an den Fingergelenken?
• Wenn ja, sind diese Schwellungen teigig weich (und nicht knöchern hart)?
• Leiden Sie an einer Steifigkeit in den Fingern, die länger als 30 Minuten dauert?
• Haben Sie Schmerzen beim Händedruck?
• Schmerzen die Knie- oder Hüftgelenke bei den ersten Schritten und „läuft es sich dann ein“?
• Schmerzen die Gelenke besonders beim Treppen abwärts gehen?
• Haben Sie häufig Rückenschmerzen und treten diese vor allem nachts oder frühmorgens auf?
• Haben Sie Schwierigkeiten sich zu bücken, um ein Kleidungsstück vom Boden aufzuheben?
• Tut Ihnen der gesamte Körper weh?


Wenn Sie eine oder mehrere Fragen mit „Ja“ beantworten, sollten Sie Ihren Hausarzt aufsuchen.

woynar@hausarzt-bremerhaven.de




Die wichtigsten Arthroseformen:


• Die Hüftgelenks- oder Coxarthrose bezeichnet eine angeborene oder durch falsche Haltung – Fehlstellungen und Achsenabweichungen (O- und X-Beine) – erworbene Überlastung und Abnutzung des Hüftgelenks.

Als Sport empfohlen: Radfahren, Schwimmen, Gymnastik.

• Die Kniegelenkarthrose ist eine der häufigsten Gelenkerkrankungen. Warum daran Frauen etwa viermal häufiger als Männer erkranken ist allerdings nicht bekannt. Hilfreich sind gut trainierte Beinmuskeln, denn die sichern die Gelenkführung und schützen den Knorpel. Im Prinzip gilt, dass man jede Belastung sofort beendet und vermeidet, wenn sie zu schmerzen beginnt.

• Unter Fingergelenkarthrose leiden besonders viele Frauen. Da sich die Finger sichtbar stark deformieren, verstärkt sich der Leidensdruck zusätzlich. Alle Tätigkeiten mit den Händen sind stark eingeschränkt und ständige Schmerzen beeinträchtigen weiter. Auch hier gilt: Überbelastung vermeiden! Sportarten wie Volley- oder Basketball, Tennis, Ski, Rudern sind ungeeignet. Besser: Schwimmen, Joggen, Wandern, Radfahren.

• Die Wirbelsäulenarthrose ist äußerlich kaum zu erkennen, denn die insgesamt 48 Gelenke liegen versteckt. Häufig wird die Wirbelsäule starken Belastungen ausgesetzt, sei es durch schwere Arbeit, Sport oder durch Über- und Fehlbelastung. Ausgehend von der Wirbelsäule strahlen Schmerzen oft in Arme oder Beine aus.

Radfahren, Rückenschwimmen und Spazierengehen belastet wenig und garantiert dennoch die notwendige Bewegung.

• Das beweglichste Gelenk unseres Körpers ist das Schultergelenk. Schon deshalb ist die Gefahr von Fehl- und Überbelastungen sehr groß, Verschleißerscheinungen sind programmiert. Bewegung in Maßen ist auch hier wichtig. Vor allem sollten einseitige Belastungen vermieden werden – sonst geht eines Tages auch hier nichts mehr „reibungslos“.

Dr. med. Wolfgang Woynar
FA Allgemeinmedizin-Sportmedizin
www.gesundheitsforum-bremerhaven.de


Welche Behandlungsstrategien gibt es?

Ziel der Behandlung ist es, die Entzündungsaktivität während der Schübe zu drosseln und die Abstände zu verlängern. Da die Gelenke in den ersten drei bis fünf Jahren die schwersten, meist unwiderruflichen Schäden davontragen, ist eine frühzeitige und kompetente Behandlung für die weitere Lebensqualität von entscheidender Bedeutung. Notwendig sind langfristige, regelmäßige und gezielte Maßnahmen:

• Medikamente: sogenannte Basistherapeutika mit entzündungshemmenden Eigenschaften: nicht-steroidale Antirheumatika (NSRA), Cortison u.v.a.

• Bewegung: um Schmerzen zu vermeiden, neigt jeder dazu, die Gelenke zu schonen - mit fatalen Folgen!

• physikalische Therapie (Wärme, Kälte, Massagen, Elektrotherapie), Krankengymnastik und Ergotherapie

• operative Therapie: z.B. Korrekturoperation bei Gelenkfehlstellungen oder Funktionseinschränkungen, Gelenkersatz.

• Psychotherapie: zusätzlich und begleitend sinnvoll, wenn die Schmerzen unerträglich werden und der Patient durch seine Krankheit depressiv wird
(Schmerzbewältigung und Entspannungstraining).


Therapie: Was tun?

Um maßgeschneiderte Hilfe zu erreichen, werden in der klassischen Rheumatherapie vor allem die nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) sowie Kortison eingesetzt. NSAR werden bei allen rheumatischen Erkrankungen verwendet, denn sie wirken schmerz- und entzündungshemmend. Kortison wirkt generell am stärksten entzündungshemmend und ist daher bei der Behandlung von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen zumindest zeitweise unerlässlich. Auch wenn vielfach großes Misstrauen gegenüber dieser Substanz herrscht, treten Ärzte dafür ein, Kortison weder zu verdammen noch zu verharmlosen: Kortison ist ein potentes Medikament, das gut erforscht ist. Sein Nutzen für Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen ist in jedem Fall höher als das Risiko, aber man muss es kontrolliert und streng nach Anweisung einnehmen!
Eine wichtige Rolle in der Behandlung entzündlich-rheumatischer Gelenkserkrankungen spielen auch die sogenannten Basistherapeutika, die den Entzündungsprozess in den betroffenen Gelenken zurückdrängen sollen. Diese Medikamente wirken anders als NSAR nicht nur gegen die Symptome der Entzündung, sondern auch gegen die Ursachen – allerdings meist erst nach Wochen bis Monaten kontinuierlicher Behandlung.
Unzählige Medikamente sind auf dem Markt: NSAR, COX-2-Hemmer, Kortison, Hyaluronsäure, etc. Rheumatologen haben klare Behandlungsstrategien erarbeitet und aufgelistet. An die sollten sich Patienten und Ärzte halten.