Liebe Leserinnen und liebe Leser,

das letzte Heim eines Menschen sollte das Beste sein! Keinesfalls darf es ein Altengetto sein.

Das letzte Heim eines Menschen sollte auf die Bewohner Rücksicht nehmen und nicht umgekehrt. Warum nicht mit Gewächshäusern, in denen frisches Gemüse gezogen wird? Mit Blumen in reicher Fülle: Topfpflanzen zur Pflege und Schnittblumen zur schmückenden Ausgestaltung der Räumlichkeiten und des eigenen Zimmers. Eine große Bibliothek mit Zeitschriften, ein Raum zum Gestalten und Malen. Physikalische Therapie und ein Bewegungsbad. Friseur und Fußpflege.

Die Wirklichkeit in Deutschland sieht anders aus: eine unerträgliche Gewöhnung an oft unerträgliche Zustände. Unbestreitbar ist Fakt, dass die Pflege unter Qualitätsproblemen leidet. Das geht aus dem aktuellen Pflegebericht 2007 des Medizinischen Dienstes der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS) hervor.

• Bei Kontrollen wurde im Durchschnitt bei jedem zehnten Heimbewohner und bei 5,7 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause ein "akut unzureichender Pflegezustand" festgestellt.

Die Kritiker beanstanden vor allem die mangelhafte Transparenz im Pflegewesen.

Der Bericht zwingt aber auch dazu, sich Gedanken über eine Gesellschaft zu machen, die geflissentlich wegschaut. Denn es fehlt an gesellschaftlicher Anerkennung für gute Pflegekräfte - vielfach Frauen, die Tag für Tag unter hoher psychischer und physischer Belastung waschen, füttern, Windeln wechseln, Medikamente einflößen. Diese Altenpfleger/-innen, die unter ständigem Zeitdruck und für mäßigen Lohn arbeiten, sind die wahren Helden des Alltags, über die man nicht spricht - weil wir allesamt das Thema meiden wie die Pest.

Stattdessen prangert nicht nur die Boulevardpresse an. Schimpf und Schande prasselt auf Pfleger und Heimaufsicht nieder, die Senioren angeblich fortwährend und vorsätzlich verwahrlosen lassen.

Ganz so einfach ist die Sache auch wieder nicht. Zur Erläuterung zwei Beispiele:

• Nach wie vor gibt es gravierende Mängel bei Ernährung und Flüssigkeitsversorgung der Pflegebedürftigen. Bei etwa jedem dritten Pflegefall (Heime: 34,4 Prozent; ambulante Pflege: 29,6 Prozent) stellten die Prüfer Defizite fest.
Dies bedeutet aber nicht zwingend, dass die Betroffenen unterversorgt oder mangelhaft ernährt sind. Vielmehr führt allein die unzureichende Dokumentation der Kontrollen zu einer schlechten Gesamtbewertung. Schon jetzt werden mehr als 18% der Zeit der Mitarbeiter für die Erfassung von Daten aufgewendet, Tendenz steigend.

Dokumentation droht wichtiger zu werden als die Qualität der Pflege selbst.

• Mehr als 35 Prozent der Heimbewohner und etwa 42 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause werden dem Bericht zufolge nicht häufig genug umgebettet.
Diese Zahlen allein lassen keine Rückschlüsse darauf zu, ob bei den Betroffenen tatsächlich akute Gesundheitsprobleme, wie etwa „wund liegen“, aufgetreten sind.

Zur allgemeinen Zufriedenheit besteht wahrlich kein Anlass. Die Pflege hat nach wie vor ein echtes Qualitätsproblem. Aber insgesamt hat sich die Qualität der Pflege in Deutschland in den vergangenen Jahren nachweislich verbessert. Zugegeben: es gibt große Unterschiede. Neben guten Pflegeheimen gibt es auch grottenschlechte. Dies bedeutet aber nicht, dass es insgesamt einen "Pflegeskandal" gibt. Meiner Erfahrung nach ist gute Pflege in Deutschland möglich. Wobei „Gut“ nicht gleichbedeutend mit „Teuer“ sein muss.

Wenn auch das Betreiben von Pflegeheimen ein auf Gewinn ausgerichtetes Gewerbe ist, darf die Wahl einer solchen Einrichtung kein Glücksfall bleiben. Zudem müssen sich die Bedingungen für die Heimleitung und die Mitarbeiter bessern. Vom Zeitdruck geprägtes Handeln im Minutentakt und ein Dienst für geringen Lohn verschlechtern zwangsläufig die Qualität. Wer aber gute Arbeit verlangt, muss bereit sein, einen angemessenen Preis zu zahlen. Und der ist gewiss höher als derzeit.
Sonst fehlt etwas, was kein Gesetzgeber regeln kann: Zuwendung, Nähe und Zeit. Denn die Würde des Menschen endet nicht im Alter oder bei Pflegebedürftigkeit. Das ist leider nicht so selbstverständlich, wie es klingt.

Immer mehr Senioren experimentieren mit neuen Wohnformen – Motto: „Gemeinsam leben und alt werden“ - um ein einsames Ende im Pflegeheim zu vermeiden. Das ist lobenswert. Dahingestellt bleibt, ob die „Alten-WGs“ im Falle der Pflegebedürftigkeit ausreichend gewappnet sein werden.

Menschen machen sich häufig mehr Gedanken, welches Auto sie sich als Letztes leisten wollen, oder welchen Urlaub, als dass sie nur annähernd gründlich Pläne für ihr eigenes Alter schmieden. Darüber sollten Sie, liebe Leserinnen und Leser, in einer ruhigen Minute einmal nachdenken. Nach dem Motto: „Ich bin für mein Alter selbst verantwortlich. Ich muss die Sache selbst in die Hand nehmen.“ Je früher, desto besser.

Für Ihre Gesundheit alles Gute wünscht Ihnen
Ihr Wolfgang Woynar

Herzlichst Ihr Wolfgang Woynar

Die Pflegeversicherung

Die Notwendigkeit einer Pflegeversicherung ist unbestritten. Aber um ihre konkrete Ausgestaltung, die daraus erwachsenden Regelungen zu Leistungen, Beiträgen und Organisation - darüber wird bis heute endlos lange gestritten.

Die Idee war einfach: Pflegebedürftigkeit ist ein allgemeines Lebensrisiko. Es führt für die Betroffenen und ihre Angehörigen zu großen psychischen, physischen und finanziellen Belastungen.

Pflegebedürftigkeit bedeutet, bei lebensnotwendigen Verrichtungen des täglichen Lebens auf fremde Hilfe angewiesen zu sein.

Dafür finanzielle und sachliche Hilfe bereitzustellen, ist Aufgabe der Pflegeversicherung.

In welchem Umfang?

Der politisch vorgegebene finanzielle Rahmen dieser fünften Säule der Sozialversicherung setzt Grenzen. Die Kosten von Pflegebedürftigkeit können bekanntlich nicht vollständig, sondern nur teilweise abgesichert werden. So kann es beispielsweise sein, dass bei Inanspruchnahme eines Pflegedienstes zur regelmäßigen Durchführung von Pflegeleistungen in der Grundpflege alle Versicherungsleistungen bereits verbraucht werden. Diese können im Einzelfall aber nur ein Bruchteil dessen sein, was tatsächlich täglich an notwendiger Hilfe erbracht werden muss. Die verbleibenden Pflegehandlungen müssen dann zusätzlich finanziert oder „vergütungsfrei" von den Angehörigen geleistet werden.

Die wesentliche Zielsetzung der Pflegeversicherung war eine Verbesserung von Infrastruktur und Qualität in der ambulanten Pflege, um die Notwendigkeit von Heimunterbringungen und damit verbundenen hohen Kosten für die Sozialkassen zu verringern.

Diese Zielrichtung wird unter dem Schlagwort - ambulant vor stationär - zusammengefasst.

Wer ist überhaupt leistungsberechtigt?

Alle Versicherten, die eine Vorversicherungszeit erfüllt haben, wenn zusätzlich:

• die Pflegebedürftigkeit aus Krankheit oder Behinderung resultiert,

• voraussichtlich mindestens 6 Monate andauert und

• im Rahmen einer Begutachtung durch den Medizinischen Dienst mindestens erhebliche
Pflegebedürftigkeit (Stufe 1) festgestellt wurde.

Was sind Pflegestufen?

Die Leistungen der Pflegeversicherung für Pflegebedürftige (und auch für eine Pflegeperson) sind nach Pflegestufen gestaffelt. Maßgeblich dafür sind der Umfang und die Häufigkeit der benötigten Hilfen bei der Körperpflege, der Ernährung, der Mobilität und der hauswirtschaftlichen Versorgung. Die jeweils zutreffende Pflegestufe wird bei Feststellung der Pflegebedürftigkeit bestimmt.

Man hat sich bei Einführung der Pflegeversicherung für drei Pflegestufen entschieden. Maßstab für die Zuordnung zu einer dieser drei Pflegestufen sind vor allem die Häufigkeit des Hilfebedarfs im Tagesverlauf und ein zeitlicher Mindestaufwand.

Welcher Zeitaufwand ist zu bewerten?

Es ist zunächst einmal wichtig, die einzelnen Verrichtungen anzusehen. Zu unterscheiden ist zwischen Grundpflege und hauswirtschaftlicher Versorgung. In der Praxis zeigt sich dabei, dass die Verrichtungen der Grundpflege die wesentliche Rolle bei der Zuordnung zu den einzelnen Pflegestufen spielen, so dass im weiteren die hauswirtschaftliche Versorgung vernachlässigt wird. Die Grundpflege selbst wird in drei Bereiche unterteilt:

1. Die Körperpflege umfasst das Waschen, das Duschen, das Baden, die Zahnpflege, das Kämmen, das Rasieren und die Ausscheidung.

2. Die Ernährung setzt sich aus der mundgerechten Zubereitung der Nahrung und der Nahrungsaufnahme zusammen.

3. Im Bereich der Mobilität sind das Aufstehen und Zubettgehen, das Lagern, das An- und Auskleiden, das Stehen mit allen Transfers, das Gehen, das Treppensteigen ausschließlich innerhalb der Wohnung sowie das Verlassen- und Wiederaufsuchen der Wohnung ausschließlich bei regelmäßig, das heißt mindestens einmal wöchentlich, anfallenden Arzt- und Therapiebesuchen zusammengefasst.

Ausgehend vom Ausmaß der krankheitsbedingten Unselbständigkeit des Pflegebedürftigen bei diesen Alltagsverrichtungen unter Berücksichtigung der noch erhaltenen Fähigkeiten wird im Rahmen der Begutachtung ein durchschnittlicher Zeitaufwand veranschlagt, den ein Angehöriger oder eine andere nicht als Pflegekraft ausgebildete Pflegeperson für alle berücksichtungsfähigen Verrichtungen benötigt.

Dr. med. Wolfgang Woynar
Arzt und Psychologe
www.hausarzt-bremerhaven.de

Die drei Pflegestufen:


Pflegestufe I

Erheblich Pflegebedürftige. Hilfebedarf besteht einmal täglich bei wenigstens zwei Verrichtungen aus den Bereichen Körperpflege, Ernährung oder Mobilität und zusätzlich mehrfach in der Woche bei der hauswirtschaftlichen Versorgung.

Der Zeitaufwand, den ein Familienangehöriger oder eine andere nicht als Pflegekraft ausgebildete Pflegeperson für die erforderlichen Leistungen der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt, muss wöchentlich im Tagesdurchschnitt mindestens 90 Minuten betragen; hierbei müssen auf
die Grundpflege mehr als 45 Minuten entfallen.

Pflegestufe II

Schwerpflegebedürftige. Hilfebedarf besteht dreimal täglich zu verschiedenen Zeiten für Verrichtungen aus den Bereichen Körperpflege, Ernährung oder Mobilität und zusätzlich mehrfach in der Woche bei der hauswirtschaftlichen Versorgung.

Der Zeitaufwand, den ein Familienangehöriger oder eine andere nicht als Pflegekraft ausgebildete Pflegeperson für die erforderlichen Leistungen der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt, muss wöchentlich im Tagesdurchschnitt mindestens drei Stunden betragen; hierbei müssen auf die Grundpflege mindestens zwei Stunden entfallen.

Pflegestufe III

Schwerstpflegebedürftige. Hilfebedarf besteht rund um die Uhr bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität und zusätzlich mehrfach in der Woche bei der hauswirtschaftlichen Versorgung.

Der Zeitaufwand, den ein Familienangehöriger oder eine andere nicht als Pflegekraft ausgebildete Pflegeperson für die erforderlichen Leistungen der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt, muss wöchentlich im Tagesdurchschnitt mindestens fünf Stunden betragen. Auf die Grundpflege müssen mindestens vier Stunden entfallen.

Bei Kindern ist für die Zuordnung zu einer Pflegestufe der zusätzliche Hilfebedarf gegenüber einem gesunden gleichaltrigen Kind maßgebend.

Das Bundessozialgericht hat Kriterien genannt, nach denen der Grad der Pflegebedürftigkeit bei Säuglingen und Kindern bis zum Alter von acht Jahren festgestellt werden kann. Ausschlaggebend ist der zeitliche Mehraufwand, den Eltern bei der Versorgung eines behinderten Kindes leisten. Beträgt dieser drei Stunden oder mehr, so ist das Kind als "schwer pflegebedürftig" einzustufen. Das entspricht laut Gericht Pflegestufe zwei oder drei des Pflegeversicherungsgesetzes. Mindestens neunzig Minuten Mehraufwand würden danach Pflegestufe eins rechtfertigen. Das BSG nennt - in Anlehnung an den für erwachsene Pflegebedürftige geltenden Katalog von 16 täglichen Verrichtungen (zum Beispiel Waschen und Anziehen) - auch für Kinder "Verrichtungen des Grundbedarfs": dazu gehören die Nahrungsaufnahme, Wickeln, Auf den Topf setzen, An- und Ausziehen, die Körperpflege des Kindes sowie der Zeitaufwand, den therapeutische Maßnahmen außerhalb des Hauses verursachen. Das Gericht stützt sich dabei auf Richtlinien des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen, da im Pflegeversicherungsgesetz selbst hierzu entsprechende Vorgaben fehlen. Im Gegensatz zu bedürftigen Erwachsenen ist es bei Kindern bis zu drei Jahren laut BSG unwichtig, bei wie vielen dieser Verrichtungen aufgrund der Behinderung ein Mehraufwand für die Eltern entsteht: allein die Zeitdauer entscheidet.

Dr. med. Wolfgang Woynar
Arzt und Psychologe
www.hausarzt-bremerhaven.de


So finden sie einen guten Pflegedienst

Jeder von uns kann von heute auf morgen zum Pflegefall werden. Ambulante Pflege zu Hause bieten in Bremerhaven neben den Wohlfahrtsverbänden mehr als zwanzig „private“ Pflegedienste an. Wie überall gilt: viele sind gut, wenige jedoch sind sehr gut. Die Wahl des richtigen Dienstes fällt da schwer. Einige Pflegedienste werben mit Qualitätssiegeln.

Woran aber erkennen SIE, ob Sie sich oder ihren Angehörigen in wirklich professionelle Hände begeben?

Qualitätskriterien helfen bei Ihrer Entscheidungsfindung weiter. Sie erhalten Sie als Kunde wertvolle Informationen über das Leistungsspektrum „Ihres“ Pflegedienstes.
Grundvoraussetzung für eine gute Qualität der Dienstleistung sind Menschen mit guter fachlicher Ausbildung und hohem sozialen Engagement. Nur so ist eine gute, überdurchschnittliche Pflegeleistung zu erreichen auf der Basis einer professionellen Planung und Organisation. Patientenzufriedenheit und kostenbewusstes Arbeiten sind die zwei Seiten derselben Medaille. Gute Pflege und professionelle Beratung gehen Hand in Hand. Eine enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Hausarzt hilft den Erfolg zu sichern.
Ein Pflegedienst, der diese Kriterien erfüllt, kann glaubhaft nachweisen, dass er hochwertige Arbeit leistet. Ihre Entscheidung für den geeigneten, besten ambulanten Pflegedienst kann Ihnen niemand abnehmen. Denn: was Qualität für den Einzelnen bedeutet, kann subjektiv sehr unterschiedlich bewertet werden. Dennoch gibt es eine Reihe von objektiven Faktoren, die durch die Prüfverfahren gesichert sind. Bestimmte Kriterien weisen auf mutmaßliche Qualität hin.

Was Sie vor Vertragsabschluss tun sollten:

Informieren Sie sich,
- welche Ausbildung und Qualifikation das Personal des Pflegedienstes hat
- welche Leistungen der Pflegedienst anbietet
- ob der Pflegedienst Wert darauf legt, möglichst immer dieselben Mitarbeiter bei Ihnen einzusetzen
Lassen Sie sich kompetent beraten – individuell und im Detail.
Die Pflegefachkraft des Pflegedienstes sollte Sie gezielt beraten,
- welche Leistungen sie voraussichtlich benötigen
- wie oft sie diese benötigen
- zu welcher Tageszeit die Leistungen erbracht werden sollen
- was diese Leistungen voraussichtlich kosten werden
- wie viel davon ihre Kranken- oder Pflegekasse bezahlt
- wo sie Hilfe bekommen, wenn sie sich keine Zuzahlung leisten können
- wie sie den Pflegedienst im Notfall erreichen können: hält er eine 24-stündige Bereitschaft vor oder nicht?
- wer ist bei Beschwerden ihr Ansprechpartner?
- wie können Sie den einmal geschlossenen Vertrag wieder kündigen?
Daran sollten Sie denken:
- Holen Sie verschiedene Angebote von Pflegediensten ein!
- Ziehen Sie im Zweifelsfall eine Person ihres Vertrauens zu den Beratungsgesprächen hinzu!

Wichtig: Schließen Sie mit dem Pflegedienst Ihres Vertrauens einen schriftlichen Vertrag ab, der alle – auch mündlichen – Vereinbarungen enthält, inklusive Kündigungsfristen!


Dr. med. Wolfgang Woynar
FA Allgemeinmedizin- Sportmedizin
woynar@hausarzt-bremerhaven.de